Band 2, Brief N° 998 an Amelung
Vielleicht mit Ausnahme der ebenso berühmten Briefe Lessings zum Tod seines Sohns und seiner Frau habe ich selten einen ergreifenderen Bericht über den Tod einer geliebten Person gelesen, wie diese Zusammenfassung Lichtenbergs von seinem Verhältnis zur Stechardin, bis hin zu ihrem Tod.
(Und ja: Ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass das Verhältnis nach heutigen Begriffen noch skandalöser ist als nach zeitgenössischen, war die Stechardin doch zum Zeitpunkt ihres Eintretens in den Lichtenberg'schen Haushalt knappe 13 Jahre alt. Aber nach damaligen Begriffen war sie heiratsfähig und Lichtenberg hat ziemlich sicher recht, wenn er meint, dass er sie vor einem Leben in der Gosse bzw. in einem Bordell gerettet hat.)