Hallo!
So, den ersten Teil habe ich nun auch beendet.
Unsere beiden Helden sind glücklich in Haft; Mörike nutzt die Zeit, um einige Aufklärungen über deren Vergangenheit zu geben - nicht immer mit gleichem Geschick.
Larkens' Jugend wird nur kurz gestreift. Hier wirkt Mörike recht plump - er erklärt im auktorialen Stil, was denn nun der Leser von seinem Helden zu halten habe.
Bei Nolten liegt der Fall komplizierter. Auch hier greift Mörike zur Rückblende, und gar zur Rückblende in der Rückblende. Das ist einerseits zwar geschickter als die auktoriale Rückblende bei Larkens, weil hier die Figuren selbst erzählen. Dennoch ist es relativ plump gemacht - und vor allem: der romantische Tieck lässt grüssen, dessen Spezialität diese Form von Verschachtelung war (der späte Realist Tieck erzählt geradlinig), und der Romantiker Brentano. Und hinter beiden steht - heftig mit dem Zaunpfahl winkend - der Schauerromantiker "Monk" Lewis, dessen Spezialität es war, in langatmigen Rückblenden verwickelte Vorgeschichten zu erzählen, die mit ungeheuren Gefahrenmomenten die Leser in Atem halten sollten, aber nur Langeweile erzeugten, weil die handelnden Personen der Rückblende schon längst im Haupterzählstrang wieder vorgekommen waren, und man also wusste, dass sei sich auf die eine oder andere Weise aus den früheren Kalamitäten gezogen haben mussten. Im Unterschied zu den oben genannten Romantikern allerdings sind Mörikes Erklärungen ganz rational und realistisch: Die Larkens verfolgende Zigeunerin ist die Tochter seines Onkels, von den Zigeunern dem Erzeuger geraubt zur Strafe dafür, dass er ihnen die Mutter geraubt hatte.
Man sieht am Ende des ersten Teils doch die Pranke des Löwen. Oder vielleicht sollte ich besser sagen: die Pranke des Geparden, denn ein Löwe war Mörike nicht, dazu kann er zu schlecht auf den Baum des Romans klettern. Aber wie ein Geparde kann er zwischendurch eine erstaunliche Geschwindigkeit an den Tag legen, um seine Beute zu schlagen.
Grüsse
sandhofer