Hallo!
Aristoteles und die Metaphysik: Vieles von dem verquasten Gerede, mit dem man sich auch heute noch herumplagen muss, hat Aristoteles erstmals eingeführt. Wenn da von einem sich selbst denkenden Denken die Rede ist, vom unbewegten Beweger, von der Subsistenz der Existenz, der ewigen Aktualität, von der größenlosen Größe, die unteilbar ist und was es dergleichen Quark mehr gibt. Hierin ist Aristoteles der erste akademische Philosoph, der erste, der kategorisiert und katalogisiert, der seinen Weltentwürfen und Welterklärungsmodellen ein pseudo-logisches Mäntelchen umhängt, um allerhand auf der Grundlage des Nicht zu Beweisenden zu beweisen.
Aristoteles hat in der Logik Großes geleistet, sein metaphysisches System ist aber keineswegs eine Verbesserung der platonischen Ansichten, auch wenn seine Einwände gegenüber der Ideenlehre einleuchtend sind. Bei Plato sind logische Fehler zu entdecken, bei Aristoteles nicht weniger (eher mehr), allerdings verborgen unter einem Schwall von Begriffen, die schwammig und unklar dem aristotelischen Entwurf als Huren dienen müssen. Er war es, der von Substanz, Stoff und Form, von fließenden Übergängen zwischen denselben zu schwafeln begann, er war es auch, der der Teleologie Bedeutung verliehen hat. (Aristoteles war der Initiator, er wurde vor allem durch das Christentum instrumentalisiert, was ihm selbstverständlich nicht angelastet werden kann.) Er wurde zum Wegbereiter obskurer metaphysischer Systeme, der zwar den Begriff der Kausalität mitgeprägt hat, der aber dem teleologischen Prinzip der "causa finalis" die Hauptbedeutung zuerkannte. Plato war der bessere Schriftsteller, derjenige, der eine sehr viel klarere Sprache pflegte und dessen Fehler keineswegs "größer" waren wie die des Aristoteles (etwas, was Russel zu behaupten scheint).
Seine Metaphysik ist für mich jedenfalls ein ganz gräuliches Sammelsurium mit einer derart schwammigen Terminologie (etwa seine Unterscheidung von Seele und Geist, der sukzessive Übergang vom Stoff zu Form, wobei etwas dann wieder mehr oder weniger Form besitzen kann), dass seine "Beweise" absolute Beliebigkeit aufweisen. Als ob man zeigte, dass Rotkäppchen oder Dornröschen die wahre Welterklärung wäre. (Und während ich das niederschreibe fällt mir auf, dass genau das in Nachfolge von Aristoteles passierte: Die Gottesstreitigkeiten drehen sich im Grunde um nichts anderes als die "richtige" Auslegung von Märchen, bei denen jeder Exeget etwas als wahr setzt und von diesem Punkt an zu deduzieren beginnt. Diese erste "Setzung" bleibt unantastbar, ist meist mit Offenbarung verbunden, der Rest ist - zwangsläufig - sophistisches Kasperletheater.)
lg
orzifar