Über den gerade zwanzigjährigen Alexander von Humboldt hatte ich in den letzten Jahren mehrfach in der Hand:
Tagebuch einer Reise mit Alexander von Humboldt durch Hessen, die Pfalz, längs des Rheins und durch Westfalen im Herbst 1789 / Steven Jan van Geuns *1767-1795*. Hrsg. von Bernd Kölbel ...
Berlin 2007. 587 S. Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung : Schriftenreihe der Alexander-von-Humboldt-Forschungsstelle. 26
Dabei hat mich interessiert, wen er alles getroffen hat. Es sind auch Beiträge zur Basalt-Diskussion enthalten, an der sich Goethe später beteiligte.
Was Wilhelm von Humboldt betrifft, so habe ich mir jetzt die neue Edition seiner Jugendbriefe von 1781 bis 1791 zu Gemüte geführt.
Briefe : historisch-kritische Ausgabe / Wilhelm von Humboldt. Hrsg. und kommentiert von Philip Mattson
Abt. 1: Briefe bis zum Beginn der diplomatischen Laufbahn 1781 - 1802
Bd. 1: 1781 - Juni 1791
Berlin : De Gruyter ; Berlin : Akad. Verl., 2015.
Mit dieser Ausgabe kann man anknüpfen an die Lektüre von Wilhelm v. Humboldts Tagebüchern, 1788-1798, herausgegeben mitten im Ersten Weltkrieg von A. Leitzmann, Berlin 1916.
Beim Werben um Karoline von Dacheröden hat er Karl, den Sohn der Sophie La Roche, als aussichtsreichsten Mitbewerber ausgespannt. Humboldts künftige Braut tat sich mit Karoline von Beulwitz ("Agnes von Lilien") zusammen, um die Satzungen des Berliner schwärmerischen Bundes um Henriette Herz und Karl von La Roche wirkungslos werden zu lassen, allen Mitgliedern über jegliche Herzensregung zu berichten, um so mit Wilhelm ungestört in Kontakt treten zu können.
Ein schöner Vorwand Humboldts, dem künftigen Schwiegervater, unserem Erfurter Kammerpräsidenten von Dacheröden, der im übrigen die Eltern der Brüder Humboldt gut kannte, auf eine harmlos wirkende Weise (die Männer gehen sachorientiert vor) vorgestellt zu werden:
in Burgörner, in der Nähe des Guts der Dacherödens, war eine funktionsfähige Dampfmaschine zu besichtigen. Das wirkte, Dacheröden war einverstanden, obwohl die Humboldts nicht ganz so gut bei Kasse waren und Wilhelm in den Staatsdienst treten musste, um die junge Familie ernähren zu können.
Aufschlussreich auch die Mitteilungen Wilhelms über das revolutionäre Paris im August 1789, wo ihn als Philantropen eher die Gefängnisse und Waisenhäuser interessierten, als die Stätten, wo es politisch hoch her ging. Man kann sie gut den enthusiastischen Schilderungen seines Lehrers Campe gegenüberstellen, der mit ihm reiste, von dem sich Wilhelm aber zunehmend abzusetzen versuchte.
Ein Jahr später war es in Paris schon viel entspannter, die Bürger begannen sich unter den neuen Bedingungen einzurichten, und die politischen Auseinandersetzungen wurden dann durch Applaudieren in Oper und Theater ausgetragen - das wird dann von Gerhard Anton von Halem (Neuausgabe 1990) und Nikolaj Karamzin geschildert.