Author Topic: Die Horen eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und hg. v. Schiller  (Read 255790 times)

Offline sandhofer

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Hier der Link zu einem Radiofeature über Fichtes Welt des Idealismus:
http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/welt-idealismus-denken-100.html

Danke!

Mittlerweile Wilhelm von Humboldt gelesen. Eine eigenartige Mischung von Naturwissenschaft auf Geisteswissenschaft angewendet. Das Zeugende und das Empfangende dargestellt im Männlichen und Weiblichen. Und doch muss das Männliche inhärent auch ein Weibliches haben, um zeugen zu können. Dialektik in nuce. Ich vermute, dass Weininger hier etwelches entwendet hat.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

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Hallo zusammen!

A propos Links: Hier kann man Die Horen auch elektronisch lesen, inkl. Angabe, wer jeweilige Verfasser des Artikels ist.

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

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Hallo,

ich werde heute mit dem zweiten Stück beginnen. Zuerst also Goethe, passt gut zur anderen Literatur.

lg

orzifar
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Offline orzifar

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Hallo!

Nachdem ich letzte Woche mich hauptsächlich mit Literatur der Art "Das kleine Ich bin ich" oder "Der Rabe Socke" beschäftigt habe, nun also wieder die Horen. Gespenstergeschichten vom Geheimrat. Die mich ein wenig achselzuckend zurücklassen, es lässt sich bloß feststellen, dass das Faible für solch "Wunderbares" aus den vergangenen Zeiten sich bis ins 21. Jahrhundert erhalten hat. Was denen Swedenborg und Mesmer waren, sind uns heute Bachblüten und Uri Geller. "Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind" sollte sich Goethen später vernehmen lassen. Ein wahres Wort.

lg

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Offline Gontscharow

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Wilhelm von Humboldts „Über den Geschlechtsunterschied“ habe ich schon vor einigen Tagen gelesen. Das Problem bei solchen abstrakten Texten ist, dass man ganz schnell vergißt was drinstand . Das ist hier zum Glück nicht der Fall, denn H.s Thema sind die „Operationen der Natur, die ewig wiederkehrend, doch so oft in veränderter Gestalt erscheinen“. Entsprechend wird viel, wenn auch in verschiedenem Gewand, wiederholt und der zugrundliegende Grundgedanke dem Leser eingehämmert:
Die Einheit der gesamten Natur ist von zwei Kräften bestimmt: einer weiblichen und einer männlichen. Indem sie in dialektischer Weise aufeinander einwirken, ermöglichen sie  den unendlichen Fortschritt der Natur… Geschlechtsunterschied makes the world go round.

Quote from: Autor: sandhofer« am: 23. Februar 2013, 17.36 Uhr »
Eine eigenartige Mischung von Naturwissenschaft auf Geisteswissenschaft angewendet.

Ja, dieses Prinzip sieht H. über die“ beschränkte Sphäre“ der körperlichen Natur hinaus auch auf dem „unermesslichen Feld“ des Geistes wirksam.
Spätestens hier schließen  H.s Überlegungen zum Bildungsprogramm der Horen auf:

Quote from:  Wilhelm von Humboldt
Vorzüglich aber bedarf der Mensch zur Ergründung und Veredlung auch seiner moralischen Natur einer anhaltenden und ernsten Betrachtung der physischen um ihn her…!

Aha, nach der Veredlung durch das Ästhetische (Schiller) und der Veredlung durch das reine Interesse an Wahrheit (Fichte), das sogar zur Glückseligkeit führen soll, nun also die Veredlung durch Naturbetrachtung!

Auch wenn ich H. nicht in allem folgen kann, vor allem nicht im universellen Deutungs- und Erklärungsanspruch seiner Theorie, so find ich seine Gedankengänge doch ansprechend.
Bei den dem Männlichen und dem Weiblichen zugeordneten Begriffspaaren: Wirkung - Rückwirkung, Form - Stoff, Rastlosigkeit -  Dasein, Vernunft-  Phantasie etc und besonders auch bei der Erkenntnis, dass im männlichen Prinzip auch etwas vom  weiblichen und umgekehrt vorhanden sein müsse, drängte sich mir das Bild des Yin und Yang auf. Ja, Humboldts Geschlechtsunterschied scheint eine perfekte Beschreibung des ostasiatischen Symbols.
Auf welche Gottheit spielt H. am Schluss seiner Ausführungen an?  Auf Apoll? Iin der Tat hatte ich bei H.s Begriffsantinomien die Assoziation des Apollinischen und Dionysischen...
______________
Link geändert
« Last Edit: 27. Februar 2013, 13.23 Uhr by Gontscharow »

Offline sandhofer

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Hat jemand eine Meinung zu "Die Bestimmung des Menschen"? Das Reclam-Heftchen könnte mich durchaus reizen, neben der umfangreicheren "Wissenschaftslehre". In Sachen Fichte bin ich nahezu unbeleckt, daher bin ich aufgeschlossen für Empfehlungen.

Wenn man vom Teufel redet: Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft bietet ein Werkauswahl in 6 Bänden an. Leider kriege ich auch auf dem Foto in meinem Prospekt nicht heraus, was da genau eingeschlossen ist:

http://www.wbg-wissenverbindet.de/WBGShop/php/Proxy.php?purl=/wbg/products/details,longtext,34106,Fichte.html
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Offline orzifar

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Hat jemand eine Meinung zu "Die Bestimmung des Menschen"? Das Reclam-Heftchen könnte mich durchaus reizen, neben der umfangreicheren "Wissenschaftslehre". In Sachen Fichte bin ich nahezu unbeleckt, daher bin ich aufgeschlossen für Empfehlungen.

Wenn man vom Teufel redet: Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft bietet ein Werkauswahl in 6 Bänden an. Leider kriege ich auch auf dem Foto in meinem Prospekt nicht heraus, was da genau eingeschlossen ist:

http://www.wbg-wissenverbindet.de/WBGShop/php/Proxy.php?purl=/wbg/products/details,longtext,34106,Fichte.html

Wenn es die von Medicus herausgegebene Edition ist, dann dürfte es jene vom Meiner-Verlag sein (in sechs Bänden). Aber ob man sein Geld nicht besser als in Fichten investieren könnte ...

lg

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Offline orzifar

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Hallo!

Heinrich Meyers Ansichten über Griechische Kunst und deren Entwicklung. Kunstgeschichte, die bestenfalls dann sinnvoll wäre, wenn die verschiedenen angeführten Exponate zugängig wären. Aber auch dann verschwimmen die Beschreibungen unter allgemeinen Begriffen wie edel, erhaben, kunstreich ... Worunter ich mir zwar etwas vorstellen kann, ich aber die Befürchtung hege, dass meine und des guten Meyers Vorstellungen sich unterscheiden. Schlicht: Ich kann mit derlei Abhandlungen rein gar nichts anfangen, wenn schon, müssen sie sich konkret auf Kunstwerke beziehen und nicht bloß ganz allgemein vom "Faltenwurf" und "regelmäßigen Zügen" sprechen.

"Ideen zu einer künftigen Geschichte der Kunst" habe ich offenbar falsch interpretiert: Denn ich wartete bis zum Schluss vergeblich darauf, wie Meyer sich denn die Zukunft der Kunst vorstelle. So dürfte es sich bloß um die Ankündigung eines Werkes handeln und der Leser bleibt zurück mit der plakativen Entwicklung griechischer Kunst von roh über edel und erhaben zu verfeinert und weich(lich). Von diesen 20 Seiten wird mir wohl kaum was im Gedächtnis bleiben.

lg

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Offline sandhofer

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Wenn es die von Medicus herausgegebene Edition ist, dann dürfte es jene vom Meiner-Verlag sein (in sechs Bänden). Aber ob man sein Geld nicht besser als in Fichten investieren könnte ...

Vermutlich, ja. Also ... beides  ;D . Ich werde aber trotzdem wohl nicht lange widerstehen können. Fichtes Wissenschaftslehre ist mir zwar praktisch unzugänglich; aber er war zu seiner Zeit der Philosoph mit dem grössten politischen Einfluss.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

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Kunstgeschichte, die bestenfalls dann sinnvoll wäre, wenn die verschiedenen angeführten Exponate zugängig wären.

Ja. Wobei man da natürlich wiederum sieht, mit welchen Problemen die Kunstgeschichtler und die Laien zu kämpfen hatten, vor der Erfindung der Photographie und der Möglichkeit, Photographien relativ gut und billig in Büchern abzudrucken. Wenn man Glück hatte und eine grössere Stadt bewohnte, konnte man u.U. Abgüsse in einem Museum betrachten, mit etwas weniger Glück verfügte der Autor über einen guten Kupferstecher (was aber die Bücher schon wieder schweineteuer machte) und ganz ohne Glück musste man Meyers Elaborat unillustriert lesen ...

(Das ich übrigens immer noch für einen schülerhaften Auszug aus Winckelmann halte ...)

Grüsse

sandhofer
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Offline Gontscharow

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Quote from: Autor: orzifar« am: Heute um 02:14 »
"Ideen zu einer künftigen Geschichte der Kunst" habe ich offenbar falsch interpretiert: Denn ich wartete bis zum Schluss vergeblich darauf, wie Meyer sich denn die Zukunft der Kunst vorstelle. So dürfte es sich bloß um die Ankündigung eines Werkes handeln und der Leser bleibt zurück……

Ich fürchte, da tust du unserem Kunscht-und Grüß-Meyer unrecht ;). Denn laut Titel soll es ja um Ideen zu einer künftigen Geschichte der Kunst und nicht um die Zukunft der Kunst gehen.

Was mich interessieren würde: Gibt es denn einen Bezug zum hehren Bildungs-und Veredlungideal der Horen, beschreibt M., welchen geistigen Nutzen man aus der Beschäftigung mit der Kunstgeschichte ziehen kann? :angel:
Ich hatte ehrlich gesagt nach Sandhofers Beitrag (der sich mit deinem deckt) keine Lust mehr den Artikel zu lesen. >:D

Offline Sir Thomas

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Gibt es denn einen Bezug zum hehren Bildungs-und Veredlungideal der Horen, beschreibt M., welchen geistigen Nutzen man aus der Beschäftigung mit der Kunstgeschichte ziehen kann? :angel:

Trotz anfänglicher Weigerung habe ich den Meyer-Beitrag nun doch gelesen und kann Deine Fragen mit "Nein" beantworten. Aber auch der Winckelmann-Aufsatz aus dem Jahr 1755 ist nicht mehr als eine Empfehlung, sich den Kunstwerken der griechischen Antike zuzuwenden, um zu "edler Einfalt und stiller Größe" zu gelangen.

... Meyers Elaborat ...  (Das ich übrigens immer noch für einen schülerhaften Auszug aus Winckelmann halte ...)

Das ist schon fast frech, oder?

Von diesen 20 Seiten wird mir wohl kaum was im Gedächtnis bleiben.

Du wirst nicht darunter leiden - versprochen!  ;)

Offline Gontscharow

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Danke für die schnelle Antwort, Tom!

Quote from: Autor: Sir Thomas« am: Heute um 10:17
Trotz anfänglicher Weigerung habe ich den Meyer-Beitrag nun doch gelesen und kann Deine Fragen mit "Nein" beantworten. Aber auch der Winckelmann-Aufsatz aus dem Jahr 1755 ist nicht mehr als eine Empfehlung, sich den Kunstwerken der griechischen Antike zuzuwenden, um zu "edler Einfalt und stiller Größe" zu gelangen.

um zu… gelangen- das wäre ja  ein Bildungsziel! Bezieht sich die Winckelmannsche Formel nicht aber nur auf den Ausdruck/ das Aussehen der antiken  Plastiken? Oder wirklich (auch) auf die veredelnde Wirkung, wenn mensch sie betrachtet und sich mit ihnen beschäftigt? Ich weiß nicht, helft mir auf die Sprünge.
 
Apropos edle Einfalt, stille Größe - mit dieser griffigen Formel reiste ich einst nach Griechenland und war entsetzt zu erfahren, dass der edle Wagenlenker in Delphi aus schlichtem, aber edlen Material z.B. früher in schreienden Farben( von wegen still!) angemalt und seine Augen mit Edelsteinen besetzt gewesen waren. Edle Einfalt,stille Größe - bewirkt durch Verwitterung und historische Patina?

Offline Sir Thomas

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Bezieht sich die Winckelmannsche Formel nicht aber nur auf den Ausdruck/ das Aussehen der antiken  Plastiken? Oder wirklich (auch) auf die veredelnde Wirkung, wenn mensch sie betrachtet und sich mit ihnen beschäftigt? Ich weiß nicht, helft mir auf die Sprünge.

Das will nachgelesen sein - und dauert deshalb ein wenig länger ...  ;)

Offline Sir Thomas

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Bezieht sich die Winckelmannsche Formel nicht aber nur auf den Ausdruck/ das Aussehen der antiken  Plastiken? Oder wirklich (auch) auf die veredelnde Wirkung, wenn mensch sie betrachtet und sich mit ihnen beschäftigt? Ich weiß nicht, helft mir auf die Sprünge.

Das will nachgelesen sein - und dauert deshalb ein wenig länger ...  ;)

Es geht um die veredelnde Wirkung. Hier einige Zitate:

Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten ... Ich glaube, ihre Nachahmung könne lehren, geschwinder klug zu werden ... Die Begriffe des Ganzen, des Vollkommenen in der Natur des Altertums werden die Begriffe des Geteilten in unserer Natur bei ihm [ = dem heutigen Künstler und Menschen] läutern und sinnlicher machen.

LG

Tom