Author Topic: Die Horen eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und hg. v. Schiller  (Read 255756 times)

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Hallo!

Ich lese selbstverständlich auch noch mit. Bin bis zum Fichte gekommen (der allerdings nicht gerade motivierend ist, das Buch wieder in die Hand zu nehmen). Goethes "Unterhaltungen" gelesen (besser: Die Rahmengeschichte), seine reservierte Haltung gegenüber dem "Volk" ist spürbar. Andererseits ist er sich der Problematik sehr wohl bewusst: "So steig ich durch alle Stände aufwärts, sehe den Bauersmann der Erde das Notdürftige abfordern, das doch auch ein behäglich Auskommen wäre, wenn er nur für sich schwitzte. Du weißt aber wenn die Blattläuse auf den Rosenzweigen sitzen und sich hübsch dick und grün gesogen haben, dann kommen die Ameisen und ssugen ihnen den filtrierten Saft aus den Leibern. Uns so geht's weiter [...]" (Goethe an Knebel 1782) Aber er war eher für Reformation als Revolution (wie auch Humboldt) - und sie hatten beide nicht so unrecht. Ähnliches ist sogar im "arabischen Frühling" zu beobachten: Besser Reformen vor Wahlen als umgekehrt. Um den Blutzoll gering zu halten.

lg

orzifar (der sich nun wohl oder übel an Fichte ranmacht ...)

Und nebenher eine Literaturempfehlung: Das von mir in der Signatur gelistete Buch über Weimar ist eine ganz ausgezeichnete, unterhaltsame und kenntnisreiche Lektüre, ohne sich unter allzu viel Bildungsballast zu verstecken ...
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Und nebenher eine Literaturempfehlung: Das von mir in der Signatur gelistete Buch über Weimar ist eine ganz ausgezeichnete, unterhaltsame und kenntnisreiche Lektüre, ohne sich unter allzu viel Bildungsballast zu verstecken ...

Was mich daran erinnert, dass ich meinen Walter H. Bruford wieder lesen wollte: Germany in the Eighteenth Century [Die Gesellschaftlichen Grundlagen der Goethezeit] ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Hallo!

So nebenbei: Wir können uns bei den Horen zu anfangs wirklich Zeit lassen, denn die Qualität der Beiträge steigt mit den Jahren nicht. Wir werden noch einen langen Roman von Caroline von Wolzogen uns zu Gemüte führen, über den es dann mit Sicherheit nicht besonders viel zu sagen gibt. Die Auflösungserscheinungen der Zeitschrift setzen schon alsbald ein.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline Sir Thomas

  • Sr. Member
  • ****
  • Posts: 401
Die Auflösungserscheinungen der Zeitschrift setzen schon alsbald ein.

Es ist schon erstaunlich, wie wenig Schiller in der Lage war, seine hoch gesteckten Ziele zu verwirklichen. Die von ihm "genötigten" Autoren liefern allenfalls Mittelmäßiges. Schiller selbst ist (neben Goethe) bislang der gehaltvollste Autor seiner Zeitschrift, von der ich bislang annahm, es handele sich um ein absolutes Highlight der deutschsprachigen Publizistik. So kann man irren ...

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Hallo zusmmen!

Die Auflösungserscheinungen der Zeitschrift setzen schon alsbald ein.

Eigentlich schon beim Februar-Heft 1795. Statt des Superstars Fichte (auch wenn dessen Beitrag in Heft 1 nicht das Niveau seiner Wissenschaftslehre erreicht, wo Fichte stringenter zu argumentieren sucht: Fichte war der philosophische Shooting-Star und der Mann der Stunde!) vom Januar schreibt nun der Goethe-Adlat Meyer.

Schiller selbst ist (neben Goethe) bislang der gehaltvollste Autor seiner Zeitschrift,

Und selbst diese beiden lieferten nicht nur Perlen vor die Säue, sondern auch echtes Schweinefutter ...

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Hallo!

Nun also Fichte. In einem muss ich meinen Vorredner (sandhofer) widersprechen: In diesem Stück sagt Fichte recht klar und deutlich, welches Anliegen er vertritt, welche Wege dorthin führen (wenngleich ich mit ihm nirgendwo einverstanden bin). Aber der erwähnte Vergleich mit der Wissenschaftslehre fällt in puncto Klarheit eindeutig zugunsten dieses Stückchens aus.

Fichte ist der Idealist schlechthin. Und er hält diese Entscheidung zwischen Idealismus und Materialismus für keine zufällige, sondern eine den Menschen charakterisierende: "Was für eine Philosophie man wähle, hängt sonach davon ab, was man für ein Mensch ist: denn ein philosophisches System ist nicht ein todter Hausrath, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebte, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat. Ein von Natur schlaffer oder durch Geistesknechtschaft, gelehrten Luxus und Eitelkeit erschlaffter und gekrümmter Charakter wird sich nie zum Idealismus erheben." Diese Beschreibung legt Fichtes eigene Entscheidung für das idealistische System nahe, ein System, in dem er sich weitgehend an Kant orientiert. Auch in diesem Artikel ist überall der Königsberger spürbar, wenn da von Pflicht die Rede ist, die Wahrheitsliebe zur Moralität wird, wenn es gilt, seine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, da günstige Anlagen an sich noch nichts bedeuten: Immer muss man sich erheben über den Körper, über Gefühle und dem reinen Geist huldigen, um zu einer, allerdings stets ein wenig blässlich bleibenden Einheit der Person zu kommen, ein "reines Selbst" zu entwickeln, unabhängig von den Meinungen anderer und natürlich auch von etwaigen sinnlichen Begierden (über die sich zu erheben der fichtesche Mensch die Pflicht hat).

Und ein Kennzeichen dieses idealen Menschen ist das Streben nach Wahrheit. Wer nun aber darauf wartet, was man unter dieser Wahrheit zu verstehen hat, wartet vergeblich: Der Fichtesche Wahrheitsbegriff bleibt weitgehend im Nebel der Worte verborgen. Dabei ist es nicht so, dass es nicht schon Wahrheitskonzeptionen gegeben hätte (die bekannte aristotelische "adaequatio rei et intellectus", zu der auch der Aquinate einige durchaus beachtliche Beiträge geliefert hat, indem er diese "Angleichung von Verstand und Sache" noch differenzierte: Sind die Sachen die Richtschnur, gleicht sich der Verstand den Sachen an; ist es der Verstand, der die Führung übernimmt, so ist es umgekehrt. Wenn etwa ein Künstler von sich sagt, dass er ein "wahres Kunstwerk" schaffe, so ist ganz offenkundig der Verstand die Richtschnur. Üblicherweise wird der Wahrheitsbegriff aber umgekehrt angewendet. Hegel aber hat etwa - nicht weiter überraschend - den Vorrang des Verstandes hervorgehoben.) Dies alles nur deshalb, weil man ansonsten annehmen könnte, dass das Geschwalle von Fichte einer noch nicht oder noch nirgendwo erfolgten genaueren Definition von Wahrheit geschuldet ist.

Bei ihm hat man eher den Eindruck freien Assoziierens (denn konziser philosophischer Überlegungen): So verwechselt er von Anfang an (in unterschiedlichem Ausmaß) Wahrhaftigkeit und Wahrheit, meint dann, dass jene zu dieser führen müsse, um einige Sätze weiter den Unterschied wieder fallen zu lassen. Auch kommen ihm zwischendurch sogar Zweifel, ob denn das immer beschränkte Individuum tatsächlich Wahrheit bzw. Gewissheit erlangen könne, was er denn (S. 90) als "das härtestes Schicksal" bezeichnet. Obwohl ich glaube, dass hier nicht von den wirklich erhabenen Individuen (wie etwa Fichte) die Rede ist, sondern nur von jenen minderbegabten, die in ihrem Streben nach Wahrheit nicht zur endgültigen Einheit ihres Selbst (= Moralität = Erhabenheit = Harmonie = unendlicher Genuss - ich hoffe nichts vergessen zu haben, die Wortwahl "schillert" gewaltig, aber derlei war damals natürlich häufig anzutreffen). Und so bleibt von all den weihevollen Wortkaskaden und Wiederholungen nichts als eine Art intellektueller Selbstfindung, eine Harmonie mit sich, die dann auch zur Wahrheit führt (und vice versa). Das Ganze ist subjektivistisch in höchstem Maße, Wahrheit wird zu einer Art emergenten Erscheinung dieser Selbstfindung (und wieder gilt auch das Umgekehrte). Rein subjektiv: Denn wann ich harmonisch mit mir selbst übereinstimme, soll ja nach Fichte ausschließlich ich selbst bestimmen (und nicht von anderen abhängig machen, auch wenn ich Einwände - manchmal, aber welche? - beherzigen soll), weshalb denn auch ein Massenmörder von sich als von einem in sich selbst ruhenden, wahrhaftigen, moralischen Menschen sprechen könnte (wer wollte nach Fichtescher Diktion ihm mit Fug und Recht widersprechen können?). Diese Bezugslosigkeit, das Absehen von jedem Versuch, genauer zu bezeichnen, welche Begriffe analysiert werden sollen, warum die eine Sache zur anderen führt oder dieses und jenes gleichgesetzt werden kann, das alles hat dann später Nietzsche zur Perfektion (und zur teilweisen Aussage) seiner Philosophie (Dichtung - ich bin bezüglich Nietzsche immer für Dichtung) erhoben. Denn sein Zarathustra nimmt Adenauer vorweg, indem auch er - sinngemäß - sich vernehmen lässt, dass ihn die Wort von gestern nicht wirklich mehr berühren. Das mag nun souverän wirken, würdig, von einem großen, umfassenden Geist zeugen (allerdings - wer von den Philosophen glaubt nicht einen solchen zu besitzen?), ist aber einer auf Argumente sich stützenden Diskussion wenig förderlich.

Im übrigen ist dies Fichtes einziger Beitrag. Ein zweiter, von ihm eingereichter, wurde von Schiller missgünstig betrachtet, da er sich mit Ästhetik beschäftigte - und die Ästhetik war nunmal jenes Feld, das Schiller zu beackern beabsichtigte (Über naive und sentimentalische Dichtung).

lg

orzifar

der - weil er sich wenig um's Blog zu kümmern scheint - diesen Beitrag auch dort absetzt.
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline Sir Thomas

  • Sr. Member
  • ****
  • Posts: 401
Nun also Fichte. ... "Was für eine Philosophie man wähle, hängt sonach davon ab, was man für ein Mensch ist: denn ein philosophisches System ist nicht ein todter Hausrath, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebte, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat. Ein von Natur schlaffer oder durch Geistesknechtschaft, gelehrten Luxus und Eitelkeit erschlaffter und gekrümmter Charakter wird sich nie zum Idealismus erheben."

Das stammt nicht aus dem Horen-Artikel, oder? Kannst Du bitte die Quelle des Zitats nennen?

LG

Tom

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Hallo!

In einem muss ich meinen Vorredner (sandhofer) widersprechen: In diesem Stück sagt Fichte recht klar und deutlich, welches Anliegen er vertritt, welche Wege dorthin führen (wenngleich ich mit ihm nirgendwo einverstanden bin).
[...]

Bei ihm hat man eher den Eindruck freien Assoziierens (denn konziser philosophischer Überlegungen): So verwechselt er von Anfang an (in unterschiedlichem Ausmaß) Wahrhaftigkeit und Wahrheit, meint dann, dass jene zu dieser führen müsse, um einige Sätze weiter den Unterschied wieder fallen zu lassen. [...] zur endgültigen Einheit ihres Selbst (= Moralität = Erhabenheit = Harmonie = unendlicher Genuss - ich hoffe nichts vergessen zu haben, die Wortwahl "schillert" gewaltig, aber derlei war damals natürlich häufig anzutreffen). Und so bleibt von all den weihevollen Wortkaskaden und Wiederholungen nichts als eine Art intellektueller Selbstfindung, eine Harmonie mit sich, die dann auch zur Wahrheit führt (und vice versa). [...]

Sofern Du das stringent[er] findest ... Ich gebe zu, ich habe, seit ich vor über einem Vierteljahrhundert mal in einem Seminar zu Bonaventura (dem Nachtwächter, nicht dem Kirchenvater) über Fichte gestolpert bin, eine Aversion gegen diese Art zu Philosophieren ...  :)

der - weil er sich wenig um's Blog zu kümmern scheint - diesen Beitrag auch dort absetzt.

Das ist schön. Nicht, dass ich Dir wegen Vernachlässigung einen Vorwurf gemacht hätte. Soll ja Spass machen, so ein Blog ...  ;)

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Nun also Fichte. ... "Was für eine Philosophie man wähle, hängt sonach davon ab, was man für ein Mensch ist: denn ein philosophisches System ist nicht ein todter Hausrath, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebte, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat. Ein von Natur schlaffer oder durch Geistesknechtschaft, gelehrten Luxus und Eitelkeit erschlaffter und gekrümmter Charakter wird sich nie zum Idealismus erheben."
Das stammt nicht aus dem Horen-Artikel, oder? Kannst Du bitte die Quelle des Zitats nennen?

Da hast du natürlich Recht: Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre.

In einem muss ich meinen Vorredner (sandhofer) widersprechen: In diesem Stück sagt Fichte recht klar und deutlich, welches Anliegen er vertritt, welche Wege dorthin führen (wenngleich ich mit ihm nirgendwo einverstanden bin).
[...]

Bei ihm hat man eher den Eindruck freien Assoziierens (denn konziser philosophischer Überlegungen): So verwechselt er von Anfang an (in unterschiedlichem Ausmaß) Wahrhaftigkeit und Wahrheit, meint dann, dass jene zu dieser führen müsse, um einige Sätze weiter den Unterschied wieder fallen zu lassen. [...] zur endgültigen Einheit ihres Selbst (= Moralität = Erhabenheit = Harmonie = unendlicher Genuss - ich hoffe nichts vergessen zu haben, die Wortwahl "schillert" gewaltig, aber derlei war damals natürlich häufig anzutreffen). Und so bleibt von all den weihevollen Wortkaskaden und Wiederholungen nichts als eine Art intellektueller Selbstfindung, eine Harmonie mit sich, die dann auch zur Wahrheit führt (und vice versa). [...]

Sofern Du das stringent[er] findest ... Ich gebe zu, ich habe, seit ich vor über einem Vierteljahrhundert mal in einem Seminar zu Bonaventura (dem Nachtwächter, nicht dem Kirchenvater) über Fichte gestolpert bin, eine Aversion gegen diese Art zu Philosophieren ...  :)

Schlecht formuliert von mir: Stringent finde ich Fichte nirgendwo, manchmal aber (wie etwa in Teilen der Wissenschaftslehre) ist mir völlig rätselhaft, wovon er überhaupt spricht. Das war bei diesem Aufsatz nicht der Fall.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline Sir Thomas

  • Sr. Member
  • ****
  • Posts: 401
Nun also Fichte. ... "Was für eine Philosophie man wähle, hängt sonach davon ab, was man für ein Mensch ist: denn ein philosophisches System ist nicht ein todter Hausrath, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebte, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat. Ein von Natur schlaffer oder durch Geistesknechtschaft, gelehrten Luxus und Eitelkeit erschlaffter und gekrümmter Charakter wird sich nie zum Idealismus erheben."
Das stammt nicht aus dem Horen-Artikel, oder? Kannst Du bitte die Quelle des Zitats nennen?

Da hast du natürlich Recht: Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre.

Bedankt! Mittlerweile habe ich entdeckt, dass Volker Spierling (Kleine Geschichte der Philosophie) den ersten Satz dieses Zitats als Überschrift für das Fichte-Kapitel nutzt.

Hat jemand eine Meinung zu "Die Bestimmung des Menschen"? Das Reclam-Heftchen könnte mich durchaus reizen, neben der umfangreicheren "Wissenschaftslehre". In Sachen Fichte bin ich nahezu unbeleckt, daher bin ich aufgeschlossen für Empfehlungen.

LG

Tom

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Hallo zusammen!

Hat jemand eine Meinung zu "Die Bestimmung des Menschen"? Das Reclam-Heftchen könnte mich durchaus reizen, neben der umfangreicheren "Wissenschaftslehre". In Sachen Fichte bin ich nahezu unbeleckt, daher bin ich aufgeschlossen für Empfehlungen.

Ich habe mich seinerzeit durch mehrere Varianten der Wissenschaftslehre durchgekämpft - von daher bin ich Fichte gegenüber wohl etwas negativ eingestellt ...  ;)

Die Reden an die deutsche Nation sind wohl Fichtes wirkungsmächtigstes Werk. Ich habe sie bei der seinerzeitigen Lektüre allerdings eher als langweilig empfunden ...

Was Goethes Zweite Epistel im zweiten Theil betrifft: Ich verstehe sie nicht. Ironie? Oder doch nicht? Hm ...

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Nun also Fichte. ... "Was für eine Philosophie man wähle, hängt sonach davon ab, was man für ein Mensch ist: denn ein philosophisches System ist nicht ein todter Hausrath, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebte, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat. Ein von Natur schlaffer oder durch Geistesknechtschaft, gelehrten Luxus und Eitelkeit erschlaffter und gekrümmter Charakter wird sich nie zum Idealismus erheben."
Das stammt nicht aus dem Horen-Artikel, oder? Kannst Du bitte die Quelle des Zitats nennen?

Da hast du natürlich Recht: Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre.

Bedankt! Mittlerweile habe ich entdeckt, dass Volker Spierling (Kleine Geschichte der Philosophie) den ersten Satz dieses Zitats als Überschrift für das Fichte-Kapitel nutzt.

Ja, dieser Satz wird in praktisch jeder Fichte-Arbeit zitiert (deshalb habe ich wohl intuitiv auf die Quelle vergessen).

Hat jemand eine Meinung zu "Die Bestimmung des Menschen"? Das Reclam-Heftchen könnte mich durchaus reizen, neben der umfangreicheren "Wissenschaftslehre". In Sachen Fichte bin ich nahezu unbeleckt, daher bin ich aufgeschlossen für Empfehlungen.

Ich weiß nicht. Guten Gewissens kann ich da nichts empfehlen, vielleicht - so als Grundlage - die erste und zweite Einleitung in die Wissenschaftslehre. Gibt's im Meiner-Verlag. Allerdings zweifle ich, ob überhaupt irgendein Euro gut investiert ist, was diesen Autor betrifft ;).

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline Sir Thomas

  • Sr. Member
  • ****
  • Posts: 401
Ich habe mich seinerzeit durch mehrere Varianten der Wissenschaftslehre durchgekämpft - von daher bin ich Fichte gegenüber wohl etwas negativ eingestellt ...  ;)

Die Reden an die deutsche Nation sind wohl Fichtes wirkungsmächtigstes Werk. Ich habe sie bei der seinerzeitigen Lektüre allerdings eher als langweilig empfunden ...


Ich weiß nicht. Guten Gewissens kann ich da nichts empfehlen, vielleicht - so als Grundlage - die erste und zweite Einleitung in die Wissenschaftslehre. Gibt's im Meiner-Verlag. Allerdings zweifle ich, ob überhaupt irgendein Euro gut investiert ist, was diesen Autor betrifft ;).

Danke für die Hinweise. Ohne einen Euro zu investieren, habe ich online die Erste Einleitung ... überflogen. Das Gegensatzpaar Dogmatismus - Idealismus erinnert an Schillers Naiv - Sentimentalisch. Diesen Aufsatz werden wir in absehbarer Zeit erreichen, denn der erste Teil dieser Abhandlung erschien Ende 1795 in den Horen. Meine Einschätzung: Schiller und Fichte scheinen sich gegenseitig beeinflusst zu haben. Aufschlüsse über dieses Verhältnis verspreche ich mir übrigens von der soeben antiquarisch bestellten Schiller-Biografie Safranskis (Schiller oder die Erfindung des Deutschen Idealismus).

Einen schönen Restsonntag wünscht

Tom     

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Aufschlüsse über dieses Verhältnis verspreche ich mir übrigens von der soeben antiquarisch bestellten Schiller-Biografie Safranskis (Schiller oder die Erfindung des Deutschen Idealismus).

Diese Biographie liegt - wie bereits erwähnt - auch hier auf meinem Schreibtisch. Leserunde in der Leserunde :).

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline Sir Thomas

  • Sr. Member
  • ****
  • Posts: 401
Hier der Link zu einem Radiofeature über Fichtes Welt des Idealismus:
http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/welt-idealismus-denken-100.html