Author Topic: Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk  (Read 28281 times)

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #60 on: 17. Dezember 2009, 19.55 Uhr »
Mein Gott! Band 2, das sind 1'200 Seiten! Winzig klein geschrieben! Aber sehr interessant und erneut: süffig zu lesen. Habe das erste Kapitel bereits hinter mir: Burckhardts Ausführungen zur griechischen Polis. Finde ich persönlich sehr erhellend.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Regina

  • Jr. Member
  • **
  • Posts: 76
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #61 on: 17. Dezember 2009, 21.37 Uhr »
Gnarf! Ja, bist du denn wahnsinnig? Zieh doch mal die Siebenmeilenstiefel aus.  ;D
Aber warte nur, nächste Woche hol ich auf.
Boethius - Trost der Philosophie
Peter Altenberg - Prodromos
The Oxford Book of Literary Anecdotes

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #62 on: 18. Dezember 2009, 20.56 Uhr »
Ach - es ist ja eigentlich nur, weil mich mein anderes Leserundenbuch, der Sue, so unsäglich langweilt ...  ;D
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 2 942
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #63 on: 18. Dezember 2009, 22.13 Uhr »
Ach - es ist ja eigentlich nur, weil mich mein anderes Leserundenbuch, der Sue, so unsäglich langweilt ...  ;D

Einfach entsorgen?  :opa:
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline Regina

  • Jr. Member
  • **
  • Posts: 76
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #64 on: 22. Dezember 2009, 18.42 Uhr »
Ja, ich lese eben nicht Sue nebenher, sondern Wense und der ist gar nicht langweilig.
Habe nun die Weltgeschichtlichen Betrachtungen einfach übersprungen und die Griechische Kulturgeschichte begonnen, sonst verlieren wir uns noch völlig aus den Augen.

Leider ist dieser Band wesentlich kleiner gedruckt, das ermüdet schnell, weshalb ich über das erste Kapitel noch nicht hinaus bin. Wie schön aber den witzigen Burckhardt wieder zu treffen, in die Renaissanceitaliener war er so verliebt, dass der Witz manchmal auf der Strecke blieb.

Boethius - Trost der Philosophie
Peter Altenberg - Prodromos
The Oxford Book of Literary Anecdotes

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #65 on: 23. Dezember 2009, 18.34 Uhr »
Ja, es ist ein gut geschriebenes und interessantes Werk, das über die Griechen. Für mich auch inhaltlich interessant. Ich lese seit einiger Zeit all die alten griechischen Historiker, und habe ein jahrzehntelang herumgetragenes Bild von den alten Griechen gründlich revidieren müssen. Nichts vom hehren Klassiker - da herrschten schon vor über 2'000 Jahren Verhältnisse, dass es zum Fürchten ist. Und nun stelle ich fest, dass Burckhardt seine Studenten schon vor Jahren genau dasselbe gelehrt hat. Im Gegensatz zum Bild der Renaissance hat es Burckhardts Bild der alten Griechen aber irgendwie nie bis in mein Bewusstsein geschafft. Oder ins Bewusstsein meiner Lehrer?
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Regina

  • Jr. Member
  • **
  • Posts: 76
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #66 on: 23. Dezember 2009, 19.53 Uhr »
Im Gegensatz zum Bild der Renaissance hat es Burckhardts Bild der alten Griechen aber irgendwie nie bis in mein Bewusstsein geschafft. Oder ins Bewusstsein meiner Lehrer?

Liegt vielleicht daran, dass die Kulturgeschichte der Renaissance ein handlicheres Format hatte?  ;)
Boethius - Trost der Philosophie
Peter Altenberg - Prodromos
The Oxford Book of Literary Anecdotes

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #67 on: 24. Dezember 2009, 07.35 Uhr »
"Handlich" ist, wie so vieles, relativ. Ich habe beim Einräumen meiner Bibliothek meine alte Reclam-Ausgabe der Renaissance gefunden. Sind doch immerhin auch rund 400 Seiten - eigentlich schon zu gross für ein Reclam-"Heftchen".

Im übrigen bin ich jetzt beim griechischen Polytheismus. Ich bin mir noch nicht sicher, aber mir will scheinen, dass Burckhardt den Polytheismus der Griechen ein bisschen anders bewertet als den der Römer. Weniger positiv.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #68 on: 31. Dezember 2009, 07.47 Uhr »
Ich lese in relativ kleinen Portionen weiter, habe allerdings beschlossen, meine übrige Lektüre mehr oder weniger ruhen zu lassen. So habe ich nun den Abschnitt zum griechischen Glauben hinter mir. Burckhardt zeichnet ein sehr düsteres Bild vom alten Griechen, vom alten Griechenland: Ein Haufen Pessimisten, ständig untereinander verkracht, keineswegs nett zu einander. Gastfreundschaft als Ausnahme; Raub, Mord und Vergewaltigung als Regel. Die Götter nicht als ethisch-moralisches Vorbild, sondern als Ebenbild des Griechen: eifersüchtig, rachsüchtig.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Regina

  • Jr. Member
  • **
  • Posts: 76
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #69 on: 01. Januar 2010, 13.00 Uhr »
Ich hatte um Werihnachten den Wense bevorzugt, um ihn zu beenden, denn zwei Werke mit über tausend Seiten waren denn doch zu viel. Jetzt kann ich mich besser auf Burckhardt konzentrieren,

Ich befinde mich in der Polis. Burckhardt schildert ihre Unausweichlichkeit, die schon in ihren Anfängen anklingt, nicht selten wurden sie durch Umsiedelungen erzwungen und den Bürgern als neues Zuhauae aufgedrückt. Burckhardt zeigt bei den Griechen sehr schön beides, die Vorteile und die Schattenseiten, während ihm doch bei den Renaissanceitalienern die Schattenseiten immer etwas peinlich waren (aber er hat sie trotzdem nicht unter den Teppich gekehrt).

So langsam lese ich mich ein und gewöhne mich an die kleine Schrift.
Boethius - Trost der Philosophie
Peter Altenberg - Prodromos
The Oxford Book of Literary Anecdotes

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #70 on: 01. Januar 2010, 15.23 Uhr »
Burckhardt zeigt bei den Griechen sehr schön beides, die Vorteile und die Schattenseiten, während ihm doch bei den Renaissanceitalienern die Schattenseiten immer etwas peinlich waren (aber er hat sie trotzdem nicht unter den Teppich gekehrt).

Er macht auf mich sogar den Eindruck, als würde er die Schattenseiten bei den Griechen erheblich stärker gewichten als die Sonnenseite. (Was jeder, der mal im Sommer in Griechenland war, allerdings verstehen kann ...  >:D )
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #71 on: 03. Januar 2010, 11.25 Uhr »
Nun bin ich mit der Musik, der Lyrik und dem Drama durch. Folgt noch die Philosophie. Beim Drama schien mir Euripides sein absoluter Liebling zu sein, die andern kommen längst nicht so gut weg. Bei der Musik habe ich etwas mehr erwartet / erhofft. Vielleicht, weil ich dachte, die Ansatzpunkte zu finden, von denen aus Nietzsche seine Geburt der Tragödie ver- und erfasste. Ist aber herzlich wenig da.  :(
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Regina

  • Jr. Member
  • **
  • Posts: 76
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #72 on: 04. Januar 2010, 11.27 Uhr »
Wo bist du? Du machst mich fertig. Egal, ich war ja schon bei Xenophon die Nachhut.  ;D

Ich stecke noch in der Polis, habe gerade mit Sparta abgeschlossen, aber endgültig! Burckhardt räumt mit dem Mythos gründlich auf, mit dem ich noch in der Schulzeit Bekanntschaft machte, sofern mich meine Erinnerung nicht trübt. Wenn man bedenkt, dass Burckhardt im 19. Jahrhundert schrieb und lehrte, dann finde ich es erstaunlich (und erschreckend), dass sich Sparta als Vorbild im 20. Jahrhundert trotzdem erhielt.

Na ja, Richard der Dritte gilt ja auch noch immer als Bösewicht, trotz mehrfacher Widerlegung.
Boethius - Trost der Philosophie
Peter Altenberg - Prodromos
The Oxford Book of Literary Anecdotes

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Posts: 6 765
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #73 on: 06. Januar 2010, 08.12 Uhr »
Ich meinte, dass da irgendwo noch mehr Nachhut sein müsste. Aber ich vermute, Anna ist den Leserunden-Heldentod gestorben ...

Ich bin nun beim griechischen Menschen, war vorher gerade noch in der griechischen Sprache. Burckhardt vertritt da - völlig zeittypisch - die These vom stetigen Niedergang der Sprache. So stellt er das Altgriechische weit über die modernen Sprachen, alleine wegen der Vielfalt an Flexionen und Möglichkeiten mit verschiedensten Verbformen zu kommunizieren. So setzt er in einem Nebensatz dann auch das alte Gotisch über das moderne Deutsche ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Regina

  • Jr. Member
  • **
  • Posts: 76
Re:Jacob Burckhardt: Das Geschichtswerk
« Reply #74 on: 06. Januar 2010, 13.59 Uhr »
Ich tummel mich nach wie vor in der Polis. Sklaverei, Aristokratie und Tyrannis habe ich schon überwunden. Besonders die ersten Tyrannen beurteilt Burckhardt durchaus günstig. Wahrscheinlich, weil sie die Leute zum Arbeiten trieben. Mir scheint, Burckhardt kann gerade dem Nichtstun der Griechen, dem ewigen Flanieren und Schwatzen auf der Agora, nichts abgewinnen. Da bricht wohl die protestantische Arbeitsethik durch. ;D
Boethius - Trost der Philosophie
Peter Altenberg - Prodromos
The Oxford Book of Literary Anecdotes