Author Topic: Lespläne orzifar  (Read 164453 times)

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #105 on: 20. September 2010, 23.48 Uhr »
Außer der Schmarrn steht wegen bereits anderer gelesener Werke des Autors völlig außer Zweifel. Was nun bei Lem nicht der Fall ist. Deshalb meine Zurückhaltung.

Nach drei theoretischen Werken von Lem bin ich da weniger zurückhaltend. Um eine Diskussion des Klassikerforums hier sinngemäss einzubringen: Lem ist ein guter Schriftsteller, aber - vorsichtig ausgedrückt - kein so guter Theoretiker. Das ist ja keine Schande; das geschieht den besten.

Schon klar. Wobei mir gerade die von dir benasenrümpfte Idee eines Vergleichs von Bioevolution mit technischer Entwicklung gut gefiel. Ich halte diese Idee immer noch für originell, Bionik und Robotik nehmen Anleihen an der großen Schwester. Inwieweit es je eine Art Eigendynamik der vom Menschen eingeleiteten (und vom Menschen noch für sehr lange Zeit abhängigen) Entwicklung geben wird, steht in den Sternen. Aber Vergleiche halte ich auch zum jetztigen Zeitpunkt für fruchtbar (oder witzig, wie Lem etwa auf die überflüssigen Accessoires bei Autos hingewiesen hat und deren der Fortpflanzung, aber keinem pragmatischen Zweck dienenden Funktion.)

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #106 on: 03. Oktober 2010, 01.49 Uhr »
Wer vielleicht rasch noch mitlesen will: Ich habe (wegen ständigen Ortswechsels) die Regel- und Hauptlektüre am anderen Ort vergessen und spontan ein Wiederlesen eingeleitet: Jack Kerouac: Unterwegs (On the road).

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #107 on: 03. Oktober 2010, 06.43 Uhr »
Muss passen. Ich hab's zwar hier stehen, will's auch irgendwann mal wieder lesen - aber aktuell komme ich nicht dazu.  :hi:

Edit: Ich habe gerade beim Wiederdurchlesen festgestellt, dass der erste Satz oben zweideutig ist, mangels subjektivem Personalpronomen. Gemeint war: "Ich muss passen", nicht etwa "Es muss passen".
« Last Edit: 03. Oktober 2010, 08.50 Uhr by sandhofer »
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #108 on: 03. Oktober 2010, 14.10 Uhr »
Schade. Beim Lesen deines "passen" war der Wunsch der Vater des Gedanken und ich dachte tatsächlich, du würdest mitlesen. Und wir würden Insiderberichte über den Platzspitz erfahren nebst Drogenexzessen ;). Obwohl: Platzspitz war wohl nach deiner wilden Zeit  ;D

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #109 on: 03. Oktober 2010, 20.56 Uhr »
Ich würd' ja gern - aber ich krieg's wirklich nicht gebacken. Und ja: Platzspitz war bereits eine Generation nach mir. (Und in jenem Alter sind 5 Jahre eine Generation. So ist Kerouac mindestens 2 Generationen vor mir ...)
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #110 on: 18. November 2010, 18.04 Uhr »
Ich möchte meinem ungeliebten Martin Walser noch eine (letzte) Chance geben. Hat irgendwer Lust auf "Tod eines Kritikers"?

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #111 on: 18. November 2010, 18.08 Uhr »
Wenn Du Walser tatsächlich noch eine Chance geben willst, dann lies nicht dieses Buch.

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #112 on: 18. November 2010, 18.47 Uhr »
Hmmmm ... nun ist's eigentlich zu spät. Was an diesem Buch war das Schreckliche - oder: Worin unterscheidet es sich von seinen anderen Büchern? Bei mir hat sich bezüglich Walser ein Eindruck ständig wiederholt: Dass da einer zwar schreiben kann, aber überhaupt nichts zu sagen hat. Einhorn, Schwanenhaus ... weiß nicht was, vollkommen geschmack- und geruchlos. Erinnert mich an eine Einladung zum Essen vor nicht allzu langer Zeit: Man servierte eine indifferente, homogene Masse, die den Eindruck eines beißfähigen Wettex-Tuches machte. (War - so nebenbei bemerkt - Tofu, und wurde von den Mitessern (unausdrückbar) als hervorragend gepriesen, wodurch ich mir der offenkundigen Abwesenheit überall sonst vorhandener Geschmacksknospen bewusst wurde. Oder aber auch meine christliche Erziehung zum Ausdruck kam, die sich da einiger Artikel frisch vom Berge Sinai von wegen Falschaussagen erinnerte).

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #113 on: 18. November 2010, 20.19 Uhr »
Hmmmm ... nun ist's eigentlich zu spät.

Du willst sagen, Du hast das in 40 Minuten ...?  :o

Tod eines Kritikers fand ich persönlich, um ehrlich zu sein, besser als vieles, was Walser vorher geliefert hat. In gewissem Sinne - v.a. bei der Schilderung der ach-so-mondänen Schickeria-Parties mit zugelaufenen Kulturfritzen hat er ja das Thema seiner Ehen in Phillipsburg wieder aufgenommen. Allerdings ist der Schluss des Tods eher verquast. Walser ist nicht so ganz mein Mann, aber z.B. Schneider oder Süskind jr. finde ich schlimmer. Um weder jenen Brasilianer noch jenen Calwinisten zu nennen ...
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Offline Anna

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #114 on: 19. November 2010, 11.48 Uhr »
Walser ist nicht so ganz mein Mann, aber z.B. Schneider oder Süskind jr. finde ich schlimmer. Um weder jenen Brasilianer noch jenen Calwinisten zu nennen ...

Also wirklich, sandhofer, in solcher Gesellschaft ist Walser natürlich der Einäugige unter den Blinden. ;D

Hmmmm ... nun ist's eigentlich zu spät. Was an diesem Buch war das Schreckliche - oder: Worin unterscheidet es sich von seinen anderen Büchern?

Hast Du das Buch etwa schon gekauft?  :o

Die Lektüre vom „Tod eines Kritikers“ liegt schon länger zurück und war nicht so anregend, dass ich sie groß im Gedächtnis behalten hätte, aber Schreckliches war an dem Buch nichts, soweit ich mich erinnere. Es lässt sich leicht lesen, ist stellenweise ganz amüsant und sicher unterhaltsamer als manch anderer Roman von Walser, wozu nicht viel gehört. Wirklich gut unterhalten hat es mich nicht. Schon beim Lesen erschien es mir zunehmend belangloser. Walser will mit dem Literatur- und Medienbetrieb abrechnen, wobei ihn deutlich auch Rachegelüste antreiben, vor allem was die Zunft der Kritiker betrifft. Unter diesen Voraussetzungen und mit der nötigen Souveränität hätte aus dem Roman eine bissige Satire werden können voll boshaften Witzes und den scharfsinnigen Beobachtungen eines Insiders. Stattdessen findet man doch nur wieder den alten, langweiligen Kram über die Eitelkeiten der Literaturbranche. Streckenweise ist der Text auch von etwas betulicher Intellektualität mit einer oft bemüht wirkenden Ironie und Sätzen, denen man anmerkt, wie Walser an ihnen herumgefeilt hat, um sie schön verschachtelt hinzukriegen. Worin sich dieses Buch von seinen anderen unterscheidet, kann ich nicht sagen, Ich habe erst zwei Romane von Walser gelesen, „Ehen in Philippsburg“ und das „Einhorn“, wenn ich mich recht erinnere, aber das ist schon lange her. Wie Du schreibst, hat der Autor nichts zu sagen, mir jedenfalls nicht. Seine Texte haben mich bis jetzt nicht gereizt oder in irgendeiner Weise neugierig gemacht. Aber irgendwo fliegt bei mir noch „Halbzeit“ herum. Vielleicht werde ich mich nächstes Jahr mal dran wagen. Außerdem habe ich „Ein liebender Mann“ ins Auge gefasst. Soweit ich gehört habe, soll es so schlecht nicht sein.

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« Last Edit: 19. November 2010, 14.23 Uhr by Anna »
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #115 on: 20. November 2010, 19.35 Uhr »
Hast Du das Buch etwa schon gekauft?  :o

Gebraucht - ja. Im Vergleich zu den von Sandhofer Genannten ist Walser wohl ein anderes Kaliber, wenngleich - wie anderswo erwähnt - Schneider (und Süskind) mehr-weniger der (meiner) Vergessenheit anheim gefallen sind.

Unsere Einschätzung Walsers scheint sich zu ähneln: Aufgepeppte Eintönigkeit, auch der Typus Schriftsteller, der, nicht wissend was schreiben, über das Nichtwissen des Schreibens schreibt. Dazu kommt dann ein Gran Gesellschaftskritik, um die quasi-intellektuelle Zuckergusslangeweile zu übertünchen. Na, mal sehen ... Ich halte euch über meinen Unwillen auf dem Laufenden ;).

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #116 on: 21. November 2010, 10.22 Uhr »

Bei mir hat sich bezüglich Walser ein Eindruck ständig wiederholt: Dass da einer zwar schreiben kann, aber überhaupt nichts zu sagen hat. Einhorn, Schwanenhaus ... weiß nicht was, vollkommen geschmack- und geruchlos.

Das trifft ziemlich genau meine Leseerfahrung mit Martin Walser. Selbst das hochgelobte "Erinnerungsbuch" Ein springender Brunnen (eigentlich mag ich das Genre ja) fand ich langweilig.
Brandung, ein an Homo faber und Montauk erinnerndes Werk aus den 80ern, war einigermaßen witzig und unterhaltsam. Was mir von M. Walser richtig gut gefallen hat: Meßmers Reisen, eine lockere Ansammlung von Aphorismen und Miniaturen.

Tod eines Kritikers habe ich nie gelesen. Schön, dass du das für uns erledigst!

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #117 on: 03. Januar 2011, 21.02 Uhr »
Nachdem ich über Mathematikbücher auf Terry Pratchett gestoßen bin (wenngleich ich befürchte, diese Anfrage im falschen Forum zu stellen): Kennt jemand etwas von ihm (etwa die Scheibenwelt-Romane) und sind diese lesbar??

Lesepläne oder vielleicht besser -ideen: Kants "Träume eines Geistersehers", Leibniz: Monadologie, Auguste Comte: Rede über den Geist des Positivismus, Locke: Einige Gedanke über die Erziehung, Russels Philosophiegeschichte und immer noch auf der Warteliste Camus. Belletristik: Vielleicht Fritz Zorn, der schon erwähnte Walser (allerdings bin ich über den allerersten Satz gestolpert und habe das Buch wieder weggelegt, das klang fürchterlich manieriert), Dostojewskis Aufzeichnungen aus einem toten Haus (denn nach der Lektüre seines "Idioten" glaube ich nicht mehr, diese tiefen (und doch so flachen) russischen Seelen zu ertragen). Derzeit übrigens Luigi Malerba: Die Entdeckung des Alphabets, eine Geschichtensammlung, die mir bislang sehr gut gefällt.

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #118 on: 03. Januar 2011, 21.12 Uhr »
Hallo

Ich weiss, das Pratchett eine ungeheure Fan-Gemeinde hat. Man scheint ihn zu mögen - oder eben nicht. Was im Prinzip eher für als gegen ihn spricht, wie ich finde. Habe allerdings noch nie etwas von ihm gelesen, und verspüre auch keinen diesbezüglichen Drang.

Kant ... das war gegen (oder für?) Swedenborg gerichtet, wenn ich mich recht erinnere. Swedenborg war allerdings m.M.n. der Beachtung durch Kant keineswegs wert ...

Philosophisches: Da hängt ja der Russell immer noch in der Luft. Für Abstrakteres fühle ich mich im Moment nicht in der Lage. Russisches liegt im Moment weit von meinem Weg ab. Zorn hängt auch noch irgendwo, wenn ich mich recht erinnere, ja.

Grüsse

sandhofer
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #119 on: 03. Januar 2011, 22.23 Uhr »
Ich weiss, das Pratchett eine ungeheure Fan-Gemeinde hat. Man scheint ihn zu mögen - oder eben nicht. Was im Prinzip eher für als gegen ihn spricht, wie ich finde. Habe allerdings noch nie etwas von ihm gelesen, und verspüre auch keinen diesbezüglichen Drang.

Es gibt ja einen berühmten Klassiker - Flacherland, ein theoretisches Gedankenspiel mit den Dimensionen, das sehr lesbar ist. Ich nehme an, dass sich Pratchett daran orientiert hat. Na mal sehen, werd mir mal einen Band ausborgen und dann berichten.

Kant ... das war gegen (oder für?) Swedenborg gerichtet, wenn ich mich recht erinnere. Swedenborg war allerdings m.M.n. der Beachtung durch Kant keineswegs wert ...

Gegen Swedenborg, so viel Einfalt sollte man Kant nicht unterstellen ;). Dass der es nicht wert war, stimmt natürlich: Aber es soll recht amüsant zu lesen sein. Ist auch nur ein dünnes Büchlein, ich habe eine Reclamausgabe von vor über 100 Jahren.

Philosophisches: Da hängt ja der Russell immer noch in der Luft. Für Abstrakteres fühle ich mich im Moment nicht in der Lage. Russisches liegt im Moment weit von meinem Weg ab. Zorn hängt auch noch irgendwo, wenn ich mich recht erinnere, ja.

Na, dann lasset uns beginnen mit Russel. Wir können ja ein Langzeitprojekt daraus machen mit Ausflügen (wie mombour schon vorschlug) in die Originalliteratur. Vielleicht hat noch jemand Lust und Liebe ...

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