5. Stück 
Hm.
Das fünfte Stück der Horen gehört wohl zu den besseren
Schiller hielt es für eins der schlechtesten, wenn nicht für das schlechteste. Warum?
So, wenn er(Woltmann) dann den französischen mit dem deutschen Charakter vergleicht und dem ungeschliffenen Deutschen dann höheren Wert beimisst
Hier brichst du Woltmanns Ausführungen die politisch brisante Spitze ab.
Es ist nicht die Ungeschliffenheit des Deutschen, der er den höheren Wert beimisst, sondern der Umstand, dass der Deutsche - durch keine „Nationaleitelkeit“ gebunden( da keinen zentralen Nationalstaat wie die Franzosen habend) - dem Weltbürgertum näher sei!
Auch bei Goethes
Sanscülottismus… scheinst du dich als Kommentator der
Horen an das Politisierungsverbot für Beiträger - und eifriger als diese - zu halten, indem du den Satz:
Wir wollen die Umwälzungen nicht wünschen, die in Deutschland classische Werke vorbereiten könnten.… unterschlägst. Ich halte ihn, wie gesagt, für den wichtigsten! Einig sind sich Jenisch und Goethe im Grunde darin, dass den Deutschen wegen fehlender politischer Mitte eine gemeinsame Kultur und Tradition fehle, auch wenn J. das den zeitgenössischen Literaten zum Vorwurf macht, während es Goethe - was viel logischer ist - als Entschuldigung derselben dient. Aber während Jenisch die entsprechenden „Umwälzungen“( indirekt) befürwortet, weshalb er von Goethe ja auch des Sanscüllottismus geziehen wird, lehnt dieser vehement (s.o.) ab! Wobei Schaffung eines Nationalstaates und bügerliche Revolution für Goethe Hand in Hand zu gehen scheinen, wie auch aus seinen Äußerungen zur Mainzer Republik herauszulesen ist. Goethe redet im Grunde mit der Ablehnung politischer Veränderungen dem Provinzialismus und der Weimarisierung der Literatur das Wort.
Sowohl Woltmanns als auch Goethes Ausführungen zeigen etwas, was ich sehr interessant und bemerkenswert finde, nämlich, dass Ende des 18.Jahrhunderts (noch) denkbar und träumbar war, Deutschland könne die Phase des Nationalismus, der Nationalstaatlichkeit quasi auslassen und überspringen... zugunsten eines Provinzialismus oder eines Weltbürgertums - wie auch immer. Eine so schöne Vorstellung angesichts des heraufziehenden 19. und 20. Jahrhunderts mit ihren blutigen Nationalismen bis hin zu den Exzessen der sich zu kurz gekommen und spät wähnenden Nation der Deutschen.
Ich glaube , dieses „Politisieren, das mir nun gerade so gefällt, ist der Grund für Schillers Verstimmung das 5. Stück betreffend.
Dass er, zusammen mit Schiller, gerade daran war, eine Epoche der Klassik einzuleiten, deutet er allerdings nur dezent an.
Aber er deutet doch an? Wo?? MEn. spricht er nur allgemein, speziell nur von Wieland, dass in dessen Werk bzw. in den Änderungen und Verbesserungen desselben so etwas wie die Richtlinien einer „unsichtbaren Schule“ sichtbar

seien. Der Begriff
Klassik für die gerade laufende Epoche scheint im übrigen eine Erfindung erst des 19.Jahrhunderts zu sein, wie ich gelesen habe.