glauben aber, wiewohl wir uns kaum von den erwähnten Lebewesen unterscheiden,
Von der DNS her gesehen, sind wir fast einem Schimpansen gleich. Trotzdem hat der Mensch meist die Egoanwandlungen, er sei etwas besonderes. Im Unterschied zum Tier allerdings der Verstand, das Bewusstsein sterben zu müssen, deshalb auch Anwandlungen zur Transzenden (aber nicht ein jeder). Ich meine auch, wir, mit unserem unbedeutendem kleinen Gehirn, können damit über unsere Grenzen eben nicht hinwegschauen.
Dass im übrigen diese nihilistische Position automatisch amoralische Haltungen nach sich ziehen würde halte ich für die Position von amoralischen Menschen: Ich empfinde es als eines der schönsten Gefühle, jemand anderem eine Freude zu bereiten. Ein Freund von mir meinte einmal, dass er mit niemanden auf der Welt mehr gelacht habe als mit mir - das war ein wundervolles Kompliment.
Hier sind wir doch voll einer Meinung, werter orzifar,

Jemandem eine Freude machen ist sehr schön, wenn dann noch was zurückkommt auch gut. Das sind die schönen Momente des Lebens, wobei ich die Auffassung vertrete, in unsere Gegenwart bewusst leben mit jedem Atemzug, ein (einigermaßen) moralisches Leben zustande zu bringen, was nach dem Tod kommt, können wir nicht wissen, weil aus dem Jenseits, falls es so was geben sollte, niemals einer wieder zurückgekommen ist, und berichtet hat, wie es dort ausschaut. Also, muss uns das auch nicht interessieren.
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Erster Teil - Entwurf eines Systems1.)Die Holarchie
Arthur Koestler spricht vom Irrtum des Reduktionismus, der behaupet, der Mensch sei
„nichts als“ ein Mechanismus und
„nichts als eine Kette konditionierter Reaktionen, wie man sie auch bei Ratten finde.“ So könnte man auch sagen, was uns allerdings nicht weiterhelfen dürfte, der Mensch bestehe aus „nichts als“ Wasser und anderen Mineralien. Das ist keine Ausage darüber, was den Menschen ausmacht.
Im Gegensatz zu dem Reduktionismus prägte sich seit den zwanziger Jahren de 20. Jahrhunderts der Begriff Holismus (Jan Smuts, „Die holistische Welt“), der in der akademischen Wissenschaft damals kein Fuß fasste, weil so Koestler, der Zeitgeist ein anderer war. Der Holismus geht davon aus, dass er eine Beziehung zwischen dem Ganzen und seinen Teilen gibt. Eine Ganzheit bestehe aus Sub-Ganzheiten.
Ein Organismus ist eine vielstufige oder geschichtete Hierarchie von Sub-Ganzheiten...
In seinen früheren Sachbüchern aus den sechziger Jahren,
„Der göttliche Funke“ und
„Das Gespenst der Maschine“ prägte Arthur Koestler für Sub-Ganzheiten den Begriff
„Holon“. Das theoretische Model der Holontheorie kann man „als eine Übung in Allgemeiner Systemtheorie bezeichnen“, einer Schule, die der theoretische Biologe und Systemtheoretiker Ludwig von Bertalanffy gegründet hat. Man baut theoretische Modelle um Prinzipien in der Biologie, im sozialen und anderen Bereichen zu erklären. Koestler kündigt schon an, dass er im dritten Kapitel über die großen „Hierarchien des Werdens“ der Entwicklung des Individiums und der Spezies eingehen wird. Doch vorher.
2.)Jenseits von Eros und Thanatos
Holons sind janusköpfige Ganzheiten. Einmal nach höheren Holoarchien blickend, das andrere Gesicht zu niederen Holarchien blickend. Daraus ergen sie zwei sehr wichtige Eigenschaften von Holons. Eine integrative Tendenz, in der sich ein Holon als Teil von etwas Übergeordnetem funktioniert, dann die selbstbehauptende Tendenz, welche die Autonomie eines Holons bewahrt. Als anschauliches Beispiel führt Koestler soziale Holoarchien an, in der selbstandige konstituierende Holons gewahrt bleiben, jedes Holon die Tendent kollektiver Integrität hat. Auf diese Weise funktionieren Verwaltungsapparate, Staatsgefüge u.a. Auf diese Weise wird eine soziale Struktur bewahrt. Allerdings ist es auch möglich, darüber erzählt uns der Autor später, dass ein soziales Gefüge auch auseinanderbrechen kann. Als Beispiel dazu fällt mir Somalia ein.
Jetzt kommen mir doch zaghafte Erinnerungen früherer Lektüren ins Bewusstsein. Arthur Koestler gilt als Kritiker freud'scher Theorien. In diesem Kapitel versucht er Freuds Theorie von Eros und Thanatos zu widerlegen. Oestler bezieht sich auf Passagen aus
„Jenseits des Lustprinzips“ und aus
„Das Unbehagen in der Kultur“ u.a. Koestler wundert sich, dass diese Triebe regressiv sind, sie drehen die Uhr der Evolution zurück, anstatt sie voranzutreiben. Freud sagt, der Eros müsse einen großen Umweg machen, um die
„ zersprengten Teilchen lebender Substanz“ einzusammeln (das verstehe ich allerdings nicht, wie das gemeint ist). Aber hier ein pro Koestler-Argument. Freud behauptet, der Organismus sei danach bestrebt, die in ihm vorhandene Quantität einer Erregung möglichs niedrig zu halten, demzufolge alles als unlustvoll emfunden werden muss, was die Erregung steigt. Das ist wirklich unverständlich, weil die Steigerung der Erregung im sexuellem Vorspiel als lustvoll empfunden wird, entgegenet Herr Koestler, der auch freuds Auslegung des Todestriebes auch verwirrend findet. In der Naur gibt es nicht Zerstörung um der Zerstörung willen, Tiere töten nicht um des Tötens willen, sondern weil sie Hunger haben. Wenn man also von einem Todestrieb sprechen wolle, so meine ich, müsse töten lustvoll sein, was es definitiv nicht ist.
Dieses wahrlich komplizierte Thema, daraus ich nur zwei Gedanken aufgegriffen habe, mündet in eine Aussage, die uns wieder zu den Holons führt. Koestler sagt nämlich:
Sie Sexualität ist eine spezifische Äußerung der integrativen Tendenz, die Aggression eine extreme Form der selbstbeheuptenden Tendenz, während Janus als Symbol der beiden >>nicht reduzierbaren<< Eigenschaften lebender Substanz – Ganzheit und Teilheit – und ihres empfindlichen Gleichgewichts in den Hierarchien der Natur erscheint.
(Seite 81).
3.) Die drei Dimensionen der Emotion Gefühle sind ale „überhitzte“ Triebe genannt worden (von wem sie so genannt worden sind, sagt Koestler nicht). Man kann sie auch nach Art des Triebes einteilen (Explorationstrieb), und dann nach dem Gefühl der Lust oder Unlust. Drittens lassen sie sich nach selbstbehauptender und selbsttranszendierender Tendenz einteilen. Koestler sagt aber auch, dass wir nur selten eine reine Emotion erleben, oft mischen sie auch Gefühle (er schreibt zwar, es mischen sich Triebe, vielleicht er sich da aber einfach verschrieben hat?). Lust und Unlust können auch aus gemischnten Gefühle bestehen.
Nach Freud führt das lesen einer erotischen Szene in einem Buch zu einer Steigerung „ der im Seelenleben vorhandenen Erregung“, müsste nach Freud deshalb unangenehm sein, in Wahrheit, so Koestler
„Frustation mit Lust kombiniert“ werden. Inwieweit Lust oder Frustation in diesem Beispiel eine Roole spielt, hängt von der Einbildungskraft des Lesers ab.
Arthur Koestler bringt diverseTheorien über die Emotionen ziemlich kurzgefasst zu Papier, obwohl gerade in dieser Sache Ausführlichkeit angebracht wäre.
Und nun kommt er
zur Polarität: Selbstbehauptung und Selbsttranszendenz:Bei sexuellen Beziehungen mischen sich Herrschaft und Aggression mit Einfühlung und Identifizierung.
Seite 88
Man denke auf an religiös motivierte Tieropfer, die für die Tiere brutal sind, weil diese sterben müssen, aber die Speise des geopferten Tieres zu einer mystischen Kommunion führt. Arthur Koestler sagt, und da ist was wahres dran, weil die Kirche sich aus heidnischen Religionen entwickelt hat (auch wenn Kirchenfürsten das heute abstreiten würden), er sagt also:
Die Tradition, Fleisch und Blut des erschlagenden Gottes miteinander zu teilen, gelangte über den orphischen Mysterienkult symbolisch verbrämt in die Riten des Christentums. Für die Gläubigen ist die heilige Kommunion die höchste Erfahrung der Selbsttranszendenz...
Seite 89
Liebe Grüße
mombour