Eigentlich wollte ich ja entsprechend der Abfolge der
Meditationen täglich eine lesen. Das hat nicht ganz geklappt. Jetzt also erst etwas zur dritten Meditation
Über das Dasein Gottes :
In der zweiten Meditation hatte Descartes seinen archimedischen Punkt, das Ich als denkendes Ding gefunden. Der Ziel- Satz der dritten lautet:…
daher muss aus dem vorher Gesagten geschlossen werden, dass Gott notwendig existiert. Wie Descartes zu diesem Satz kommt, ist für mich nicht ganz schlüssig, denn neben und statt Deduktion kommen Intuition, Evidenz und ähnliches ins Spiel, es ist von
Klarheit und Deutlichkeit der Auffassung als „Wahrheitskriterien“, von „angeborenen Ideen“ die Rede. Aber auch wenn Descartes mir die Existenz Gottes als, wie er sagt,
unendliche, allmächtige, allweise Substanz, die alles was existiert, geschaffen hat, durch lupenreine Deduktion nachwiese, ich würde nicht an ihn …

glauben. Eben, weil es nur um Glauben, nicht um Wissen gehen kann.
D.s Gottesbeweis ist mMn auch für die Kirche eher ein Bärendienst. Die Vorstellung von der
res cogitans, die aufgrund der angeborenen Idee der Vollkommenheit in der Lage ist, sich die Existenz des vollkommenen Wesens, das Urheber dieser Idee ist, bewusst zu machen und zu vergegenwärtigen, lässt heilige Texte, Offenbarung, Priester und Schriftgelehrte eigentlich überflüssig erscheinen.
Die Zeitstruktur der 6 Meditationen entspricht, wie gesagt, den 6 Tagen der Schöpfung der Welt durch Gott. Und wie in der Genesis ist es am Anfang der Meditationen
wüst und leer, denn Descartes wirft alles, was er
von Jugend auf als wahr hat
gelten lassen, ..
von Grund auf um, um dann die Welt neu aufzubauen… In der Genesis erschafft Gott sich schließlich den Menschen als Gegenüber. Bei Descartes ist es umgekehrt: Er fängt mit dem Menschen an, mit dem Ich, das wie der Gott der Genesis ganz allein ist auf weiter Flur, um ihn dann aus dem Solipsismus herauszuführen - durch den Beweis der Existenz Gottes.
Auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme, Descartes Gedankengänge sind mir sehr sympathisch. Ich bin gern ein denkendes Ding

, das sich seine Welt erschafft . Wie geht es euch damit?