Auch der Parade-Aufklärer Lessing kannte diese Haltung, die Schiller im Bildnis zu Sais vertritt.
Ja

, und auch mit dem Motiv der Enthüllung der Isis von Sais liegt Schiller im Trend :
Schließlich wurde Isis-Natura* um 1800 zum Idol der neuen Zeit…. Die Enthüllung der vergöttlichten Natur symbolisierte wie kaum ein anderer Akt die Begehrlichkeit der Naturforschung und war um 1800 – Schillers Ballade „Das verschleierte Bild zu Sais“ war durchaus zeittypisch – recht verbreitet ( Heinz Schrott )
Und siehe da: Das Frontispice des großen 1803 posthum erschienenen naturkundlichen Lehrgedichts von Erasmus Darwin (Großvater von Charles) “
The Temple of Nature or the Origin of Society”, gestaltet vom britisch-schweizerischen Maler Johann Heinrich Füssli (gest.1782), zeigt die gar nicht mehr frevelhafte, sondern eher feierlich triumphale Enthüllung der
Isis/Artemis -Statue.
La Nature se dévoilant devant la Science (Die Natur enthüllt sich vor der Wissenschaft) ist schließlich der Titel einer
Statue von Ernest Barrias, die(als Kopie)noch heute die Medizinische Fakultät von Bordeaux schmückt.
Was ich damit sagen will: Etwas rückwärtsgewandt war die Schillersche Ballade um den Enthüllungsfrevel schon.

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*Dass es sich bei dem Bildnis um Isis handelt, hatte ich zunächst überlesen. Dabei heißt es explizit:
So fanden ihn am andern Tag die Priester/Am Fußgestell der Isis ausgestreckt. In seiner - übrigens sehr aufschlussreichen - religionsphilosophischen Vorlesung von 1793(?)
Die Sendung Moses zitiert Schiller die Worte, die auf der Bildsäule von Sais stehen:
Ich bin alles, was ist, was war, und was seyn wird…. Isis also als Verkörperung der Magna Mater, der allumfassenden Natur...