XI,IX. Briefe über Poesie, Silbenmaaß und SpracheAugust Wilhelm Schlegel lässt sich aus über Metrik und ihre Bedeutung für die Poesie. Einmal mehr geschieht dies im zeittypischen Gewand fiktiver Briefe, deren erste beiden wir hier, die zwei übrigen, wenn ich es richtig sehe, dann im Januarheft 96 finden werden. Adressatin ist eine junge Dame namens Amalie, die dem Briefschreiber den Gefallen tut, Metrik für überflüssig und überhaupt den Poeten für einen gottbegnadeten Inspirationsempfänger zu halten, der sich um solche Äußerlichkeiten nicht zu scheren braucht. Mit diesem von diversen Versifexen(vgl. Schillers
Theilung der Erde) genährten Mythos kann A.W. Schlegel nun aufräumen:
Dieser Dichter ist selbst nur ein Geschöpf der dichtenden Phantasie,sagt er, ganz im Gegenteil müsse er
im Schweiße seines Angesichts Silben zählen, Gedanken in Form bringen und
unter Schmerzen Gedichte gebären. Genie also = "zu 99 % Transpiration und zu 1% Inspiration" ?
In gewissem Gegensatz dazu vertritt er im folgenden die Auffassung, dass der Ursprung der Dichtung mit der Entstehung der Sprache zusammenfalle, Dichtung ursprünglich immer auch Musik und Tanz gewesen sei und
das Silbenmaaß, die
gemessene Bewegung, die Metrik somit originärer integraler Bestandteil der Dichtung, quasi organisch mit ihr verwoben sei.
Wie es dazu kam, dass
der freye Sohn der Natur darauf [verfiel]
dem Ungestüm seiner Phantasie und seiner Gefühle[…] einen Zügel ](in Form der Metrik)
anzulegen, damit will A.W. uns in der Januarfolge beglücken.
Das ganze erinnert u.a. sehr an Herders
Abhandlung über den Ursprung der Sprache , die ich seinerzeit nicht ungern gelesen habe. Auch den Text von Schlegel finde ich nicht uninteressant. Ist das nun ein Text der Frühromantik? Wir stehen vor dem Jahreswechsel 95/96. 1796 erscheinen Wackenroders
Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders!
So, I have done my homework.

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