Schnitzel und Abfall - was soll ich bloss im Blog darüber schreiben?
Nichts. Und dann gucken, ob jemand die monatliche Dosis Horen vermisst. Ist ja seit etlichen Folgen schon nicht mehr die volle Dröhnung.

Nein, im Ernst:
Schnitzel und Abfall - wahrscheinlich hast du recht. Eine Ausnahme gibt es aber wohl, jedenfalls in den Augen Schillers: das Gedicht von Matthisson. Schiller hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, diesen zu seiner Zeit äußerst beliebten Naturlyriker - heute nur durch Vertonungen von Beethoven und Schubert noch nicht ganz vergessen - zu einem versprochenen Beitrag für die
Horen zu bewegen. Am 18. Juni 1795 schrieb er an Matthisson:
Schon viele Monate habe ich Sie, mein lieber Freund, wie einen verlorenen Tropfen im Ocean, in der ganzen bewohnbaren Welt aufsuchen lassen[…]. Schon sechs Monate sind die Horen in der Welt, und Sie thun noch gar nicht, als wenn Sie mit zu unserer Societät gehörten[…].
[…] hoffe ich, wenigstens noch in diesem laufenden Jahr, etwas von Ihrer Hand zu erhalten…. Ihr langes Stillschweigen läßt mich hoffen, daß Sie recht fleißig gewesen sind[…]?
Für jetzt und für immer
Ihr aufrichtiger Freund
In
Über naive und sentimentalische Dichtung zählt Schiller Matthisson unter die Sentimentalischen, die Modernen .
In der 1794 geschriebenen Abhandlung „
Über Matthissons Gedichte“ wird deutlich warum. Zwar feiert er Matthisson aufgrund der Musikalität seiner Sprache als „
Eingeweihten in die innersten Geheimnisse der poetischen Kunst" und"
Jünger der wahren Schönheit“, äußert sich aber skeptisch seiner thematischen Beschränkung auf Natur und Landschaft gegenüber. Wie es bei den alten Griechen keine Landschaftsmalerei gebe, „
seelenlose Natur“ nur dekorativer Hintergrund sei, so auch in der Lyrik und im Epos. Am Ende der Abhandlung spricht Schiller daher die Empfehlung aus:
Nur von ihm wird es abhängen, jetzt endlich, nachdem er in bescheideneren Kreisen seine Schwingen versucht hat, einen höhern Flug zu nehmen, in die anmuthigen Formen seiner Einbildungskraft und in die Musik seiner Sprache einen tiefen Sinn einzukleiden, zu seinen Landschaften nun auch Figuren zu erfinden und auf diesen reizenden Grund handelnde Menschheit aufzutragen.
Mit seinem Gedicht im 5. Stück des 96er Jahrgangs scheint Matthisson den Wünschen Schillers entsprochen zu haben. Nicht unbedingt zum Vorteil des Gedichts. Das Sinnhafte, Positive, der tätige Mann am Ende wirken aufgesetzt. Aber auch die morbide Stimmung der ersten Strophen will mir überladen und künstlich vorkommen. Was den Ton, die Musikalität angeht, muss ich Schiller recht geben. Ich fühlte mich an Platens
Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder… erinnert, was vielleicht an den vierhebigen bzw achthebigen Trochäen liegt, es ist der gleiche Sound.