Auch denke ich nicht, dass die weibliche Sicht aus männlicher Hand leicht wäre oder normal wäre. Mir sind da die Unterschiede im Denken einfach zu groß
off topic - in aller Kürze (und hoffentlich nicht allzu missverständlich): Genau an solchen Aussagen spießt es sich. Dies nicht nur deshalb, weil ich nun unbedingt "Recht" haben will, sondern, weil solche - vermeintlichen - Besonderheiten bei den ins Auge gefassten Gruppen schließlich zu konstruierten, meist fatal sich auswirkenden Unterschieden führen. Ich kann im Denken zwischen Männern und Frauen (Weißen und Schwarzen, Grünen und Gelben, Juden und Arabern, Türken und Deutschen - ad infinitum) meist wenig Unterschiede ausmachen - außer in einem Punkt (und gerade dadurch gleichen sie sich wieder): Im Wunsch, dass es da irgendwelche Unterschiede geben _müsse_. Das wird dann belegt mit schwammigen Begriffen wie Sozialisation, Mentalität, historischen Wurzeln und was weiß ich noch für seltsamen Begrifflichkeiten. Diese Unterschiede, die zuerst mühsam erfunden werden, dienen schließlich als Nährboden für Vorurteile jedweder Art. Wobei: Selbst _wenn_ es diese noch so wichtigen Differenzen gäbe, wären sie aus philosophischen Gründen (Induktionsproblem) irrelevant, weil eben die Tatsache, dass heute die Sonne aufgegangen ist, keine Aussage darüber zulässt, ob sie auch morgen aufgeht. Heißt für alle Katalogisierer jedweder Provenienz: Man kann nie von einer Person einer Gruppe auf eine andere schließen.
Ich persönlich habe mit Frauen und Männern Umgang und wähle diesen Umgang offensichtlich so, dass ich - vom Biologischen, Physiologischen einmal abgesehen - kaum Unterschiede feststellen kann. Es gibt dumme, arrogante, bornierte, kluge, geistreiche, gefühlvolle Individuen in jeder Gruppe. Abgesehen davon, dass, wenn eben in einer statistischen Untersuchung festgestellt würde, dass Männer im Durchschnitt wesentlich dümmer als Frauen sind, dies gleichfalls bedeutungslos wäre, weil ich nicht mit der Gaußschen Glockenkurve kommuniziere sondern mit einzelnen Individuen.
Der Blick von Pavese kann meiner Meinung nach gar nicht so objektiv gewesen sein, wenn er kurze Zeit später seinen eigenen Selbstmord begeht.

Was hat die Objektivität mit dem Selbstmord des Autors zu tun? Scheint es nicht im Gegenteil so zu sein, dass eine gewisse emotionale Vertrautheit mit dem Thema konstituierend ist für eine plausible Darstellung?
Ferner würde ich gerne von euch erfahren, wo denn der Vergleich zu Camus „Der Fremde“ zu finden ist? Ich habe das Buch noch nicht gelesen, worum geht es, wo sind die Gemeinsamkeiten? (Braucht nur eine knappe Aussage zu sein oder Stichworte, ich erwarte keinen langen Bericht, den ich aber auch mit Interesse lesen würde.)
Wieder in aller Kürze (wenn sandhofer seinen Haus- und Hofumbau früher abschließen würde, könnten wir uns dem ausführlicher widmen - aber bis 2012 wurden die Leserunden schon verschoben

): Bei Camus entsteht das Gefühl der Absurdität auch aus einem "Blick in den Spiegel", aus dem Heraustreten aus der nicht hinterfragten Rolle, dem plötzlichen Gewahrwerden eines Fremdseins, einer absurden, weil sinn-losen Existenz. Eine Absurdität, die bei ihm auf den ersten Blick zum Nihilismus, moralischen Indifferenz führt, die - wie bei Rosetta - zur Frage überleitet, ob denn das Leben überhaupt gelebt werden solle. Ob es lohnt. (Im Gegensatz zur oft vertretenen Meinung ist Camus ein Befürworter des Lebens und gelangt in seinen Schlüssen zu einer Art "quantitativen Lebensbejahung" im Sinne seines Don Juan im "Mythos von Sisyphos", später wird in "Der Mensch in der Revolte" dieser Gedanke noch differenzierter - auch in Bezug auf moralphilosophische Überlegungen - erläutert.)
Rosetta ist einer dieser "absurden" Menschen, sie erkennt diese ewig Wiederkehr des immer Gleichen, auch die anderen leiden unter dieser Sinnlosigkeit. Rosetta: "Es ist schön hier oben, nur morgen ist es schon weniger schön." Und Momina: "Es genügt zunächst ein Tag. Bringen wir den erst mal durch ...". Diese ganze blasierte Dekadenz streift die absurde Sinnlosigkeit, moralische Indifferenz; der Mensch, plötzlich nicht mehr Tag für Tag mit Überleben beschäftigt, sieht in seiner Muße sich selbst im Spiegel. Clelia, die einzig Tätige, ist am weitesten von solcher Dekadenz entfernt: Sie arbeitet. Wenngleich auch ihr die Sinnlosigkeit ihres Tuns immer wieder vor Augen tritt. Wie auch alle, die hier lesen und schreiben, so weit von Rosetta und Monima nicht entfernt sind: Zumindest sind wir diesem Völkchen sehr viel näher als die meisten anderen auf dem Globus. Es ist exklusives Wohlstandsrecht, in dieser Form über andere und sich selbst zu räsonieren.
Also sandhofer, fertig arbeiten und dann blasiert über den Sinn des Ganzen nachdenken nebst mehreren Leserunden zu Camus

lg
orzifar