Hallo!
Otto Julius Bierbaum ist einer der Vergessenen. Mir einigermaßen unverständlich, sind doch seine Bücher (der "Prinz Kuckuck" oder auch "Stilpe") unterhaltend und geistreich. Aber die Literaturgeschichte betrachtet ihn als Trivialliteraturproduzenten und hat bestenfalls Nebensätze für ihn übrig, während man über die gepflegte Langeweile eines Heyse sich seitenlang ergeht. Eigenartigerweise gab es auch keine Wiederentdeckung, keine Renaissance des Bierbaumschen Werkes, auch wenn der Ullstein-Verlag sich an den zuvor genannten Werken einmal versuchte.
Der Reisebericht einer Mittelmeerkreuzfahrt ist sein letztes Buch gewesen (er starb mit erst 44 Jahren), ein Bericht, der viel eigentümlich Aktuelles an sich hat in seiner Kritik am deutschen Urlauberwesen (an dem die Welt - so Bierbaum - denn hoffentlich nicht genesen werde). Auch in diesem Buch Witz und Esprit, kleine Bosheiten, Zynismus und über allem: Ein geistreicher, im Grunde die Menschen liebender Autor, der sich ironisch mit der ihn nicht immer angenehm erscheinenden Welt zu arrangieren trachtet. Das, was Bierbaum andeutungsweise über Massentourismus, über us-amerikanische Unbildung und großdeutscher Selbstgefälligkeit angesichts von Kulturdenkmälern zu berichten weiß, mutet sehr aktuell an, obwohl es im Vergleich mit mit heutigen Club-Urlauben natürlich nur ein sehr dezenter Abklatsch der Dummheit sein kann. Aber bislang sehr lesenswert, unterhaltend.
Ein Ärgernis: Man hat sich nicht enblödet, die Ausgabe zu kürzen, "Unzeitgemäßes" zu streichen. Die editorische Dummheit - wahrscheinlich einem ökonomischen Hintergedanken huldigend - hat nichts genutzt: Das Buch wurde nicht gelsen.
lg
orzifar