Leonard Nelson hat in seinem Titel zu einer Kritik von Spenglers "Untergang des Abendlandes" es mehr als treffend ausgedrückt: "Spuk. Einweihung in das Geheimnis der Wahrsagekunst Oswald Spenglers und sonnenklarer Beweis der Unwiderleglichkeit seiner Weissagungen nebst Beiträgen zur Physiognomik des Zeitgeistes. Eine Pfingstgabe für alle Adepten des metaphysischen Schauens."
Spengler hatte in jener Zeit, als man meinte, auch der Geschichte mit naturwissenschaftlichen Instrumentarium auf die Spur kommen zu können, recht große Resonanz (und der Einfluss von Nietzsches ewiger Wiederkehr ist evident), aber im Grunde ist er die zweite, intellektuell angereicherte Brennstufe des Nostradamus.
Mit Friedell und seinen mirakulös-metaphysischen Anwandlungen konnte ich auch nicht viel anfangen. Das ist zwar manchmal witzig, originell und treffend, den guten Ruf, den er in manchen Kreisen besitzt, kann ich nicht nachvollziehen. (Manchmal habe ich den Verdacht, dass dieser Ruf auf der Unkenntnis des Autors beruht, man von ihm einige Aussprüche kennt und vom Teilchen aufs Ganze schließt.) Allerdings ist seine Lektüre bei mir schon ewig her.
Toynbee wäre schon interessanter, aber Kultur- bzw. Geschichtstheorie sind halt immer ein wenig krude. Meist bleibt nur die Entscheidung, ob man während der chiliastischen Periode Weihwasser trinkt, proletarisches, mit ein wenig Weltgeist versetztes Bier oder sich mit einer neuen prophetischen Geschmacksrichtung eines Autors begnügen muss.