Eure Erläuterungen sind sehr hilfreich. Unfassbar, wie lange die Macht der Kirche über die Köpfe angehalten hat.
Ich finde allerdings in ihm - thematisch und methodisch - noch sehr viel Scholastisches. Eine Schwellenfigur also ... 
Ja, eine gewisse Zerrissenheit meinte ich schon aus diesem Dedikationsbrief herausgelesen zu haben. Und so etwas wie ein indirektes Eingeständnis D.s, dass er mit seiner Philosophie die Autorität der Religion unterminiert. Die Annahme, ein philosophisch geführter Gottesbeweis sei notwendig, man müsse die Existenz dessen,
der höher ist als alle Vernunft, beweisen, ist meiner Meinung nach schon der Anfang vom Ende.
Die erste Meditation habe ich gelesen. Hat eigentlich schon einmal ein Philosoph vor Descartes seine Gedankengänge „Meditationen“ genannt?
Über das, was in Zweifel gezogen werden kann - nennt D. seine erste Meditation und kommt letztendlich (hier passt das Wort mal) zu dem Schluss, dass es nichts gibt, was nicht - aus triftigen Gründen - bezweifelt werden dürfte. Er verspricht dem Leser durch diese Sichtweise Befreiung von „ Vorurteilen“ und eingefahrenen Denkweisen. Aber er bleibt nicht bei dieser Wahrheit stehen, sondern kehrt (immer wieder) zu den alltäglichen Gewissheiten zurück und redet ihnen das Wort. Dem Leser rät er, die neue Sichtweise, nämlich, dass alles in Zweifel gezogen werden kann, zu trainieren:
Es reicht nicht , dies festgestellt zu haben, sondern man muss sich darum kümmern, sich daran zu erinnern. Der Leser soll die beiden Sichtweisen quasi alternativ in einander umschlagen lassen. Interessant!! Das ist ja „wirklich“ eine Meditation, fast im heutigen Sinne, eine Übung, um sich frei zu machen, sich auszutarieren!Eine Art Exerzitium!
Es reicht aber noch nicht aus, dies festgestellt zu haben, sondern man muss sich darum kümmern, sich daran zu erinnern. Unbablässig nämlich kehren die gewohnten Meinungen zurück, und nehmen fast sogar gegen meinen Willen meine Leichtgläubigkeit in Beschlag, als hätten sie aufgrund langer Praxis und Vertrautheit ein Recht dazu. Und niemals werde ich mir abgewöhnen, diesen Meinungen zuzustimmen und mich blind auf sie zu verlassen ....Die Sprache finde ich nun gar nicht mehr hölzern. Sehr nahe habe ich mich Descartes gefühlt, leicht bekleidet, bei Temperaturen um die 25 Grad im Garten beim Lesen dieser Zeilen:
… dass es gleichwohl doch manches andere (gibt), an dem schlichtweg nicht gezweifelt werden kann… wie etwa, dass ich jetzt hier bin, beim Feuer sitze, mit einem Wintermantel bekleidet bin, dieses Papier mit meinen Händen berühre… ( Nachher zweifelt er doch...)