Author Topic: Johann Georg Hamann  (Read 6535 times)

Offline sandhofer

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Johann Georg Hamann
« on: 28. November 2012, 19.44 Uhr »
Band 1 der 6-bändigen historisch-kritischen Ausgabe von Nadler. Na ja - was Nadler so "historisch-kritisch" nannte. Im Moment liest Haman die Bibel von A bis Z und schreibt seine Kommentare dazu. Er wäre ein guter Prediger gewesen. Oder jedenfalls ein guter Verfasser von Predigten ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline orzifar

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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #1 on: 28. November 2012, 20.58 Uhr »
*lach* Sechs Bände Hamann - und das als Nebenlektüre zu Leibniz (im übrigen, ich bin noch nicht dazu gekommen, eine Notiz im Blog zu verfassen: Erwähnen sollte man bei Leibniz auch, dass er sich mit dem binären Zahlensystem (als erster?) auseinandergesetzt hat und dieses als ein "logisches" System allüberall einführen wollte): Du hast dir ja einiges vorgenommen.

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
Hans Albert: Kritik des theologischen Denkens
John Irving: Owen Meany

Offline sandhofer

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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #2 on: 30. November 2012, 12.42 Uhr »
im übrigen, ich bin noch nicht dazu gekommen, eine Notiz im Blog zu verfassen: Erwähnen sollte man bei Leibniz auch, dass er sich mit dem binären Zahlensystem (als erster?) auseinandergesetzt hat und dieses als ein "logisches" System allüberall einführen wollte

Tu das. Es war in meiner Auswahl nicht so prominent, deshalb habe ich nichts dazu geschrieben.
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Offline sandhofer

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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #3 on: 01. Dezember 2012, 14.32 Uhr »
Revenons à nos moutons.

Hamanns Erstling - die Biblischen Betrachtungen - zeichnen sich noch nicht durch den exzessiv-dunklen Stil aus, den Hamann später verwenden sollte. Exzessiv ist höchstens die Sache als solches. Hamann schrieb diese Betrachtungen im Rahmen einer grossen persönlichen Krise in London nieder. Er las dabei in wenigen Tagen die ganze Bibel und schrieb seine Kommentare dazu.
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Offline sandhofer

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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #4 on: 01. Dezember 2012, 19.33 Uhr »
Interessant an den Biblischen Betrachtungen ist ja weniger, was Hamann schreibt, als was er nicht schreibt. Zum Hohen Lied knappe 6 1/2 Zeilen. Die Kommentierung von Hiob bricht er ab; wohl weil er sich dem Hiob in seiner aktuellen Londoner Situation zu nahe fühlte ...
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Offline sandhofer

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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #5 on: 02. Dezember 2012, 19.07 Uhr »
Im Anschluss an die biblischen Betrachtungen dann seine Lebensbeichte. Im Grunde genommen die klassische, pietistische Beichte des Scheiterns in allen Belangen, die wir schon von Moritz kennen. Hamann, der gerne ein Kauf- und Weltmann geworden wäre, und der im grossen London nach Strich und Faden ausgenommen wird ...
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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #6 on: 05. Dezember 2012, 20.04 Uhr »
So langsam geht's ans Eingemachte. Hamann und Sokrates. Bzw.: Wie Hamann Sokrates interpretiert.
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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #7 on: 07. Dezember 2012, 14.29 Uhr »
Sokrates als Maske. Hinter der ein Faun steckt. Irgendwo ein Holzschnitt eines Pan. Hamann will offenbar Angst und Schrecken verbreiten unter seinen Lesern. Muss ich das verstehen? Hm ...
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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #8 on: 07. Dezember 2012, 14.36 Uhr »
Sokrates als Maske. Hinter der ein Faun steckt. Irgendwo ein Holzschnitt eines Pan. Hamann will offenbar Angst und Schrecken verbreiten unter seinen Lesern. Muss ich das verstehen? Hm ...

Ich nehme an, Du beziehst Dich auf die "Sokratischen Denkwürdigkeiten"? Wenn ich mich recht erinnere, war das sein Abgesang auf die Aufklärung, oder? 

Offline sandhofer

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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #9 on: 07. Dezember 2012, 15.29 Uhr »
Ich nehme an, Du beziehst Dich auf die "Sokratischen Denkwürdigkeiten"?

Genau.

Wenn ich mich recht erinnere, war das sein Abgesang auf die Aufklärung, oder? 

Gute Frage. Ich bin in Bezug auf den Zusammenhang Hamann - Aufklärung noch immer zu keinem definitiven Resultat gelangt. Denn er setzt sich auch später noch mit Kant auseinander.
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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #10 on: 07. Dezember 2012, 15.42 Uhr »
Ich nehme an, Du beziehst Dich auf die "Sokratischen Denkwürdigkeiten"?

Genau.

Wenn ich mich recht erinnere, war das sein Abgesang auf die Aufklärung, oder? 

Gute Frage. Ich bin in Bezug auf den Zusammenhang Hamann - Aufklärung noch immer zu keinem definitiven Resultat gelangt. Denn er setzt sich auch später noch mit Kant auseinander.

Ich bin geneigt, mir das Reclam-Heftchen mit den "Sokratischen ..." und den "Aesthetica in nuce" zuzulegen. Lohnen diese Schriften? 

Offline sandhofer

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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #11 on: 07. Dezember 2012, 20.48 Uhr »
Ich bin geneigt, mir das Reclam-Heftchen mit den "Sokratischen ..." und den "Aesthetica in nuce" zuzulegen. Lohnen diese Schriften? 

Du hast damit Hamann in nuce. Insofern lohnen sie sicher.  ;)
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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #12 on: 12. Dezember 2012, 12.54 Uhr »
Mittlerweile bei Hamanns Jugendschriften. Nichts Spektakuläres. Seine Auseinandersetzung mit Hume und Kant ist bei weitem interessanter. Vor allem, weil er als einer der ersten darauf hinweist, dass die Struktur der Sprache uns dazu verführt, in der Welt dieselbe Struktur zu vermuten.
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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #13 on: 12. Dezember 2012, 16.11 Uhr »
Ich bin geneigt, mir das Reclam-Heftchen mit den "Sokratischen ..." und den "Aesthetica in nuce" zuzulegen. Lohnen diese Schriften? 

Du hast damit Hamann in nuce. Insofern lohnen sie sicher.  ;)

Ich habe mal kurz reingelesen. Das scheint harter Stoff zu sein - jedenfalls weiss ich bislang noch nicht, wohin der Zug fährt. Oberflächlich betrachtet handelt es sich bei der ersten Schrift um eine Apologie des Sokrates sowie eine Ablehnung der Aufklärung. Sprachlich ist Hamann recht interessant. Der Sound ist biblisch bis dunkel-prophetisch. Mal sehen, ob ich auch mit den Inhalten warm werde.   

Offline sandhofer

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Re: Johann Georg Hamann
« Reply #14 on: 12. Dezember 2012, 19.39 Uhr »
jedenfalls weiss ich bislang noch nicht, wohin der Zug fährt. Oberflächlich betrachtet handelt es sich bei der ersten Schrift um eine Apologie des Sokrates sowie eine Ablehnung der Aufklärung. Sprachlich ist Hamann recht interessant. Der Sound ist biblisch bis dunkel-prophetisch. Mal sehen, ob ich auch mit den Inhalten warm werde.

Mit Hamann warm zu werden, ist nur wenigen gelungen. Und falls Du herausfindest, wohin der Zug fährt, sag es mir doch bitte. Nach über drei Jahrzehnten Beschäftigung mit Hamann weiss ich immer noch nicht, was ich von ihm halten soll. Im übrigen scheint mir Deine Kurzanalyse durchaus korrekt.
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