Auch Karl Ludwig von Woltmann der Autor von Theoderich, König der Ostgothen ist kein Unbekannter für uns. Es handelt sich um jenen smarten jungen Geschichtsprofessor aus Jena, der sich durch wenig überzeugende poetische Erzeugnisse ( Der Dorfkirchhof, Lethe) und in 1795/V durch den durchaus interessanten Beitrag zu einer Geschichte des französischen Nationalcharakters hervorgetan hat.
Hier und in der Fortsetzung im Augustheft nun gibt er einen Abriss von Theoderichs Leben und seiner Königsherrschaft in Ravenna. Die Aussage über Theoderichs Maxime(..), daß nehmlich alle wissenschaftliche Kultur, so nützlich sie dem Staat seyn mächte, der Tapferkeit nachtheilig und daher eines Gothen unwürdig sei, hielt ich zunächst für Ironie. Im Laufe des Artikels und seiner Fortsetzung im Augustheft wird aber klar, dass W. das durchaus positiv sieht und darin sogar das Geheimnis von Theoderichs Erfolg zu erkennen glaubt. Die unvermischte Koexistenz des zivilisierten gebildeten Wirtsvolks der Italiäner mit den naturbelassenen, naiven und kriegerischen Gothen sei der Schlüssel zu Frieden und Prosperität in Italien unter der Herrschaft Theoderichs gewesen. Ein wenig fühlt man sich an die „sich ergänzende Unterschiedlichkeit“ von Deutschen und Franzosen im Beitrag zur Geschichte des französischen Nationalcharakters erinnert.
Wie dem auch sei, dass Theoderich durch Zwangsmaßnahmen durchgesetzt hat, dass die bei Ausschreitungen durch die Italiäner zerstörten Synagogen der Juden wieder aufgebaut werden und dass das einer der Gründe für den Niedergang der gotischen Herrschaft gewesen sein soll, war mir neu.
Woltmanns Theoderich hat mir Lust gemacht, Jorge Luis Borges Geschichte vom Krieger und der Gefangenen noch einmal zu lesen, die den clash of cultures im Ravenna des 6.Jahrhunderts am Beispiel des Germanen Droctulft anrührend, wie nur Borges es kann, beschreibt.
Terribilis visu facies, sed mente benignus,
Longaque robusto pectore barba fuit.