Da ich gerade in den Briefwechseln schmökere, eine kleine Korrektur dessen, was ich über die Gunst des Publikums sagte: Schillers lyrische Produktion scheint doch nicht so schlecht beim Publikum anzukommen. Zumindest die volkstümelnd naiv- humoristische Variante, hinter der man allerdings ihn als Autor auch nicht vermutet:
Goethe den Empfang des Honorars für die Horen bestätigend, schreibt im Dezember 1795 an Schiller:
Es scheint, da wir Dichter bei der Theilung der Erde zu kurz gekommen sind, uns ein wichtiges Privilegium geschenkt zu sein, daß uns nämlich unsere Thorheiten bezahlt werden.
Das Gedicht, worauf ich hier anspiele, findet großen Beifall, und die Leute sind höchst neugierig wer es wohl gemacht habe?
Und Schiller schreibt noch im alten Jahr, die Autoren sind noch nicht bekanntgegeben:
Das Glück, welches das kleine Gedicht die Theilung der Erde zu machen scheint, kommt mit auf Ihre Rechnung, denn schon von vielen höre ich, daß man es Ihnen zuschreibt. Hingegen ist mir von andern der literarische Sanscülottism zugeschrieben worden.
Auch meine Äußerungen über den Schiller’schen Rigorismus französischer "libertärer" Literatur gegenüber muss ich etwas revidieren; immerhin erwägt er eine Übersetzung u. Veröffentlichung der Diderot’schen Religieuse* in den Horen:
Könnten wir nicht durch diesen Prinzen [August] Vergünstigung erhalten, die Diderot’sche Erzählung La Religieuse, die sich in dem geschriebenen Journale befindet und, so viel ich weiß, noch nicht übersetzt ist, für die Horen zu übersetzen?( Dez. 1795)
Leider kommt es nicht dazu. Herder, den Goethe u Schiller als Übersetzer vorsehen, lehnt ab.
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*Vielleicht nicht ganz uninteressant angesichts der Tatsache, dass dieses Werk gerade mit großem Pomp verfilmt wurde und in den Kinos anläuft.