Author Topic: Die Horen eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und hg. v. Schiller  (Read 255756 times)

Offline sandhofer

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Das 5. Stück - ein wahres Sammelsurium an Entlegenem und Entlegenstem ...

Benvenuto Cellini - wie immer überschlagen

Die Pulver-Verschwörung ...: Da hat wohl Schiller seinem Schwager ein bisschen Geld zustecken wollen. Ein anti-jesuitische Pamphlet zum Schluss, ein Nichts zum Anfang.

Elegie: Matthisson hätte heute Drehbuchautor für Splatter-Filme werden können

Die Juvenal-Nachahmung durch Alxinger hat sogar einen guten Beginn, dort, wo er sich gegen die Kant-Epigonen stellt, wird dann aber banal

Tibull - ein uns Heutigen nichts mehr zu sagen habender Elegiker; Voss als Übersetzer taugt mehr für den heroischen Homer

Theokrit - eine Idylle, und dann abermals von Voss übersetzt, der auch zum Idylliker nicht taugt

Schnitzel und Abfall - was soll ich bloss im Blog darüber schreiben?
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Gontscharow

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Schnitzel und Abfall - was soll ich bloss im Blog darüber schreiben?

Nichts. Und dann gucken, ob jemand die  monatliche Dosis Horen vermisst. Ist ja seit etlichen Folgen schon nicht mehr die volle Dröhnung. O0
Nein, im Ernst:
Schnitzel und Abfall - wahrscheinlich hast du recht. Eine Ausnahme gibt es aber wohl, jedenfalls in den Augen Schillers:  das Gedicht von Matthisson. Schiller hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, diesen zu seiner Zeit äußerst beliebten Naturlyriker - heute nur durch Vertonungen von Beethoven und Schubert noch nicht ganz vergessen - zu einem versprochenen Beitrag für die Horen zu bewegen. Am 18. Juni 1795 schrieb er an Matthisson:

Quote from:  Schiller, Briefe
Schon viele Monate habe ich Sie, mein lieber Freund, wie einen verlorenen Tropfen im Ocean, in der ganzen bewohnbaren Welt aufsuchen lassen[…]. Schon sechs Monate sind die Horen in der Welt, und Sie thun noch gar nicht, als wenn Sie mit zu unserer Societät gehörten[…].
[…] hoffe ich, wenigstens noch in diesem laufenden Jahr, etwas von Ihrer Hand zu erhalten…. Ihr langes Stillschweigen läßt mich hoffen, daß Sie recht fleißig gewesen sind[…]?
Für jetzt und für immer
Ihr aufrichtiger Freund

In Über naive und sentimentalische Dichtung zählt Schiller Matthisson unter die Sentimentalischen, die  Modernen .
 In der 1794 geschriebenen Abhandlung „Über Matthissons Gedichte“ wird deutlich warum. Zwar feiert er Matthisson aufgrund der Musikalität seiner Sprache als „Eingeweihten in die innersten Geheimnisse der poetischen Kunst" und"Jünger der wahren Schönheit“, äußert sich aber skeptisch seiner thematischen Beschränkung auf Natur und Landschaft gegenüber. Wie es bei den alten Griechen keine Landschaftsmalerei gebe, „seelenlose Natur“ nur dekorativer Hintergrund sei, so auch in der Lyrik und im Epos. Am Ende der Abhandlung spricht Schiller daher die  Empfehlung aus:
    
Quote from:  Schiller, Über Matthissons Gedichte
Nur von ihm wird es abhängen, jetzt endlich, nachdem er in bescheideneren Kreisen seine Schwingen versucht hat, einen höhern Flug zu nehmen, in die anmuthigen Formen seiner Einbildungskraft und in die Musik seiner Sprache einen tiefen Sinn einzukleiden, zu seinen Landschaften nun auch Figuren zu erfinden und auf diesen reizenden Grund handelnde Menschheit aufzutragen.

Mit seinem Gedicht im 5. Stück des 96er Jahrgangs scheint Matthisson den Wünschen Schillers entsprochen zu haben. Nicht unbedingt zum Vorteil des Gedichts. Das Sinnhafte, Positive, der tätige Mann am Ende wirken  aufgesetzt. Aber auch die morbide Stimmung der ersten Strophen  will mir überladen und künstlich vorkommen. Was den Ton, die Musikalität angeht, muss ich Schiller recht geben. Ich fühlte mich an Platens Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder… erinnert, was vielleicht an den vierhebigen bzw achthebigen Trochäen liegt, es ist der gleiche Sound.
« Last Edit: 27. Mai 2014, 18.30 Uhr by Gontscharow »

Offline sandhofer

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Nichts. Und dann gucken, ob jemand die  monatliche Dosis Horen vermisst.

Ja: Ich.  ;D

Im Ernst: Matthisson - Ich fürchte, Du hast Recht. Für heutige Verhältnisse unbrauchbar.
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Offline sandhofer

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Ich habe jetzt trotzdem mal was geschrieben: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5552
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Offline orzifar

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Hallo!

Exkurs zu der unten zitierten Frage der Idealismus-Definition: Kant selbst hat sich keinesfalls als einen Idealisten verstanden (vom deutschen Idealismus konnte er ohnehin noch nicht wissen), aber gegen Berkeley oder Cartesische Ansätze grenzt er sich ab:

Quote from: Kant
Denn daß ich selbst dieser meiner Theorie den Namen eines transszendentalen Idealisms gegeben habe, kann keinen berechtigen, ihn mit dem empirischen Idealism DESCARTES' (wiewohl dieser nur eine Aufgabe war, wegen deren Unauflöslichkeit es, nach CARTESENS Meinung, jedermann frei stand, die Existenz der körperlichen Welt zu verneinen, weil sie niemals gnugtuend beantwortet werden könnte), oder mit dem mystischen und schwärmerischen des BERKELEY (wowider und andre ähnliche Hirngespinste unsre Kritik vielmehr das eigentliche Gegenmittel enthält) zu verwechseln. Denn dieser von mir sogenannte Idealism betraf nicht die Existenz der Sachen, (die Bezweifelung derselben aber macht eigentlich den Idealism in rezipierter Bedeutung aus) denn die zu bezweifeln, ist mir niemals in den Sinn gekommen, sondern bloß die sinnliche Vorstellung der Sachen, dazu Raum und Zeit zuoberst gehören, und von diesen, mithin überhaupt von allen Erscheinungen, habe ich nur gezeigt: daß sie nicht Sachen, (sondern bloße Vorstellungsarten) auch nicht den Sachen an sich selbst angehörige Bestimmungen sind. Das Wort transszendental aber, welches bei mir niemals eine Beziehung unserer Erkenntnis auf Dinge, sondern nur aufs Erkenntnisvermögen bedeutet, sollte diese Mißdeutung verhüten. Ehe sie aber dieselbe doch noch fernerhin veranlasse, nehme ich diese Benennung lieber zurück und will ihn den kritischen genannt wissen. Wenn es aber ein in der Tat verwerflicher Idealism ist, wirkliche Sachen, (nicht Erscheinungen) in bloße Vorstellungen zu verwandeln, mit welchem Namen will man denjenigen benennen, der umgekehrt bloße Vorstellungen zu Sachen macht? Ich denke, man könne ihn den träumenden Idealism nennen, zum Unterschiede von dem vorigen, der der schwärmende heißen mag, welche beide durch meinen, sonst sogenannten transszendentalen, besser kritischen Idealism haben abgehalten werden sollen.

Bei der Lektüre der "Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können" darauf gestoßen. Aus dem angeführten Werk, Meiner Verlag, S. 47f. Das ist natürlich auch ein Hinweis darauf, wie sehr die deutschen Idealisten Kant missverstanden haben, der die Erkenntnis niemals von der Erfahrung abkoppeln wollte. Sondern dem es darum ging zu ergründen, warum synthetische Urteile a priori möglich sind. Dass sie möglich sind war für ihn keine Frage.

lg

orzifar




Beginn und Ausgangspunkt des Deutschen Idealismus stellt die Philosophie Immanuel Kants dar… [/i]:opa:
Diese Sicht kann man vertreten, muss man aber nicht. Zitierfähig ist wikipedia ohnehin nicht, was verständlich ist angesichts der immer noch vorhandenen Manipulationsmöglichkeiten.

Also m. E. geht man kein allzu großes Risiko damit ein, Kant als Idealisten zu bezeichnen.  Und die wikipedia befindet sich mit dieser ihrer Einschätzung in durchaus guter Gesellschaft. Auch der Ritter (hist. Wörterbuch der Philosophie) oder der Metzler sind dieser Meinung. Und mir fiele auch kein plausibler Grund ein, dieser Zuordnung zu widersprechen. (So schlecht ist die wiki im übrigen nicht - bei allen Vorbehalten: Auch andere Lexika sind vor Fehlern nicht gefeit.)

lg

orzifar

Ritter, dt. Idealismus:

1. jene Epoche deutscher Philosophie, die durch Kant ihren thematischen Bestand, auch ihren methodischen Ansatz erhält und mindestens in Deutschland Philosophie überhaupt synonym werden läßt mit den Systemen zwischen Kant und Hegel. Kennzeichnend für die früheren, zum Teil noch zeitgenössischen Darstellungen dieser Epoche ist die ziemlich feste Begrenzung und nur namentliche Bezeichnung derselben durch Kant und Hegel.
[Historisches Wörterbuch der Philosophie: Idealismus, Deutscher. HWPh: Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 11378
(vgl. HWPh Bd. 4, S. 35)]

2. thematischer Sammelbegriff für die Philosophie jener Denker, die in Anknüpfung an und in Auseinandersetzung mit Kant, aber auch untereinander eine «Philosophie des Geistes» entwickelt haben, die in Hegels System ihren Abschluß fand. Die Stellung Kants in diesem Zusammenhang wird verschieden gesehen. Wer Hegel für maßgeblich erklärt, wird Kant als den Anfang begreifen, dessen Ende Hegel ist.
[Historisches Wörterbuch der Philosophie: Idealismus, Deutscher. HWPh: Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 11379
(vgl. HWPh Bd. 4, S. 35)]
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

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Hallo!

Kant selbst hat sich keinesfalls als einen Idealisten verstanden (vom deutschen Idealismus konnte er ohnehin noch nicht wissen), aber gegen Berkeley oder Cartesische Ansätze grenzt er sich ab:

Auch Fichte - zumindest in den Jahren von 1794-1797- hat sich immer vom Idealismus, von Berkeley, abgegrenzt. So, wie auch von Descartes oder Leibniz.

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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06/96

Benvenuto Cellini: Goethes altväterisch-gravitätischer Stil macht mir die Lektüre unmöglich, tut mir leid.

Die zweite Idylle des Theokritos: Voß' Stil passt wirkich besser zu Homer. "Diesen zerstampfeten Molch zum Gifttrunk bring ich dir morgen" - ja, was ist das denn???

Szenen aus Shakespeares Sturm
: Schlegel ist seiner Aufgabe hingegen gewachsen.

Aus Platons Theätetus
: Noch eine Übersetzung. Von einem mir ansonsten unbekannten Johann Jakob Horner. Ich nehme an, es war der hier: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D45956.php

Das Geständniß
: Für  einmal ein Original (obwohl Kosegarten auch als Übersetzer gearbeitet hat ;) ). Was nicht heisst, dass die Qualität des Beitrags höher ist... Ludwig Gotthard Kosegarten war zu seiner Zeit berühmt. Er ist es heute nicht mehr. Zu Recht.

Unbenutztes Wissen / An Cäcilia / Der neue Orpheus: Einiges Original, anderes Übersetzung. Samuel Gottlieb Bürde hat sogar einen Eintrag bei Wikipedia. Diese Gedichte hier muss man trotzdem nicht kennen...

Eine äusserst unergiebige Nummer.

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Offline Gontscharow

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Die Idyllen des Theokrit gefallen mir sehr. Erst durch die Horen und dank Voß lerne ich sie nun kennen, φιλανθρώπως!
Nachdem o5/96 bereits die sechzehnte Idylle: Die Chariten enthielt, nun die zweite: Die Zauberin.

Die von Dir gerügte Zeile:

Diesen zerstampfeten Molch zum Gifttrunk bring ich dir morgen

übersetzt Eduard Mörike später so:

Einen Molch zerstampf' ich und bringe dir morgen den Gifttrank

Ist das so viel besser? Der Inhalt ist halt nicht der appetitlichste. Der reinere Hexameter jedenfalls ist von Voß.

Mörike scheint durch die  Horen zu seiner Beschäftigung mit Theokrit inspiriert worden zu sein, denn in seiner lyrischen Hommage trifft er dieselbe Auswahl wie Schiller/Voß:

Theokrit
Sei, o Theokritos, mir, du Anmutsvollster, gepriesen!
Lieblich bist du zuerst, aber auch herrlich fuerwahr.
Wenn du die Chariten schickst in die Goldpaläste der Reichen,
Unbeschenkt kehren sie dir, nackenden Fusses, zurueck.
Muessig sitzen sie wieder im ärmlichen Hause des Dichters,
Auf die frierenden Knie traurig die Stirne gesenkt.
Oder die Jungfrau fuehre mir vor, die, rasend in Liebe,
Da ihr der Juengling entfloh, Hekates Kuenste versucht


Ludwig Gotthard Kosegarten scheint eine originelle Persönlichkeit gewesen zu sein. Seine „Uferpredigten“ waren legendär. Das schwülstige dreiteilige Gedicht Geständnis wohl weniger. In Heinsius’ Bardenhain für Deutschlands edle Söhne und Töchter. Ein Schul- und Familienbuch von 1809 werden  Kosegarten zwar dichterische Fähigkeiten attestiert, aber vor seinem grellen, luxuriösen Stil wird gewarnt.

Samuel Gottlieb Bürdes Der neue Orpheus  entspricht vom Niveau und Inhalt her exakt Johannes Orpheus Heesters’ Man müsste Klavier spielen können/Wer Klavier spielt hat Glück bei den Frau’nvon 1938. Nur Bürdes Verse sind besser.

« Last Edit: 30. Juni 2014, 01.45 Uhr by Gontscharow »

Offline sandhofer

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Die von Dir gerügte Zeile:

Diesen zerstampfeten Molch zum Gifttrunk bring ich dir morgen

übersetzt Eduard Mörike später so:

Einen Molch zerstampf' ich und bringe dir morgen den Gifttrank

Ist das so viel besser? Der Inhalt ist halt nicht der appetitlichste. Der reinere Hexameter jedenfalls ist von Voß.

Nein, Mörike ist nicht besser und Voß hat den reineren Hexameter. Allerdings musste er dafür ein potthässliches und lächerndes 'e' ins Zerstampfen murksen ...
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Offline Gontscharow

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Die von Dir gerügte Zeile:

Diesen zerstampfeten Molch zum Gifttrunk bring ich dir morgen
übersetzt Eduard Mörike später so:
Einen Molch zerstampf' ich und bringe dir morgen den Gifttrank

Ist das so viel besser? Der Inhalt ist halt nicht der appetitlichste. Der reinere Hexameter jedenfalls ist von Voß.

Nein, Mörike ist nicht besser und Voß hat den reineren Hexameter. Allerdings musste er dafür ein potthässliches und lächerndes 'e' ins Zerstampfen murksen ...

 ;D. Ja, aber vielleicht war das 'e' in der Goethezeit noch üblich oder möglich?  Zerstoßenen Molch wäre problemlos durchgegangen. Molch-Pesto. Muss ich mir mal merken.

Übrigens bist du bei Voß doch sonst nicht so zimperlich:

Quote from:  sandhofer, am 30.Mai 2013, um 07:26 Uhr
Quote from:  gontscharow
Voß reimt auf Baum - Gaum(Gaumen), auf heißt - geußt (gießt) u. ä., eher nicht die Arbeit eines Feinschmieds…
Nun ja - unreine Reime sind ja erlaubt ... 

----------------

Edith hat die Zeilenschaltungen entfernt.
« Last Edit: 30. Juni 2014, 21.15 Uhr by orzifar »

Offline sandhofer

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Übrigens bist du bei Voß doch sonst nicht so zimperlich:

Ich bin beim Reim weniger empfindlich als beim Rhythmus. Vielleicht, weil ich solche Dinge immer höre ... "zerstampfeten" klingt nach Kinderlallen, "zerstossenen" hätte ich tatsächlich akzeptiert.
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Offline sandhofer

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Offline Gontscharow

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Jedenfalls habe ich das Sechste Stück von 1796 nun ebenfalls 'verbloggt'.
Quote from:  sandhofer im blog
Auch zwingt den Deutschen das Versmass manchmal zu unfreiwillig komischen Formen: die ausgeschändete Jungfrau steht neben einem zerstampfeten Molch – ersteres an ausgewaidetes Wild erinnernd, letzteres kindlich hopsend das eigentlich dämonisch gemeinte Bild ins Lächerliche überführend.

Kleine Ehrenrettung Voßens:
Ob das e in zerstampf… iin der Goethezeit üblich oder möglich war, weiß ich nicht, müsste man nachschauen. Dass das Wort ausschänden aber kein Vossisches Notkonstrukt um des Rhythmus’ willen, sondern durchaus gängig war, da bin ich mir ziemlich sicher. Fand es vielfach bestätigt. ZB:
verb. reg. act. Jemanden ausschänden, ihm schimpfliche und niedrige Vorwürfe machen, im gemeinen Le-ben; wofür in niedrigern Sprecharten auch wohl ausschändiren gehört wird…(Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart)

Quote from:  Edith
Edith hat die Zeilenschaltungen entfernt.
Danke, Edith ;)

Offline sandhofer

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Aus administrativen Gründen werde ich das nächste Stück der Horen noch in diesem Monat verbloggen. Gibt es diese Leserunde überhaupt noch?
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Offline Gontscharow

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Aus administrativen Gründen werde ich das nächste Stück der Horen noch in diesem Monat verbloggen. Gibt es diese Leserunde überhaupt noch?

Die Frage versteh ich nu gar nicht. Wo zwei versammelt sind... Meine letzten Beiträge zu den Horen sind vom 30.6. und 1.7., nicht bemerkt?
Außerdem habe ich aus verschiedenen Gründen angefangen, den Benvenuto Cellini  nun doch zu lesen. Gar nicht so uninteressant! Bitte mit der "Verbloggung" von 1796/7 noch etwas zu warten. Welche "administrativen Gründe"  sind das denn?