Man wird von Fall zu Fall entscheiden müssen. Russel geht es in diesem Werk um die Philosophie als Resultat politischer, sozialer, historischer Umstände und deren Einfluss. Es ist keine Philosophiegeschichte in der Form, dass er die einzelnen Philosophen vorstellen würde, ihre Ideen etc., sondern letztere im sozialen Kontext zu interpretieren versucht. Insofern bedarf es einer gewissen (wenn auch kleinen) Grundkenntnis des Werkes mancher Philosophen.
Am Ausdruck "richtig einsteigen" stoße ich mich

. Jeder Einstieg ist richtig, aber keinesfalls ist ein solcher ausschließlich über die Lektüre der Originalwerke möglich (und es gibt Philosophen, die auch ohne Schelling - bei Russel zweimal - oder Schleiermacher - bei Russel keinmal erwähnt - Großes geleistet haben). Bei dir klingt das "richtig" nach einem verzweifelt sich mit dem Gesamtwerk Kants oder Hegels Mühenden, der Wochen und Monate über schwer verständlichen Ausdrücken brütet. Manches wird man im Original lesen, manches in einer Zusammenfassung und Gesamtschau - und sukzessive erhält man ein sich da und dort zusammenfügendes Bild. Das ist in der Geschichte ähnlich, auch in der Literatur: Nach einiger Zeit der Beschäftigung tun sich überraschende Zusammenhänge auf, manche zuvor weiße Flecken auf der Landkarte verschwinden, zeigen ein - oft noch unklares - Bild, manches aber bleibt für immer unerforscht. Und das Wissen um die zahlreichen unerforschten Gegenden sollte dann Bescheidenheit lehren.
Für mich hat dieses "richtig einsteigen" den Geruch des Quälens mit weitgehend unverständlichen Texten, mit ebenso abgehobener akademischer Sekundärliteratur (von Akademikern für Akademiker), die oft gar nichts zu sagen hat, dies aber umso beredter tut. Auf welche Weise man sich philosophischen Ideen nähert, ist nirgendwo vorgeschrieben. Allerdings bedeutet dies nicht, dass man alles und jedes auf seine Weise interpretieren kann, dann wird man doch die Originale heranziehen und diese seine Interpretation belegen müssen.
Wir können uns ja mal Vorwort, Einführung und Vorsokratiker zur Brust nehmen.
lg
orzifar