Author Topic: Die Horen eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und hg. v. Schiller  (Read 255852 times)

Offline sandhofer

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Die Schilderung, wie Goethe mit ein paar Begleitern von Genf her kommend, wo sie de Saussure auf seinem Landsitz besucht haben, durchs Waadtland und das Wallis über den Furkapass zum Gotthardhospiz reist, zeigt mir einen Goethe, wie ich ihn liebe. In der Schilderung der Gebirgslandschaften kann sich das Auge des Naturforschers und -beobachters mit dem des Malers verbinden und danach die sprachliche Geschmeidigkeit des malenden Schriftstellers evozieren. Er gibt selber zu, dass er da oben die Menschen beinahe vergessen hat - und das tut seinem Stil gut.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Gontscharow

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Ja, hier ist jemand: Es handelt sich um diesen hier: John Scott (January 9, 1731 – December 12, 1783), known as Scott of Amwell, was a poet and writer on the alleviation of poverty.
He was a wealthy Quaker who lived at Amwell near Ware in Hertfordshire, England...


Offline sandhofer

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Danke!
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Offline Gontscharow

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In der Schilderung der Gebirgslandschaften kann sich das Auge des Naturforschers und -beobachters mit dem des Malers verbinden und danach die sprachliche Geschmeidigkeit des malenden Schriftstellers evozieren.

O lala, schön gesagt! Ja, ich fühlte mich an die Wanderjahre erinnert und erwartete hinter jeder Wegbiegung, dass Montan auftaucht.
Neben dem Naturforscher und Landschaftsmaler Goethe ist der Soziologe nicht zu vergessen, denn er bringt, wenn ich das richtig verstanden habe, die  Misswirtschaft im  welschen Part mit der dortigen Feudalherrschaft und im Gegensatz dazu die Wohlbestelltheit des Berner Landes mit den "freien Menschen auf freiem Grund" in Verbindung …

Offline Gontscharow

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Liebe LR!

Bin die nächsten vier Wochen dann mal weg, wünsche Euch eine schöne Zeit und viele neue Erkenntnisse beim Studium der Horen.
 :ciao:

Offline Karamzin

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Hallo,

ich habe mich in diesem Forum angemeldet und würde ab Oktober beim Lesen der "Horen" 1796 dabei sein. Dabei geht es unter anderem um die "Agnes von Lilien" der Caroline von Wolzogen.

Vom 6. bis 27. September werde ich ebenfalls nicht im Lande sein.

Viele Grüße

Karamzin

Offline sandhofer

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Hallo Karamzin und willkommen!

Das ist schön. Die Horen beginnen, allmählich zäh zu werden; und ich setze auf Schillers Schwägerin noch keine grossen Hoffnungen. Bei meiner ersten Horen-Lektüre vor ein paar Jahren hat mir der Roman jedenfalls keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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Ach ja ... schöne Ferien Euch beiden. (Wenn's denn Ferien sind.)
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Offline sandhofer

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Gemil und Zoe. Gerhard Anton von Salem. Nett. Was ist eigentlich - literaturgeschichtlich gesehen - ein "Sittengemälde"?

Irgendwie scheint sich der Griechen-Wahn, der runde 20 Jahre später ausbrechen sollte, schon anzukünden.
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Offline Karamzin

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Zuerst eine kleine Korrektur des Namens: Gerhard Anton von Halem (1752-1819) war der Autor von "Gemil und Zoe", der wahrscheinlich von seinem Oldenburger Landsmann Karl Ludwig Woltmann ermuntert worden war, etwas für die "Horen" zu liefern. 1786, also lange vor Schiller, hatte Halem ein "Wallenstein"-Drama verfasst, wobei er sich zugleich als Historiker begriff. In dieser Zeit der "Fürstenbund"-Bestrebungen, in der eine dritte Kraft im Reich zwischen Preußen und Österreich etabliert werden sollte, konnte die Wallenstein-Figur beflügeln.

Wallensteinbilder im Widerstreit. Eine historische Symbolfigur in Geschichtsschreibung und Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Hrsg. von Joachim Bahlcke. Köln, Weimar, Wien 2011.


Später schrieb Halem Biographien Zar Peters des Großen und des Oldenburger Kanal- und Deichbauexperten, späteren Generalfeldmarschalls in russischen Diensten, Burchard Christoph von Münnich (1683-1767), der nach Sibirien verbannt wurde, unter Katharina II. jedoch wieder hochgeehrt am Hofe leben konnte.

Gerhard Anton von Halem bereiste das revolutionäre Frankreich in dem relativ "ruhigen" Jahr 1790. Seine Reisebeschreibung wurde von Wolfgang Griep nach 200 Jahren erneut herausgegeben:

Gerhard Anton von Halem: Blicke auf einen Theil Deutschlands, der Schweiz und Frankreichs bey einer Reise vom Jahre 1790. Nach der Ausgabe von 1791 mit den Korrekturen und Ergänzungen aus Halems Handexemplar neu herausgegeben, erläutert und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Griep und Cord Sieberns (Sammlung denkwürdiger Reisen). Edition Temmen, Bremen 1990.

In diesem Werk bezieht sich Halem, wie etwa auch die ebenfalls 1790 in Paris weilenden Reisenden Wilhelm von Wolzogen oder Nikolaj Karamzin, immer wieder auf L.-S. Mercier mit seinem "Tableau de Paris" als Referenzautor. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade dieses Werk das Vorbild für ein "Sittengemälde" abgeben konnte.

War hier übrigens auf den mehr als 40 Seiten des Threads schon auf das nützliche Buch hingewiesen worden: Günter Schulz: Schillers Horen. Politik und Erziehung. Analyse einer deutschen Zeitschrift. Heidelberg 1960?

Dort werden alle Beiträger aufgeführt, Halem auf den S. 169-171 (nach ihm Hölderlin).
« Last Edit: 01. September 2014, 16.50 Uhr by Karamzin »

Offline sandhofer

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Richtig, ja ... Salem lag so nahe ...  8)
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Offline sandhofer

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War hier übrigens auf den mehr als 40 Seiten des Threads schon auf das nützliche Buch hingewiesen worden: Günter Schulz: Schillers Horen. Politik und Erziehung. Analyse einer deutschen Zeitschrift. Heidelberg 1960?

Ich habe in meinem Hinterkopf jedenfalls nichts Derartiges abgespeichert. Aber meine Speicherkapazität lässt nach ...
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Offline sandhofer

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N° 8/1796 hat nun auch seinen Eingang ins Blog gefunden...
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Offline sandhofer

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In einer Vorbemerkung zu Benvenuto Cellini meint Goethe, dass sie nun Cellinis Bericht von seiner Reise durch die Schweiz weggelassen hätten. Schade - den ich ich aus Lokalpatriotismus vielleicht sogar gelesen ...  :teufel:
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Offline sandhofer

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Knebel durfte auch wieder mal ran. Der Aktische Sieg von Properz. Der Römer verlässt mit dieser Elegie sein angestammtes Themengebiet und wird zum augusteischen Staatsdichter: eine grosse Lobhudelei auf Augustus.
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