Okay, ich weiß zum Beispiel was in Davos im zweiten Weltkrieg abging ..., aber es stellt sich hier wirklich die schickliche Frage, soll und darf ich nun als Deutsche ...
Nein lassen wir es raus und lesen die Entwicklung 
Ja, also, was soll denn das?

Ich verstehe nicht die Frage, ob man was darf oder nicht? Schamgefühl? Nein, alles raus, was euch einfällt. Was soll der selbstgeflickte Maulkorb? Ich verstehe das wirklich nicht.
Über den Vater, dem TyrannenSein Vater kannte die verpuppten Triebe.
(Seite 10)
Diesen Satz mag man weithin deuten. Mir sagt er, der übermächtige Vater kennt seinen Sohn bis in die letzten Winkel und Jean kann sich überhaupt nicht von seinem Vater abgrenzen. Der Vater nutzt ihn schamlos aus und verletzt seine Menschenwürde, da sich Jean vor seinem Vater quasi entblößen muss, bis in den letzten Seelenwinkel hinein. Der Schluss des ersten Kapitels "Das Krematorium" gibt mir einiges zu denken. Jean träumt, ein Stier starrt ihm von einem Hügel herab an und dann liegt die erdrückende Masse auf ihn (Seite 68). Mir kommt die Assoziation, sein Vater, der Stier, habe den Sohn vergewaltigt, Jean daher in seinem künftigen Leben Schwierigkeiten mit seiner Sexualität bekommen hat. Dazu kommt noch die Vision auf Seite 66, in der Jean den Phallus seines Vaters sieht. Ihn fröstelt vor Angst und Ekel und "erstarrte wie ein Sünder". Vielleicht gibt sich Jean selbst die Schuld für die Vergewaltigung, obwohl er natürlich keine Schuld an der Perversion des Vaters trägt. Mythologisch gesehen steht der Stier für Zeugungskraft und Fruchtbarkeit. Der Minotaurus auf Kreta fraß auch seine Opfer: Ein Kinderfresser.
Der Vater hat sie Seele seines Sohnes gefressen. Die Liebe des Sohnes zum Vater wird zur Furcht. Jean traut sich nicht, seinen Vater in die Arme zu schließen. Die Mutter in ihrer Liebe zu dem Grausamen, verehrt ihn nach seinem Tode auch noch als "Heiligen", denn er habe sich für seinen Beruf aufgeopfert. Es gibt ja Frauen, die bei ihrem Mann bleiben, auch wenn er sie schlägt. Die emotionale Bindung wird zur Abhängigkeit, eine Tennung von dem Ehemann ist nicht möglich. So ergeht es auch dem Sohn:
Jean Calmet senkte den Blick über seinem Teller, doch er konnte dem Inquisator nicht entgehen.
(Seite 10)
Politischer Hintergrund? (den Anita schon angedeutet hat)
Ich vermute einen politischen doppelten Boden des Romans. Es gibt Anspielungen auf die Inquisition und den Nationalsozialismus. Nicht zufällig heißt es einmal "Gottes Auschwitz" (Seite 19).
Seine Gedanken geisterten um den glühenden Rost des heiligen Laurentius, die flammenden Scheiterhaufen der Inquisition, die Verbrennungsöfen von Auschwitz...
(Seite 44)
Warum ist Jean zum Leiden "auserkoren?"
"auserkoren", das heißt, es ist doch etwas besonderes, nur was? Jean sagt das auf Seite 16 im Zusammenhang seiner Gedanken an Märtyrertode wie der von Jeanne d'Arc, und an den todwundenen Roland, der in einer Felsschlucht ins Horn bläst. Meine Frage besteht darin, warum sich Jean Parallelleiden von Märtyrern sucht. Nur um seinem Leiden einen Sinn zu geben?
Wenn wir an den Nationalsozialismus denken wollen, dagegen konnten sich die Menschen auch nicht wehren, sie waren einfach übermächtig. Auch aus Furcht (wie bei Jean) unternahmen Menschen nichts dagegen, denn sonst drohte ihnen der Tod (wie der Vater, der die Seele des Kindes fraß).
Liebe Grüße
mombour