Danke für deine Mitteilungsbereitschaft. Allerdings: Die "Gründungsveranstaltung" der
neuen Definition des Subjekts, die von Karl einberufene
kasuistische Übung, von der du sprichst, fand erst 1550 statt. Da war Las Casas bereits 76 Jahre alt, Mittel- und weite Teile Südamerikas waren erobert und ausgeplündert, die Urbevölkerung der Größeren Antillen längst ausgerottet, seine Anklageschriften, die dreibändige
Geschichte Westindiens, die
Tränen der Indianer, der
Bericht über die Verwüstung... und anderes sowie unzählige Briefe, Petionen, Eingaben längst geschrieben. Las Casas war aufgrund seines Einsatzes für die Indios des Hochverrats angeklagt, dann aber auch zeitweilig zum Prokurator der Indios in Westindien ernannt worden, hatte in verschiedenen Ländern Mittelamerikas als Priester, zuletzt als Bischof gewirkt, ein ganzes Leben mit mehr oder weniger Erfolg für die Rechte der Indios gekämpft - ganz ohne Kasuistik und
neue Definition des Individuums. Dieser Mann, der anthropologische Studien betrieben, Indianer-Dialekte gelernt und regelrecht getrauert hat um die Indios und ihre untergehenden Kulturen, muss sich nun mit dem Conquista-Apologeten und Reichshistoriographen Juan Ginés de Sepúlveda über die Frage auseinandersetzen, ob Indios (vollwertige) Menschen seien, eine Frage, die so oder ähnlich immer dann gestellt (und negativ beantwortet) wird, wenn es darum geht, Grausamkeit, Ausbeutung und Vernichtung von Menschen zu rechtfertigen. Sepulveda hatte 1547 als Antwort auf Las Casas’
Bericht über die Verwüstung… in seinem
Democrates Alter sive de justis belli causis apud Indos das Recht Spaniens, Krieg zu führen und die Indios zu versklaven, mit deren Inferiorität begründet, für mich eindeutig mit dem Ziel, u. a. das Gold aus den amerikanischen Besitzungen weiterhin von keinen Skrupeln getrübt fließen zu lassen.
Ist auf diesem Mist wirklich unser neuzeitlicher Begriff von den Rechten der Person und des Individuums gewachsen?
"Menschlichkeit" war dann erst das Resultat der kauistischen Überlegung, dass, was sich wie ein Mensch sozialisiert, offenbar auch ein Mensch ist.
Für „Menschlichkeit“ als Resultat kasuistischer Überlegungen ist es ja bei Las Casas offensichtlich noch zu früh, auch für die
neue Definition des Subjekts. Was ist es denn Deiner Meinung nach nun, was Las Casas bei seinem lebenslangen Engagement für die Indios bewegt und getrieben hat?