Gern würde ich hier ein wenig schwärmen über die Verse des Titus Lucretius Carus, über dessen elegante Naturphilosophie und spöttischen Atheismus, verfasst in lupenreinen Hexametern. Angesichts der Übersetzung des Freiburger Altphilologen (und ehemaligen SA- und NSDAP-Mitglieds) Karl Büchner scheint mir jedoch ein dringende Warnung vor der Reclam-Ausgabe erforderlich zu sein. Was Büchner dort abgeliefert hat, spottet jeder Beschreibung. Ich erspare Euch Textproben, denn meine Tastatur wird sich garantiert weigern, dieses unelegante, steife und verkorkste Zeug wiederzugeben. Ein klassischer Fall für das Altpapier, liebe Reclam-Leute! Ich habe selten die Anschaffung einer Übersetzung derart bereut.
Gut, dass es im Internet die flüssig lesbare Übertragung des Goethe-Freunds Karl Ludwig v. Knebel aus dem Jahr 1831 gibt (zweite Auflage, erschienen bei Göschen in Leipzig). Zwar lese ich ungern große Textmengen am Bildschirm, aber in diesem speziellen Fall ist es das kleinere Übel.
So, jetzt wird Karl Büchner entsorgt. In der Altpapiertonne. Er kann froh sein, dass ich ihn nicht verbrenne.