Author Topic: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer  (Read 5309 times)

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Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« on: 25. Januar 2015, 13.47 Uhr »
Hallo zusammen!

Heute nun mit Jahnns Opus magnum begonnen. Teil 1: Das Holzschiff. Was auffällt: Jahnns äusserst gepflegte, schon für die damalige Zeit (1949) viel zu gepflegte und altmodisch wirkende Sprache. Er wird im Gegensatz zu Niebelschütz aber nie marinieriert. Inhaltlich gemahnt Das Holzschiff mit seinen merkwürdigen Geheimgängen und seinen undurchschaubaren Personen an Kafkas Schloß. Allerdings ist er "gruseliger" als Kafka, insofern also eher an Poe und v.a. an Lovecraft erinnernd. Skurril, bizarr.

Ich glaube, ich mag ihn.

Grüsse

sandhofer
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #1 on: 31. Januar 2015, 07.33 Uhr »
Faszinierend... - wie mein Lieblings-Alien sagen würde: Der Erste Teil nun auch im Blog.
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #2 on: 01. Februar 2015, 15.31 Uhr »
Der zweite Teil fängt dann ganz anders an. In der Ich-Form erzählt, nicht mehr auktorial; und, sobald man an Land ist, klingt das Ganze auch sehr realistisch, auch wenn wir uns zuerst im fernen Südamerika aufhalten. Das heisst: Eigentlich ist es so, dass der Ich-Erzähler (der Verlobte Gustav aus dem ersten Teil) in Blättern von seinen Erlebnissen nach dem Schiffbruch erzählt. Erlebnisse, die er mit Tutein, einem ehemaligen Matrosen des untergegangenen Segelschiffs, teilt. Homoerotische Liebesgeschichte, und immer wieder Exzesse von Gewalt - starker Tobak für die Entstehungs- bzw. Veröffentlichungszeit 1949/50.
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #3 on: 02. Februar 2015, 20.20 Uhr »
Je mehr sich die Protagonisten dem Norden (Norwegen) nähern, umso archaischer wird die Grundhaltung von Autor und Protagonisten. In Norwegen selber allerdings schwenkt dies plötzlich um, als Gustav die Musik, das Komponieren, für sich entdeckt.
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #4 on: 03. Februar 2015, 19.37 Uhr »
Ja, tatsächlich. Nachdem Gustav die Musik, das Komponieren, für sich entdeckt hat, wird das Archaische von Land und Leuten in den Hintergrund gerückt...
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #5 on: 05. Februar 2015, 19.25 Uhr »
Irgendjemand hat Teil 2 mal als "Largo larghissimo" bezeichnet. Ich glaube, er hatte Recht.
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #6 on: 06. Februar 2015, 16.45 Uhr »
Largo. Und Archaismus pur. Die Psychologie von Jahnns Figuren ist noch Prä-Freud'sch. Eigentlich nicht-existent, wenn man davon absieht, dass Sex, Schmerz und Tod zu den Alltagserfahrungen seiner Protagonistne gehören. Die beiden Hauptdarsteller kommen mir ein bisschen vor wie Gilgamesch und Enkidu im 20. Jahrhundert...
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #7 on: 08. Februar 2015, 14.00 Uhr »
Der erste Teil, so merkwürdig er ist, lässt sich problemlos einordnen. Der zweite nicht. Nachdem nun Ajax aufgetaucht ist, kommt wieder Fahrt in den Fluss. Aber die immer noch prä-Freud'sche Psychologie der Figuren erschwert das Verständnis für mich Post-Freud'schen... Ich verstehe nicht, warum die Figuren so und nicht anders handeln...
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #8 on: 08. Februar 2015, 20.52 Uhr »
Auch das Ende des zweiten Teil ist ... hm ... seltsam ...
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #9 on: 09. Februar 2015, 21.23 Uhr »
Ich bin immer noch dabei, das Ende des zweiten Teiles in mich einsickern zu lassen - es hat mich ein wenig überrascht und erschreckt.  lvw
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #10 on: 14. Februar 2015, 07.13 Uhr »
So weit mal eingesickert und im Blog abgelegt;)
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #11 on: 16. Februar 2015, 18.56 Uhr »
Der dritte Teil: sozusagen "The Next Generation"...
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #12 on: 17. Februar 2015, 18.53 Uhr »
Und plötzlich ist ein Toter wieder da ...
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #13 on: 20. Februar 2015, 19.58 Uhr »
Jahnn irritiert auch im Epilog ungeheuer. Ich weiss noch nicht, ob das einfach Faulheit ist oder grosses Können.
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Re: Hans Henny Jahnn: fluß ohne ufer
« Reply #14 on: 28. Februar 2015, 07.30 Uhr »
Die Antwort weiss ich auch heute noch nicht; ich habe den Epilog aber trotzdem mal im Blog abgelegt.
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