Author Topic: Die Horen eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und hg. v. Schiller  (Read 255790 times)

Offline Gontscharow

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Quote from: sandhofer
Aber Hirts Reisebericht (der sehr schnell zur gelehrten philologischen Abhandlung mutiert!) ist so weit gelungen. Die Korrektheit seiner philologischen Abhandlung…
Ganz Deiner Meinung. aber wieso philologische Abhandlung? Aloys Hirt war Archäologe und Kunsthistoriker,  u.a. war er "Cicerone" in Rom gewesen und hatte Goethe und  später Amalia durch Rom geführt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland spielte er als Gründer der Bauakademie, Mitinitiator der Museumsinsel und Lehrer Schinkels eine bedeutende Rolle im Berliner Klassizismus. Was er seiner Gönnerin (er war kurz vorher Weimarer Rat geworden) da beschreibt, ist eine historisch archäologische Exkursion.
Wie auch immer, mir hat sein Bericht direkt Lust gemacht, Latium und die Vorgängerstätten Roms ebenfalls zu erkunden.

Offline sandhofer

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Quote from: sandhofer
Aber Hirts Reisebericht (der sehr schnell zur gelehrten philologischen Abhandlung mutiert!) ist so weit gelungen. Die Korrektheit seiner philologischen Abhandlung…
Ganz Deiner Meinung. aber wieso philologische Abhandlung?

Weil er alte Texte analysiert. Zugegeben: Anhand der Gegebenheiten vor Ort.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Gontscharow

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Quote from:  sandhofer
Herders Gedicht zum Schluss hielt ich zuerst für ein scherzo; aber die dritte Strophe, wo er vom philosophischen Rohr zur Leier übergeht, ist wohl durchaus ernsthaft gemeint.

Selten einen solchen Schwachsinn gelesen! Schon gar nicht einen so aufs kunstvollste gereimten  und in Form gebrachten (Rondeau o.ä.).

Apropos. Geht es wirklich nur um simplen Tabakgenuss? Oder hat man sich Weimarer Kiffbrüder vorzustellen?
 
Quote from:  Herder. Trösterinnen
.Wer reichet mir das Rohr? …
.....
……
Des Menschen Würd’ und Werth’ ist Türken-Apathie! –

...
So tröstete mich Rauch und Rauchphilósophie.
O0

Offline sandhofer

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Selten einen solchen Schwachsinn gelesen!

 ;D

Apropos. Geht es wirklich nur um simplen Tabakgenuss? Oder hat man sich Weimarer Kiffbrüder vorzustellen?

 :o  ;D Ich bin jetzt in der Geschichte der Drogen und Betäubungsmittel auch nicht so firm, aber ich meine, dass Haschisch und Opium erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufkamen. Es ist ja auch so, wenn wir über Kaffee lesen. Wir können uns gar nicht vorstellen, was Koffein und Nikotin auf die unschuldigen Kinder des 18. Jahrhunderts noch für eine Wirkung gehabt haben müssen.
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Offline Gontscharow

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Quote from:  sandhofer
Es ist ja auch so, wenn wir über Kaffee lesen.

Ja, ich musste bei der Lektüre des Herderschen Gedichts auch gleich an Carl Gottlieb Herings
 
C-a- f- f- e- e,
…………………………..............
……………....   Türkentrank,
schwächt die Nerven, macht dich bla-ass und krank.
Sei doch kein Muselmann,
der ihn nicht lassen kann!


denken. Stammt wohl aus der selben Zeit.

Offline sandhofer

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Heute früh dann im Blog beschrieben: Das Eilfte Stück des Jahrgangs 1796.
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Offline sandhofer

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Das zwölfte und letzte Stück von 1796:

Hirt fährt mit seinem archäologischen Bericht weiter. Wohl weil es eine Fortsetzung ist, fehlt die Huldigung an Anna Amalia. Im übrigen zeitgenössische Archäologie, wie zeitgenössische Archäologie damals eben war. Ohne Reisebericht vorher gefällt mir Hirts jedenfalls besser.

Boies Pilger: Eine moralische Novelle, wie sie in Boccaccio auch hätte gefunden werden können. Oder in Wielands Goldenem Spiegel, bzw. in dessen Fortsetzung, der Geschichte des weisen Danischmend.
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Den Abschluss von N° 12 macht Körners Anaylse der Lehrjahre. Wir müssen wohl davon ausgehen, dass Körner diesen Roman so interpretierte, wie es auch Goethe und Schiller taten. Als letzten Endes realistisch, aber ins Idealistische gewandte Schilderung von Ereignissen, die hätten wahr sein können. Oder so.
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Offline Gontscharow

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Endlich lerne ich einen Text von jenem Heinrich Christian Boie kennen, an dessen Wohnhaus in der Barfüßerstraße in Göttingen ich so oft achtlos vorübergegangen bin, als ich dort noch wohnte.  Boie war „Mentor“ der jungen Dichter des Hainbundes, von Hölty, Voss  und Co. und bot ihnen in seinem Göttinger Musenalmanach ein Sprachrohr. Er gilt u.a. als Begründer der deutschen Almanachskultur, die bis zur Frühromantik andauerte.
Seine Ballade Der Pilger, inhaltlich unoriginell und formal wenig ausgereift, vermag mich jedoch nicht vom Hocker zu reißen. Erstaunlich, wie unstrukturiert und wenig pointiert hier am Vorabend des sogenannten Balladenjahrs, in dem Goethe&Schiller diese Textform zu höchster Perfektion treiben werden, noch gedichtet wird!   

Offline Gontscharow

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Kurz vor Toresschluss möchte ich der Pflicht Genüge tun und mich auch noch zum Körnerschen „Analyse“ auslassen. Ich hatte in diesem thread schon einmal etwas darüber geschrieben, finde es jetzt aber über die Suchfunktion nicht mehr.
Es ist  einigermaßen verwunderlich, dass Schiller das literarische Großereignis des Jahres - das Erscheinen von Wilhelm Meisters Lehrjahren - in den Horen lediglich durch diesen strohtrockenen, ich möchte fast sagen, uninspirierten Kommentar würdigt. Zumal er doch selbst lebhaftesten Anteil an der Entstehung des Romans genommen hat und von ihm begeistert war. Warum hat er, statt selbst etwas darüber zu verfassen sich mit diesem ziemlich nichtssagenden Auszug aus einem Brief seines Freundes begnügt?

Offline sandhofer

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Warum hat er, statt selbst etwas darüber zu verfassen sich mit diesem ziemlich nichtssagenden Auszug aus einem Brief seines Freundes begnügt?

Keine Zeit?  ???
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Offline sandhofer

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12/1796 nun auch verbloggt8)
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Und was mache ich aus der ersten Nummer des letzten Jahrgangs?

Karl Wilhelm Ferdinand von Funcks Robert Guiscard Herzog von Apulien und Calabrien ist brav und bieder. Als einmaliges Zwischenspiel: Meinethalben. Immerhin ist er stilistisch lesbarer als Goethe, weil unkompliziert. Leider droht man uns mit einer Fortsetzung.

Fortgesetzt wird zu meinem Leidwesen auch der Benvenuto Cellini. Cellini ist immer noch der alte rechthaberische Aufschneider, dem von allen, vor allem von den Königen dieser Welt, natürlich Unrecht getan wird.

Der Gefangene von Pfeffel. Gem. Wikipedia hat Pfeffel sein gesamtes Vermögen in der Französischen Revolution verloren. Insofern will ich ihm seine merkwürdige, gegen die Aufklärung gerichtete Metapher in diesem Gedicht nachsehen. Allerdings bin ich sehr enttäuscht von Schiller, dass er einen derartigen (inhaltlichen wie sprachlichen) Quark in seine Zeitschrift aufnimmt.

Die Freundschaft, offenbar von Herder (übersetzt?), ist eine nette, pädagogisch-volksbildnerisch gedachte Nullität.

Fazit: Man könnte sich diese Nummer wohl auch sparen. Oder?
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Offline Gontscharow

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Du bist aber früh dran diesmal! ;D Ich bitte noch um etwas Geduld.
 
Zu Pfeffel  kann ich aber schon etwas sagen.

Der Gefangene von Pfeffel. Gem. Wikipedia hat Pfeffel sein gesamtes Vermögen in der Französischen Revolution verloren. Insofern will ich ihm seine merkwürdige, gegen die Aufklärung gerichtete Metapher in diesem Gedicht nachsehen. Allerdings bin ich sehr enttäuscht von Schiller, dass er einen derartigen (inhaltlichen wie sprachlichen) Quark in seine Zeitschrift aufnimmt.


Das wundert mich gar nicht, hatten wir doch schon ein ähnlich anti-aufklärerisches Gedicht von Pfeffel im VII. Stück des Jahrgangs 1795 unter demTitel Saladin und der Sklave. Da hieß es:

Verachtest du die Freyheit? Nein;
Doch lieber will ich stets sie missen,
Als frey mit Bösewichtern seyn,
Die sie nicht zu gebrauchen wissen.

Hier wie da  passt das zu Schillers reservierter Haltung der Französischen Revolution gegenüber, wie sie an vielen Stellen in den Horen zum Ausdruck kommt, in der ÄE etwa , der Auseinandersetzung mit Jenisch und wie ich meine auch im Bild zu Sais - auch da blendet und gefährdet das Licht der Erkenntnis .




Offline sandhofer

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Du bist aber früh dran diesmal!

Nun ja: An diesem Knochen ist auch so gar kein Fleisch...
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