Zuerst eine kleine Korrektur des Namens: Gerhard Anton von Halem (1752-1819) war der Autor von "Gemil und Zoe", der wahrscheinlich von seinem Oldenburger Landsmann Karl Ludwig Woltmann ermuntert worden war, etwas für die "Horen" zu liefern. 1786, also lange vor Schiller, hatte Halem ein "Wallenstein"-Drama verfasst, wobei er sich zugleich als Historiker begriff. In dieser Zeit der "Fürstenbund"-Bestrebungen, in der eine dritte Kraft im Reich zwischen Preußen und Österreich etabliert werden sollte, konnte die Wallenstein-Figur beflügeln.
Wallensteinbilder im Widerstreit. Eine historische Symbolfigur in Geschichtsschreibung und Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Hrsg. von Joachim Bahlcke. Köln, Weimar, Wien 2011.
Später schrieb Halem Biographien Zar Peters des Großen und des Oldenburger Kanal- und Deichbauexperten, späteren Generalfeldmarschalls in russischen Diensten, Burchard Christoph von Münnich (1683-1767), der nach Sibirien verbannt wurde, unter Katharina II. jedoch wieder hochgeehrt am Hofe leben konnte.
Gerhard Anton von Halem bereiste das revolutionäre Frankreich in dem relativ "ruhigen" Jahr 1790. Seine Reisebeschreibung wurde von Wolfgang Griep nach 200 Jahren erneut herausgegeben:
Gerhard Anton von Halem: Blicke auf einen Theil Deutschlands, der Schweiz und Frankreichs bey einer Reise vom Jahre 1790. Nach der Ausgabe von 1791 mit den Korrekturen und Ergänzungen aus Halems Handexemplar neu herausgegeben, erläutert und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Griep und Cord Sieberns (Sammlung denkwürdiger Reisen). Edition Temmen, Bremen 1990.
In diesem Werk bezieht sich Halem, wie etwa auch die ebenfalls 1790 in Paris weilenden Reisenden Wilhelm von Wolzogen oder Nikolaj Karamzin, immer wieder auf L.-S. Mercier mit seinem "Tableau de Paris" als Referenzautor. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade dieses Werk das Vorbild für ein "Sittengemälde" abgeben konnte.
War hier übrigens auf den mehr als 40 Seiten des Threads schon auf das nützliche Buch hingewiesen worden: Günter Schulz: Schillers Horen. Politik und Erziehung. Analyse einer deutschen Zeitschrift. Heidelberg 1960?
Dort werden alle Beiträger aufgeführt, Halem auf den S. 169-171 (nach ihm Hölderlin).