Author Topic: Lespläne orzifar  (Read 164455 times)

Offline mombour

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #90 on: 23. Juli 2010, 17.10 Uhr »
Eine Lektüre von Russells Philosophiegeschichte würde aber m.M.n. bedingen, dass man die besprochenen Primärtexte zumindest auszugsweise ebenfalls liest. Das könnte zu einem längern Projekt auswachsen ...

Tja, längeres Projekt, hm. Du hast natürlich recht: Wenn man in die Philosophie richtig einsteigen will, muss man die Primärtexte kennen. Nun ist es aber so, die Herren Philosophen, jedenfalls viele von ihnen, z.B. Kant, Hegel, Heidegger, scheinen nicht fürs Volk zu schreiben, jedenfalls nicht für mein Lesehirn, dass ich diese Texte verstandesgemäß verdauen könnte, darum ich doch lieber in schöngeistiger Belletristik flaniere. Alles kann ich nicht lesen, muss ich auch nicht. Bei manchen Philosophen, auch wenn Schelling interessant ist, würde ich lesetechnisch voll gegen die Wand laufen. Denn Russel aber gerne - und dann mal sehen...

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mombour
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #91 on: 23. Juli 2010, 18.25 Uhr »
Man wird von Fall zu Fall entscheiden müssen. Russel geht es in diesem Werk um die Philosophie als Resultat politischer, sozialer, historischer Umstände und deren Einfluss. Es ist keine Philosophiegeschichte in der Form, dass er die einzelnen Philosophen vorstellen würde, ihre Ideen etc., sondern letztere im sozialen Kontext zu interpretieren versucht. Insofern bedarf es einer gewissen (wenn auch kleinen) Grundkenntnis des Werkes mancher Philosophen.

Am Ausdruck "richtig einsteigen" stoße ich mich ;). Jeder Einstieg ist richtig, aber keinesfalls ist ein solcher ausschließlich über die Lektüre der Originalwerke möglich (und es gibt Philosophen, die auch ohne Schelling - bei Russel zweimal - oder Schleiermacher - bei Russel keinmal erwähnt - Großes geleistet haben). Bei dir klingt das "richtig" nach einem verzweifelt sich mit dem Gesamtwerk Kants oder Hegels Mühenden, der Wochen und Monate über schwer verständlichen Ausdrücken brütet. Manches wird man im Original lesen, manches in einer Zusammenfassung und Gesamtschau - und sukzessive erhält man ein sich da und dort zusammenfügendes Bild. Das ist in der Geschichte ähnlich, auch in der Literatur: Nach einiger Zeit der Beschäftigung tun sich überraschende Zusammenhänge auf, manche zuvor weiße Flecken auf der Landkarte verschwinden, zeigen ein - oft noch unklares - Bild, manches aber bleibt für immer unerforscht. Und das Wissen um die zahlreichen unerforschten Gegenden sollte dann Bescheidenheit lehren.

Für mich hat dieses "richtig einsteigen" den Geruch des Quälens mit weitgehend unverständlichen Texten, mit ebenso abgehobener akademischer Sekundärliteratur (von Akademikern für Akademiker), die oft gar nichts zu sagen hat, dies aber umso beredter tut. Auf welche Weise man sich philosophischen Ideen nähert, ist nirgendwo vorgeschrieben. Allerdings bedeutet dies nicht, dass man alles und jedes auf seine Weise interpretieren kann, dann wird man doch die Originale heranziehen und diese seine Interpretation belegen müssen.

Wir können uns ja mal Vorwort, Einführung und Vorsokratiker zur Brust nehmen.

lg

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Offline sandhofer

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #92 on: 23. Juli 2010, 20.44 Uhr »
Vorsokratiker

Dabei fällt mir jenes andere Lästermaul der Philosophiegeschichte1) ein: Diogenes Laertios. Wie wär's mit dem?

1) Na ja -eigentlich repräsentiert er unter den Philosophiehistorikern eher die Neue Bunte Quick-Illustrierte. Oder die Kronenzeitung ...  ;D
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Offline orzifar

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #93 on: 24. Juli 2010, 00.09 Uhr »
Dabei fällt mir jenes andere Lästermaul der Philosophiegeschichte1) ein: Diogenes Laertios. Wie wär's mit dem?

1) Na ja -eigentlich repräsentiert er unter den Philosophiehistorikern eher die Neue Bunte Quick-Illustrierte. Oder die Kronenzeitung ...  ;D

Der liegt bei mir ständig griffbereit. Doxographischer Tratsch vom Feinsten. Mag ich ;). Meinetwegen gerne. Ob er sich allerdings für eine Leserunde eignet?

lg

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #94 on: 29. Juli 2010, 15.17 Uhr »
Bei dir klingt das "richtig" nach einem verzweifelt sich mit dem Gesamtwerk Kants oder Hegels Mühenden, der Wochen und Monate über schwer verständlichen Ausdrücken brütet.

Für mich hat dieses "richtig einsteigen" den Geruch des Quälens mit weitgehend unverständlichen Texten, mit ebenso abgehobener akademischer Sekundärliteratur (von Akademikern für Akademiker), die oft gar nichts zu sagen hat, dies aber umso beredter tut. Auf welche Weise man sich philosophischen Ideen nähert, ist nirgendwo vorgeschrieben. Allerdings bedeutet dies nicht, dass man alles und jedes auf seine Weise interpretieren kann, dann wird man doch die Originale heranziehen und diese seine Interpretation belegen müssen.

Platon habe ich gelesen, etwas auch auf altgriechisch. Aber Kant lesen, die Kritiken, oder Hegel ....nein Danke, da biegt sich mein Hirn. Eine Qual. So ist das nun mal.
Niemand wird mir erzählen können, dass dieses leichte Schmöker sind (war jetzt nur Spaß ;D ) Philosophie ist nicht einfach.

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mombour
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #95 on: 05. September 2010, 00.41 Uhr »
Nach dem vorläufigen Beiseitelegen der Philosophie des Zufalls bleiben:

David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (sehr gerne)
John Brockman: Die dritte Kultur (unsicher)

dazu:

Hans Erich Nossack: Der Fall d'Arthez
Edgar Hilsenrath: Der Nazi & der Friseur, Jossel Wassermanns Heimkehr

Dann werd ich mich doch mal an einen Dawkins machen: Das egoistische Gen oder Der blinde Uhrmacher

Noch am Lesen beim Gigerenzer (Das Einmaleins der Skepsis) und Taschner (Das Unendliche), außerdem "Das Ziegenproblem" (Gero von Randow) angefangen (aber ich fürchte, dass mit diesen Mathe-Büchern - im weitesten Sinn - ohnehin allein bleib).

Russel und Camus bleiben weiterhin Optionen.

lg

orzifar

@sandhofer: Hast du "Die unsichtbare Loge" grade eben begonnen?
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Offline sandhofer

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #96 on: 05. September 2010, 07.26 Uhr »
@sandhofer: Hast du "Die unsichtbare Loge" grade eben begonnen?

Ja. Ich bin irgendwo im 6. Kapitel. (Das allerdings bei Jean Paul natürlich ganz anders heisst.) Gemäss Jean Paul ist nun sein prospektiver Held gerade zur Welt gekommen und hat mal - ein herrenhuterisch-pädagogisches Experiment - 8 Jahre in einer unterirdischen Höhle nur mit einem (namenlosen) Erzieher zusammen verbracht.

Hume, Russell, Camus - warum nicht? Von Humes Text habe ich hier ein älteres kleines Reclam-Heftchen.
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #97 on: 06. September 2010, 00.12 Uhr »

Dann werd ich mich doch mal an einen Dawkins machen: Das egoistische Gen oder Der blinde Uhrmacher


Deine Meinung zum blinden Uhrmacher interessiert mich natürlich sehr, weil ich das Buch auch gelesen habe. Ich habe irgendwo gelesen, dass die Theorie des egoistischen Gens nicht mehr up to date ist, sonst hätte ich das Buch gelesen.  Mir schwebt dagegen vor, einen Verfechter von Darwin zu lesen (Ulrich Kutschera: "Tatsache Evolution") und ein Buch über Epigenetik (Peter Spork: "Der zweite Code: Epigenetik - oder Wie wir unser Erbgut steuern können"

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #98 on: 20. September 2010, 09.57 Uhr »
David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (sehr gerne)

Meinst Du, wir finden dieses Jahr noch einen Termin dafür?
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #99 on: 20. September 2010, 12.33 Uhr »
David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand (sehr gerne)

Meinst Du, wir finden dieses Jahr noch einen Termin dafür?

Schaffen wir. Wann hättest du Zeit? (Wenn ich allerdings deine Lesegeschwindigkeit bei der "Philosophie des Zufalls" und der "Phantastik und Futurologie" bedenke, dann habe ich erhebliche Zweifel, ob wir gemeinsam ins Ziel gelangen. Ich brauch für diese Art Bücher offenbar wesentlich länger.

Prinzipiell also jederzeit. Der Nossack geht nebenher, den Hilsenrath werde ich (sofern er nicht zusehr langweilt) noch vorher auslesen.

lg

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #100 on: 20. September 2010, 13.32 Uhr »
Zeit? Ab nächster Woche.

Zu Lem: Irgendwann habe ich angefangen, vieles nur noch quer zu lesen. Das sollte bei Hume nicht passieren.
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #101 on: 20. September 2010, 14.09 Uhr »
Zeit? Ab nächster Woche.

Einverstanden!

Zu Lem: Irgendwann habe ich angefangen, vieles nur noch quer zu lesen. Das sollte bei Hume nicht passieren.

Das beruhigt mich. Ich bin kein Querleser, um genau das zu verhindern, habe ich bei der "Philosophie des Zufalls" aufgegeben. Ich befürchte ansonsten, dem Buch vielleicht Unrecht zu tun.

lg

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #102 on: 20. September 2010, 16.42 Uhr »
Ich bin kein Querleser, um genau das zu verhindern, habe ich bei der "Philosophie des Zufalls" aufgegeben. Ich befürchte ansonsten, dem Buch vielleicht Unrecht zu tun.

Bei mir ist es genau umgekehrt: Ich befürchte, dem Buch Unrecht zu tun, wenn ich ihm nicht noch die Chance gebe, durch Querlesen seine eventuellen Perlen doch noch vorzeigen zu können.  ;)
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Re:Lespläne orzifar
« Reply #103 on: 20. September 2010, 17.25 Uhr »
Bei mir ist es genau umgekehrt: Ich befürchte, dem Buch Unrecht zu tun, wenn ich ihm nicht noch die Chance gebe, durch Querlesen seine eventuellen Perlen doch noch vorzeigen zu können.  ;)

Ich muss präzisieren: Es sind ja meist zweifelhafte Bücher, die man querzulesen beginnt. Wenn ich mich nun abfällig über diese Werke äußere, aber einiges übersprungen habe, befürchte, ich dem Buch Unrecht zu tun. Außer der Schmarrn steht wegen bereits anderer gelesener Werke des Autors völlig außer Zweifel. Was nun bei Lem nicht der Fall ist. Deshalb meine Zurückhaltung.

lg

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Re:Lespläne orzifar
« Reply #104 on: 20. September 2010, 23.15 Uhr »
Außer der Schmarrn steht wegen bereits anderer gelesener Werke des Autors völlig außer Zweifel. Was nun bei Lem nicht der Fall ist. Deshalb meine Zurückhaltung.

Nach drei theoretischen Werken von Lem bin ich da weniger zurückhaltend. Um eine Diskussion des Klassikerforums hier sinngemäss einzubringen: Lem ist ein guter Schriftsteller, aber - vorsichtig ausgedrückt - kein so guter Theoretiker. Das ist ja keine Schande; das geschieht den besten.
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