Wie Die Geburt des Apollo (IX,III ) von Goethe ist die Pallas-Athene(X,III) von Herder die Übertragung eines antiken Hymnus ins antikisierende Hexameter-Deutsch der deutschen Klassik . Da ich wie bei Goethes Text mir nicht die Mühe gemacht habe, den bearbeiteten griechischen Text im Original zu lesen, ist Eigenleistung und Grad der Veränderung bzw. Anverwandlung durch den deutschen Horenbeiträger schwer oder nicht einzuschätzen. Wie mir bei der Veröffentlichung dieser Nachdichtungs-Texte in den Horen ohnehin nicht ganz klar ist, ob philologisch historisches Interesse im Vordergrund steht oder sie literarische Adaptationen, „Einverleibungen“ der griechischen Antike in die deutsche Literatur darstellen sollen. Während aber der Untertitel der Goethischen Übertragung sehr vage gefasst ist, so dass man das Gedicht für ein originäres goethisches Erzeugnis halten könnte, gibt Herder den Autor der Vorlage, den Neuplatoniker Proklos, an und versieht den Hymnus mit einer ausführlichen Fußnote über den Originaltext. Am Ende warnt er den Leser:
Da der Gesang von Proklus, mithin aus späten Zeiten: so wird man in ihm die fröhliche Einfalt der Homerischen Hymnen nicht erwarten. Er ist gelehrt, orpheisch, theurgisch.
Da ist es wieder das Diktum von der „heiteren Antike“, dabei war ja, wie wir feststellten, der von Goethe übertragene homerische Apollon-Hymnus alles andere als fröhlich einfältig: ein kreißendes Meer, das Inseln gebirt* als Hintergrund für die schwere tagelang andauernde Geburt Apollons. „Archaisch“, Dein Ausdruck dafür, sandhofer, in der Zusammenfassung im blog, fand ich sehr passend.
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*Das gibt’s übrigens nicht nur im Mythos. Am Tag als ich die Geburt des Apollo las, kam in den Nachrichten die Meldung, dass im Indischen Ozean eine neue Insel wie aus dem Nichts aufgetaucht sei.