Wenn ich mich nicht irre, wird Schleiermacher schon kurze Zeit später vom "Staat" reden, bzw. übersetzen. Kant war ja auch einmal fast so etwas wie ein aufrührerischer Aufklärer...
Ich vermute, dass sich Erhard schon etwas gedacht hat bei der Verwendung von "Republik" statt "Staat".
Interessante Abwege, auf die wir durch die
Horen wieder einmal geraten.
A..also, die erste deutsche Übersetzung der
politeia in Auszügen stammt von G. Lauterbeck und trägt den Titel »
Summa der Platonischen Lere, von den Gesetzen und Regierung des gemeinen Nutzes« in: G. Lauterbeck, Regentenbuch, Leipzig 1572, die erste vollständige deutsche Übersetzung von 1780(!) ist von Johann Friedrich Kleuker, ihr Titel : »
Die Republik oder ein Gespräch über das Gerechte« in: Werke, 2. Band, Lemgo 1780. (Hervorhebungen von mir)
Dem folgen wohl Kant in der
Kritik der reinen Vernunft (1781) und Erhard im Horenartikel von 1795. Schleiermachers Übersetzung von 1804 heißt übrigens auch noch nicht
Der Staat, sondern - wohl eingedenk der Zweideutigkeit und der Brisanz des Begriffs Republik - unverfänglich
Politeia.
Der Staat ist, soweit ich sehe, erst der Titel der Übersetzung von Wilhelm Siegmund Teuffel und Wilhelm Wiegand von 1855/56.
Im Ernst: Johann Benjamin Erhard hat im gleichen Jahr wie diesen Artikel sein Buch "Über das Recht des Volkes zu einer Revolution" veröffentlicht. Das Buch wurde in diversen deutschen Staaten verboten.
Interessant! Interessant auch, wie Schiller väterlich gravitätisch auf dieses 1794 in Jena erschiene Werk seines Freundes (wie er aus einfachen Verhältnissen und ebenfalls Mediziner) in einem Brief vom 25.5.1794 reagiert:
Vor allem folgen Sie meinem Rat, und lassen Sie vorderhand die arme, unwürdige und unreife Menschheit für sich selbst sorgen. Bleiben Sie in der heitern und stillen Region der Ideen, und überlassen Sie es der Zeit, sie ins praktische Leben einzuführen. Und wenn es Sie je kitzelt, außer sich zu wirken, so machen Sie den Anfang mit dem physischen, und kurieren die Körper von der Gicht und vom Fieber, deren Seelen inkurabel sind. ( zitiert nach:Haasis, S. 217)
Ist das nicht eine Vorwegnahme in Kürzestform der in der
Ästhetischen Erziehung entwickelten Gedanken?
Es zeugt doch von einer gewissen Toleranz, dass Schiller Erhard trotz dessen unliebsamer politischer Ansichten in den Horen zu Wort kommen lässt.