Für £ 20.00 gibt's die Everyman-Ausgabe von 1932 ...
Das ist nach meinen Erkenntnissen der letzte Bearbeitungsstand des Werks. Danke für den Tipp!
Ich muss mich korrigieren. Zwischen 1990 und 2000 ist eine insgesamt sechsbändige Ausgabe unter der Regie von T.C. Faulkner und N.K. Kiessling entstanden (je drei Werk- und Kommentarbände). Sie werden von der Oxford University Press herausgegeben und sind nahezu unerschwinglich teuer (mehr als 300 € pro Band!).
Nun aber zum Text. Die überlange Einleitung ist ein grandioser Rundumschlag gegen all die Dummheiten und Übel der Zeit, in der Burton sein Werk verfasste - eine überdimensionale barocke Vanitas-Predigt sozusagen. Neben der Sprachgewalt fällt auf, dass Burton sich selbst nicht so wichtig nimmt und sich keineswegs über seine Zeitgenossen erhebt. Zwei geistige Vorläufer werden häufig zitiert und genannt: Erasmus v. Rotterdam und der "lachende" Philosoph Demokrit, mit dem der Autor sich so weit verbunden fühlt, dass er in die Gestalt des Demokritus Junior schlüpft (unter diesem Pseudonym wurde wohl auch die Erstausgabe 1621 veröffentlicht). Burton spielt souverän all sein Bücherwissen aus, zitiert aber nur lateinische Autoren. Die Griechen waren wohl damals noch nicht so sehr in Mode - und wenn, dann nur in ihrer lateinischen Übersetzung.
Auf "wissenschaftlichem" Gebiet ist Burton den Lehren Galens und Avicennas verpflichtet. Diese reichlich mittelalterliche Sichtweise noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu finden, hat mich überrascht. Aber mein Wissen über den damaligen Erkenntnisstand ist eher gering. Die bahnbrechenden naturwissenschaftlichen Werke jener Zeit stammen mWn. von den Astronomen Bruno und Galilei. Philosophisch bzw. wissenschaftsphilosophisch war Bacon der führende Zeitgenosse, aber mit diesem illustren Denker habe ich mich auch noch nicht sonderlich intensiv befasst.
Soviel für den Augenblick. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen - und sei es nur der wunderbaren Sprache wegen.