Ich kann mich an kein schlechtes Buch Doderers erinnern (und jetzt, wo du es erwähnst: Das ist tatsächlich selten). Die Merowinger sind als Einstieg nur für routinierte Leser zu empfehlen (also für dich

), gehören aber sicher zu den geistreichsten, witzigsten Büchern der Literaturgeschichte. Das einzige Problem, das ich mit Doderer hatte, rührt von der Tatsache her, dass er eine Romantheorie entworfen und sein Schreiben entsprechend - teilweise - nachgestaltet hat. Das ergibt dann ein wenig seltsame Handlungsverläufe; allerdings ist Doderer ein so guter Schriftsteller, dass ihn selbst die dümmste Theorie daran nicht hindern konnte.
Die erleuchteten Fenster - Die Strudlhofstiege - Die Dämonen - lassen sich als Trilogie lesen. Doderer gehört zu jenen, die bestimmte Charaktere immer wieder auftreten lassen, so wird mit allenthalben mit dem alter ego, dem Sektionsrat Geyrenhoff, konfrontiert. Für jemanden, der sich für das Wien der Jahrhundertwende interessiert, ist Doderer unerlässlich: Es gibt m. E. keine bessere Darstellung dieser Zeit.
lg
orzifar