Hallo!
Leibniz gehört für mich zu den eher rätselhaften Philosophen. Weder seine Schriften noch Sekundärliteratur haben bisher viel beigetragen zu meinem Verständnis. Und im Grunde hat sich das auch durch dieses Kapitel nicht wirklich geändert (eher im Gegenteil durch Russels Verweis auf die "esoterischen", der Nachwelt weitgehend unbekannten Schriften).
Obwohl Leibniz von der Mathematik und Logik kommt (ich kenne etwa seine Konzeption des dualen Systems, die damals revolutionär war), verliert er sich nach meinem Dafürhalten in mehr als abenteuerliche Spekulationen metaphysischer Art. Blinde, fensterlose Monaden, deren Zahl schier unendlich ist, unterschiedlicher Qualität, ohne die Möglichkeit einer Interaktion, hingegen jede ein für sich gespiegeltes Universum besitzend - da kann ich bestenfalls noch Ursachenforschung betreiben. Warum man denn zu solch abenteuerlichen Ideen kommt. Wirklich plausibel wird das auch durch Russels Darstellung nicht, seine (Leibniz') logischen Ideen scheinen durchdacht, die Folgerungen hingegen seltsam. Immer wieder wird man gezwungen, bestimmte Axiome der Theorie als wahr zu akzeptieren, anderenfalls die ganze Sache zu einem Schaumgebilde wird (was sie denn wohl auch ist). Auch vermag ich nicht zu erkennen, inwieweit Leibniz neue Überlegungen in Sachen Gottesbeweis eingebracht hat, das von Russel Referierte kann dieses Neue kaum sein (bei Röd werde ich da wohl eher fündig werden, er hat ihm einen ganzen Abschnitt gewidmet).
Und so bleibt mir weiterhin nichts als die beste aller Welten und Voltaires Pangloss nebst prästabilierter Harmonie (wobei mich die immer an Malebranches Okkasionalismus erinnert, andere Leibnizsche Ideen an die von Spinoza: Auch Russel spielt darauf an, dass der gute Leibniz ein bisschen was geklaut haben könnte). Vielleicht kann mein Leserundenkollege mir das eine oder andere Werk Leibniz' schmackhaft machen, obwohl ich mittlerweile die Befürchtung hege, ohne allzu intensiven Kontakt mit dem Keks-Doppelgänger ins Grab zu sinken.
lg
orzifar