Da bin ich eben im Zweifel: Ich vermute, dass Goethe in diesem Artikel "classisch" im Sinne der griechischen Epoche verwendet; "National-" für den 'modernen Klassiker'.
Das gibt meiner mMn der Text nicht her. Was würde G. dann mit dem Begriff
classischer Nationalautor (S.51) sagen wollen? Und was in diesem Zusammenhang mit dem Satz:
Wir wollen die Umwälzungen nicht wünschen, die in deutschland classische Werke vorbereiten könnten.…?(S.53) Goethes Aufsatz ist eine Replik. Er greift die Begrifflichkeit seiner Vorredner auf. Wenn er die Schreiber des
litterarischen sanscüllotismus zeiht, weil sie sich an die Stelle anerkannter Literaten (Wielands z.B.) setzen wollten, wenn er sagt, dass man in Deutschland an allen Ecken gute Literatur finden könne und davon spricht, dass die deutschen Literaten
eine allgemeine Nationalcultur leider (S.54) bislang nicht vorfanden, so ist anzunehmen, dass der Vorwurf, auf den er hier antwortet, etwa wie folgt lautet: Warum gibt es in Deutschland keine vorbildlichen, erstklassigen, spezifisch deutschen Werke, respective keine klassische Nationalliteratur ?
Wie ich jetzt beim zweiten Lesen feststellte, spricht Goethe von
einer Art unsichtbarer Schule(S.54), die in letzter Zeit entstanden sei und er kündigt an:
Vielleicht wagen wir in der Folge, die Geschichte unserer vorzüglichsten Schriftsteller, wie sie sich in ihren Werken zeigt, dem Publikum vorzulegen.(S.54)
Schade, soweit ich sehe, ist das nicht umgesetzt worden.
Alles in allem ein sympathischer Artikel, der schon mal Belege liefert für das spätere goethische Bonmot:
Patriotismus verdirbt die Geschichte o.ä. .