Hallo!
Für mich ist der Roman auch ein Re-read, aber ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, dass am Schluss alles den Bach runter geht. Doch so wird es wohl sein, denn das „Gespensterorchester“ kündet von Tod und Verderben. Obwohl mein visuelles Vorstellungsvermögen ähnlich schwach ausgeprägt ist wie das orzifars, fand ich die Bildbeschreibungen sehr anschaulich. Diese schicksalsträchtigen Vorausdeutungen würden mich stören, wenn es sich um einen modernen Roman handelte, aber in der Literatur jener Epoche gehörten sie zu den üblichen Ausdrucksformen. Ob Mörike reale Vorbilder für seine Bildbeschreibungen hatte, weiß ich nicht, aber es sind ja gängige Sujets, da wird er wohl genug Auswahl gehabt haben.
Der Roman schlägt gleich ziemlich düstere Töne an. In der Silvesternacht tauchen rätselhafte Gestalten auf: der merkwürdige Hofrat, die als Nachtwächter verkleidete Frau, auch Noltens Freund Larkens scheint von schwankendem Gemüt zu sein. Agnes vermeintliche Treulosigkeit, ihre Erkrankung, die Prophezeiung der Zigeunerin, Larkens kleines Ränkespiel mit den Briefen, das wahrscheinlich zu noch mehr Verwicklungen führen wird, alles bekannte Motive und Konstellationen. Aber mir geht es wie sandhofer. Ich mag die Sprache Mörikes. Bisher lässt sich das Buch gut lesen.
Gruß
Anna