Das Scherzo in Es-Du, op7 ist wirklich ein sehr schönes Beispiel für Scherz, Ironie und tiefere Bedeutung bei Schostakowitsch.
Witzig ist auch das
Scherzo á la russe von Stravinsky.
Nach der anstrengenden Musik der Klaviersonate und dem Prokofiew mal ein entspannenderes Kapitel, in dem wir Schostakowitsch selbst etwas in die Nähe rücken. Um berühmte Komponisten ranken sich Legenden. Auch um Schostakowitsch, der unheimlich leicht und schnell komponieren konnte, es ist so, als schreibebe er auch schwierige Parituren aus sich selbst einfach so heraus. Die Oper „Die Nase“ entstand auch ziemlich schnell.
Eine heitere Geschichte. Im Herbst 1928 legte man dem Komponisten eine Platte mit dem Foxtrott „Tea for two“ auf. Er wurde dann darum gebeten innerhalb einer Stunde dieses Stück aufzuschreiben und neu zu instrumentieren. Es wurde ihm sogar gestatten das Stück noch einmal anzuhören. Dann ging er ins Nebenzimmer. Nach einer dreiviertel Stunde kam er hinaus mit diesem:
Hier.Dies ist übrigens die Originalinstrumentation, (Es gibt etliche Verarbeitungen); hier meines Erachtens bloß zu langsam vorgetragen.
Es war auch die Zeit, als Schostakowitsch begann, Filmmusik zu schreiben. Exemplarisch sei hier die Musik zu
„Das neue Babylon“ vorgestellt. Einmal ging er ins Filmstudio. Er trug einen weißen Schal, grauen Hut, eine Ledertasche unterm Arm. Er soll damals „ein fast kindliches Gesicht gehabt haben.“ Nun rollten aber Schwierigkeiten an. Der Film und die Musik mussten amtlich geprüft werden und fiel durch. So musste Schostakowitsch noch einmal Szenen umschreiben, arbeitete außerdem noch unter Zeitdruck, weil der Premierentermin schon festgesetzt war. Die Werke, die in dieser Zeit entstanden, waren nicht erfolgreich und gerieten ins Vergessen. Meyer erzählt ausführlich über die Schwächen der dritten Symphonie. Es gab auch bei den Zeitgenossen über diese Symphony kaum ein gutes Wort. Es wurde nicht verstanden, warum Schostakowitsch so ideenlos, trivial komponieren konnte, vor allem nach Der Nase. Fielen ihm die Ideen aus? Heute wissen wir nicht, was in Schostakowitsch gefahren ist. Ich habe mir die Musik von „Das neue Babylon“ angehört. Es hört sich einigermaßen passabel an, aber Schostakowitsch konnte es später noch viel besser: Nämlich in den beide Jazzsuiten. Wie in der
„Nase“ kommen in der Fimmusik Tänze vor, doch zurückhaltend, eher lahm. Die Jazzsuiten sind bedeutend schmissiger. Er konnte es besser. Ja. Doch hören wir uns
„Das neue Babylon“ mal an (Marco Tezza - Jugend-Symphonie Orchester des Saarlandes):
hierNun kommen wir tiefer in die Verstrickungen zwischen Schostakowitsch und der Kremlideologie.[heul]
Ich finde es großartig, wenn ein Komponist der ernsten Muse sich zur leichten Muse schlenkert. Genauer. Schostakowitsch selber machte da wohl nicht so einen großen Unterschied.
„Die Nase“ ist voll von Tänzen,
„The new Babylon“ auch. Wenn es Schostakowitsch darauf angelegt hätte, hätte er der Johann Strauß jr. des 20. Jahrhunderts werden können. Da bin ich mir sicher.
Bloß,
und das ist das DilemmaDamals Unterhaltungsmusik oder Jazz in der Sowjetunion zu komponieren (in der damaligen Moderne wurde im Westen durchaus auch jazzig komponiert, auch Strawinsky, der emigriert war), war für einen Komponisten nicht ungefährlich und konnte die Karriere kosten. Auch Schostakowitsch's Musik wurde von den Machthabern im Kreml beobachtet. Schon Ende der zwanziger Jahre glaubten die Kremlianer, in Schostakowitsch einen Komponisten gefunden zu haben, der ganz offiziell unter dem Diktat der Staatsmacht komponieren könnte (sozusagen als Repräsentat des Staates). Gerade in dieser Zeit enstand der Foxtrott
„Tahiti Trott“!!! Schostakowitsch wollte sich nie vom Staate kapern lassen, er wurde aber, und das ist tragisch,
„für immer in die höllische Maschinerie des sowjetkommunistischen Systems hineingezogen.“ So formuliert es Meyer auf Seite 151. Für eine Schostakowitsch-Biografie ist es immer wichtig, auf diese Problematik einzugehen, und Meyer macht das, soweit ich das überblicken kann, sehr ordentlich. Wir haben wohl keine Ahnung, wie Schostakowisch komponiert hätte, wenn er in Paris gelebt hätte. Seine (angeblich) freiwillige Zusammenarbeit mit dem Staat, war von Zweifeln übersäht. Schostakowisch äußerte sich in einer Umfrage über Unterhaltungsmusik sehr seltsam, hat aber, es kann doch nicht anders sein, mit dem von der Staatsmacht unter Druck stehenden Komponisten zu tun. Meyer äußert sich nicht so direkt, aber meint wohl dasselbe. Schostakowitch machte wirklich einen Vorschlag, wie die Unterhaltungsmusik bekämpft werden soll, weil sein
„Tahiti Trott“ vom
„Russischen Verband der proletarischen Musiker“ als für die sowjetische Kultur schädlich eingestuft worden war. IDIOTEN.
Ich sehe es als einen politischen Fehler meinereits an, daß ich dem Dirigenten Malko erlaubt habe, meine Transkription des Tahiti-Trott aufzufühen....
Harry Neuhaus, Meyer sagt nicht, wer das ist, äußerte sich so:
Leichte Musik ist für die Musik das, was Pornographie in der Literatur ist.
Mit anderen Worten: Ende der zwanziger Jahre wurde ziemlich gemein gegen die Unterhaltungsmusik gehetzt. Krzysztof Meyer führt ein ziemlich krasses Beispiel an für Schostakowischs Konformismus:
...es gibt keine Musik ohne Ideologie, und die Komponisten haben immer, bewußt oder unbewußt, mit ihrer Musik politische Konzeptionen ausgedrückt....
(Seite 154).
Da Schostakowitsch in den Jahren 1928-1931 viel leichte Musik komponierte und sich seinen Verstrickungen bewusst wurde, publizierte er den Artikel
„Erklärung über die Pflichten eines Komponisten“ in dem er sich rechtfertigte, zwar leichte Musik geschrieben zu haben, aber
Das einzige Werk, das meiner Meinung nach einen Platz in der sowjetischen Musikgeschichte einnehmen könnte, ist die Symphonie >Der 1. Mai<, ungeachtet all ihrer Schwächen. Ich will damit sich sagen, daß alles übrige nichts Wert sei. Aber die anderen Werke verbinden sich mit dem Theater und haben deshalb keine eigenständige Bedeutung.
Auf solche Art und Weise versuchte sich Schostakowitsch aus den Verstrickungen mit dem Staat zu lösen - "lösen" sicher übertrieben......vorübergehend vielleicht.....
Liebe Grüße
mombour