Hallo allerseits,
ich lese die Übersetzung von Catharina Gelpke (1984, Claassen Verlag). @anita: Zwischen "Inhaltsangaben" (die im Rahmen einer Leserunde wohl, wenn man nicht explizit Nichtmitlesende ansprechen will, tatsächlich redundant sind) und einer Analyse eines Handlungsablaufes besteht ein Unterschied. Überhaupt will sich mir (ähnlich wie mombour) eine willkürliche Beschränkung auf bestimmte Bereiche des Buches in einer Leserunde nicht erschließen. Als ob man bei der Beurteilung eines Gerichtes sich ausschließlich auf die Konsistenz des Servierten konzentrierte und sich weigerte, alles andere zur Kenntnis zu nehmen bzw. in sein Urteil einfließen zu lassen.
Ich bin bei Kapitel VII. Gelungene Stimmungsbilder, eine blasierte und dekadente Nachkriegsgesellschaft, der die bisherige Hauptfigur Clelia staunend, angewidert, verwundert gegenübersteht. Der Oberflächlichkeit dieser gehobenen Schichten setzt sie ihre eigene Biographie entgegen, sie, die kein materiell abgesichertes, höheres Töchterchen war, sich offenbar ihre Karriere als Modeschneiderin erarbeiten musste. Unausgesprochen bisher der Sinn eines solchen Unternehmens, die latenten Zweifel an einem solchen Aufstieg: Denn es führt sich in eben jene Gesellschaft, die sie nur durch Ironie und Verachtung zu ertragen vermag, ihr Erfolg scheint sie nicht glücklich zu machen, es mangelt ihr an der Fähigkeit, sich diese neu eroberte Welt schön zu lügen.
Ein Sujet, das bei Pavese häufig zu finden ist, auch in seinem eigenen Leben: Das Erreichen vermeintlich erstrebenswerter Ziele, der Erfolg stellen sich als Enttäuschung heraus, dieser Erfolg schmeckt schal, wirkt anziehend nur aus der Entfernung. Alles ist eitel, Schall und Rauch, trotz Erreichen seiner Ziele bleibt man außerhalb, vermag nicht die Augen zu verschließen vor der sich eröffnenden Sinnlosigkeit. Pavese gelingt es immer wieder (nicht nur in diesem Buch), eine ungeheuer authentische Melancholie zu erzeugen, latenten Lebensüberdruss darzustellen, ohne sich des bei anderen Autoren dümmlichen Selbstmörderpathos zu bedienen. Es bedurfte wohl nur eines Blickes ins eigene Innenleben, um diese Authentizität zu erzeugen, seine Figuren stehen im Gegensatz zum mühsam vorgestellen, meist dümmlichen Weltschmerzpersonal eines Thomas Bernhard, der da mit seinen vanitasverliebten Pseudogenies in fast jedem Buch hausieren geht. Untertitel: Wie sich Klein-Maxi das Sterben vorstellt.
Ich konnte den 10. als Lesebeginn unvorhergesehener Umstände wegen nicht einhalten, werde aber die nächsten Tage sicher zu Ende lesen können. (Es sei denn, dass der Knieriemsche Komet mich daran hindere ...)
lg
orzifar