Nach dem schwer verdaulichen plat de resistance gleich zu Anfang und anschließender leichterer Kost, einem fein gewürzten zweiten und faden dritten Gang, können wir uns nun endlich über die Voss- Woltmannschen Dessertcreationen hermachen. Ich beginne mal mit der
Dichtkunst von Johann Heinrich Voss.
Abgesehen davon, dass ich Gedichte über Dichtung so wenig mag wie Romane über Roman-Schreiben, ist dieses Stück Gedankenlyrik ohnehin für mich ungenießbar: hölzern, gedrechselt , unfreiwillig komisch:
Wer weckte Wälsch’ und Franken/Und Angeln zu Gedanken?/Des Liedes Mus’ allein. Gewiefter Versifikant? Ich weiß nicht. Der empfindsam-klassizistische Gedankengang des Gedichts: Dichtung zivilisiert, rüttelt auf (Deutschland erwache? vgl.Strophe3), hilft gegen Stände- und Klassenherrschaft etc passt natürlich hervorragend in die
Horen, den Erscheinungsort der
Ästhetischen Erziehung. Erziehung ja, aber ästhetisch? Ich würde gern wissen, was Goethe und Schiller von dem Gedicht (wirklich) hielten. Wir wissen ja nun, dass nicht alles, was in den
Horen erschien, dem Redakteur auch zusagte… Eigentlich müssten sie doch gemerkt haben, dass das ein zutiefst… plattes Gedicht ist.
