Author Topic: Die Horen eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und hg. v. Schiller  (Read 255851 times)

Offline Gontscharow

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Ich hätte wohl schreiben sollen: Kein Mensch, sondern eher das Gedicht oder die Zeitschrift selber.

Die Zeitschrift bittet um einen sanften Tod und ein entsprechendes Begräbnis? ;D

Offline sandhofer

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Die Zeitschrift bittet um einen sanften Tod und ein entsprechendes Begräbnis? ;D

So was würde ich Herder sogar zutrauen...  O0
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline sandhofer

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Eigentlich wollte ich gestern mit der Lektüre der nächsten Nummer beginnen. Dann habe ich gesehen, dass sie mit Schillers Aufsatz "Die sentimentalischen Dichter" anhebt - 55 Seiten lang. Ich konnte mich noch nicht überwinden. Und hier offenbar auch noch niemand ...  lvw
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Offline sandhofer

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So, mittlerweile doch gelesen. Ich fand es recht überraschend, dass Schiller Goethe explizit zu den sentimentalischen Dichtern rechnet. Aber offenbar gibt es für ihn im 18./19. Jahrhundert gar keine naiven Dichter mehr. Homer muss so ungefähr der letzte gewesen sein.
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Offline Gontscharow

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Ich fand es recht überraschend, dass Schiller Goethe explizit zu den sentimentalischen Dichtern rechnet.

Ja? Wie verträgt sich das mit einem Satz wie diesem:... ,denn ich läugne nicht, daß die nehmlichen Gründe, aus welchen ich die verführerischen Gemählde des römischen und deutschen Ovid, so wie eines Crebillon, Voltaire, Marmontels [….]einer Entschuldigung durchaus für unfähig halte, mich mit den Elegien des römischen und deutschen Properz, ja selbst mit manchem verschrienen Produkt des Diderot versöhnen; denn jene sind nur witzig, nur prosaisch, nur lüstern, diese sind poetisch, menschlich und naiv.

Offline sandhofer

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Gar nicht, warum? Goethe hatte der Seiten mehrere; und Schiller wusste sicher darum. Ausserdem müsste ich mich jetzt noch schlau machen ... irgendwo in der Gegend wird auch Wieland erwähnt ...
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Offline Gontscharow

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Gar nicht, warum? Goethe hatte der Seiten mehrere; und Schiller wusste sicher darum.

Ja, und sagte das auch und deshalb entspricht das mit der „expliziten Zurechnung“ Goethes zu den sentimentalischen Dichtern nicht ganz den Tatsachen … Goethe wird mal den sentimentalischen, mal den naiven zugerechnet. Der Grund für die schwankende Zuordnung liegt unter anderem darin, dass Schiller sowohl vertikale als auch horizontale Einteilungen vornimmt, das Sentimentalische und das Naive Unterscheidungsmerkmale im historischen Längs - als auch Querschnitt darstellen... So kann  ein Werk wie Werther sowohl sone als auch solche Merkmale aufweisen.

Mit diesen unfertigen Betrachtungen zum ersten Beytrag des Zwölften Stücks möchte ich mich für 2013 von Euch verabschieden, nicht ohne Euch ein gutes Neues Jahr gewünscht und der Hoffnung Ausdruck gegeben zu haben, dass wir uns 2014 hier in hoffentlich neuer Frische wiederlesen werden. :hi:

Offline sandhofer

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Goethe wird mal den sentimentalischen, mal den naiven zugerechnet.

Ich sagte ja: explizit, nicht exklusiv. Schiller nennt Goethe ganz explizit als sentimentalischen Dichter - was mich daran verwundert, ist, dass Goethe dennoch in die Welt gesetzt hat, Schiller habe ihn als naiven gesehen und darum beneidet. Und, dass die Welt Goethes Aussage folgt, ihn als naiv im Schiller'schen Sinn bezeichnet. Und alles nur, weil offenbar keiner mehr Schillers theoretische Schriften liest...
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Offline sandhofer

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Mit diesen unfertigen Betrachtungen zum ersten Beytrag des Zwölften Stücks möchte ich mich für 2013 von Euch verabschieden, nicht ohne Euch ein gutes Neues Jahr gewünscht und der Hoffnung Ausdruck gegeben zu haben, dass wir uns 2014 hier in hoffentlich neuer Frische wiederlesen werden. :hi:

Fast vergessen ...  ::)

Schöne Feiertage auch Dir. Und allen andern.
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Offline Sir Thomas

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... offenbar gibt es für ihn im 18./19. Jahrhundert gar keine naiven Dichter mehr. Homer muss so ungefähr der letzte gewesen sein.

So ist es. Dichter von dieser naiven Gattung sind in einem künstlichen Weltalter nicht so recht mehr an ihrer Stelle (Über das Naive). Und nicht nur das. Vergleicht man ... die Arten selbst miteinander, so zeigt sich, dass das Ziel, zu welchem der Mensch durch Kultur strebt, demjenigen, welches er durch Natur erreicht, unendlich vorzuziehen ist (Die sentimentalischen Dichter). Da ist er wieder, der idealistische Schiller, dem das Ziel und der Menschheitszweck "Kultur" über alles geht!

Euch allen schöne Feiertage und einen guten Rutsch!   

Offline Sir Thomas

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Und alles nur, weil offenbar keiner mehr Schillers theoretische Schriften liest...

Zumindest liest niemand die "Naiven und sentimentalischen ...". Diese Schrift wird eher selten erwähnt, taucht nur in wenigen Anthologien auf und steht eindeutig im Schatten der "Briefe über die ästhetische Erziehung" - eine Tatsache, die ich, wie Gontscharow, schwer verständlich finde. 

Offline sandhofer

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Ja.

Der Rest des 12. Theils übrigens m.M.n. völlig uninteressant.
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Offline sandhofer

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Mittlerweile wieder da und im Stande, die Besprechung des 12. Theils im Blog zu vermelden: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5209
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Offline Gontscharow

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Mittlerweile wieder da und im Stande, die Besprechung des 12. Theils im Blog zu vermelden: http://blog.litteratur.ch/WordPress/?p=5209

Mittlerweile wieder da und im Stande, meinen Senf dazu abzugeben:

Quote from:  sandhofer im blog
Der Autor macht es seinem Leser nicht einfach, indem er die Begriffe “naiv vs. sentimentalisch” einerseits quasi literaturgeschichtlich nimmt, wo dann die alten Griechen, allen voran Homer, naiv sind und Goethe sentimentalisch, andererseits sie aber typisierend verwendet, wo dann Goethe naiv ist und er selber sentimentalisch.

Danke! Genau das meinte ich mit....

Quote from:  Gontscharow« am: 24. Dezember 2013, 14.22 Uhr
Der Grund für die schwankende Zuordnung liegt unter anderem darin, dass Schiller sowohl vertikale als auch horizontale Einteilungen vornimmt, das Sentimentalische und das Naive Unterscheidungsmerkmale im historischen Längs - als auch Querschnitt darstellen...

...was hoffentlich auch so verstanden wurde.

Quote from:  sandhofer im blog
Der moderne Dichter als moralische Anstalt, bemüht, sich wieder zu den alten Tugenden von Einfalt und Wahrheit zurückzuarbeiten – so könnte man Schillers Idee in etwa zusammenfassen. Und insofern der moderne Dichter sich dessen bewusst ist, und nur auf Grundlage dieses Bewusstseins arbeiten kann, ist er der sentimentalische sentimentalische Dichter, also Schiller; insofern nicht, ist er der naive sentimentalische Dichter, also Goethe. (Vereinfachend ausgedrückt.)

Das trifft es mMn sehr gut! ;)


Offline sandhofer

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...was hoffentlich auch so verstanden wurde.

Ja.  ;)
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