Hallo!
Ich wollte für eine erste Einschätzung auch noch das zweite Kapitel über den Tod des Vaters abwarten. Nunja, bei mir macht sie so etwas wie gediegene Langeweile breit.
Die Rahmenhandlung (nebst psychoanalytischem Ansatz) ist - glücklicherweise - zu vernachlässigen. Es werden die Aufzeichnungen Zenos präsentiert, die er während seiner Behandlung durch einen Analytiker geschrieben hat und es soll wohl - anhand beispielhafter Themengebung wie etwa der Entwöhnung vom Rauchen - ein Bild dieses blasierten Müßiggängers von Kindheit bis Alter entworfen werden.
Sympathie kann man dem etwas weinerlichen, hypochondrischen höheren Sohn kaum entgegenbringen. Seine Rauchentwöhnversuche sind paradigmatisch - und ein Freund bemerkt treffenderweise, dass es sich bei all diesen seinen kapriziösen Veranstaltungen, vom Rauchen zu lassen, mehr um den Vorsatz handelt, um das ganze Brimborium rundherum denn um den tatsächlichen Willen von diesem seinem Laster loszukommen. Das Ganze als eine Art Vorwand, um sich die Langeweile zu vertreiben.
Das eine ist nun der Inhalt, das andere seine Darstellung. Mein Vergnügen beim Lesen war eher gering, zwischen leicht amüsiert und stirnrunzelnder Kenntnisnahme etwas abstruser Geschichtchen (wie jene von der notgeilen, alkoholabhängigen Pflegerin, wobei mir diese ganze Episode mit der freiwilligen Selbsteinschließung ein bisschen sehr konstruiert erscheinen wollte).
Das zweite Kapitel besser, aber wieder zu geschwätzig, in manchem (etwa der so sinnigen Ohrfeige des sterbenden Vaters) zu aufgesetzt metaphorisch. Aber hier gibt es schon auch beeindruckende Szenen, das selbstmitleidige Gejammer des Sohnes (wenngleich wieder ein wenig zu schwatzhaft), seine mühsamen Rationalisierungen des eigenen Verhaltens, die (von Gontscharow schon erwähnte) Kommunikationsunfähigkeit, manierierte Ichbezogenheit des Sohnes vermitteln ein eingängiges Bild dieses selbstgefälligen Müßiggängers. (Als Weltliteratur im Sinne eines großen Werkes würde ich das aber keinesfalls bezeichnen, um ein solches zu schaffen hätte es m. E. vieler Kürzungen, Straffungen bedurft, allzu aufgesetzt Sinnfälliges müsste gestrichen werden.)
Insgesamt für mich ein eher durchwachsenes Lesevergnügen, bei dem bislang die Langeweile überwiegt. Schmunzeln musste ich über ein Zitat auf der Rückseite, das diesen Roman als so "vergnüglich und spannend wie kaum ein anderes Werk der Weltliteratur" bezeichnet. Was liest der Herr Sebastian Fasthuber, von dem diese Zeilen stammen, ansonsten? Novellierungen der Strafprozessordnungen, Bauverhandlungsprotokolle, Gebrauchsanleitung für Videorekorder?
lg
orzifar
der im übrigen die erwähnten Schopenhauerzitate nicht in seiner Ausgabe gefunden hat.