Hallo!
@anita: So schlecht wollte ich das Buch keineswegs darstellen, dass du es stante pede verschenkst

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Das Buch ist ein wenig unausgegoren, eine Vielzahl von Ideen, die aber oft nur kurz gestreift werden, fragmentarisch bleiben. Weniger wäre mehr gewesen, so bleibt die Analyse der außerirdischen Überlebensformen blass und schemenhaft. Interessante Anmerkungen verschwinden unter einem Wust an Phantasiereichtum, sodass man von vielem etwas, nichts aber wirklich genau erfährt.
Ähnlich ist es auch mit den 6 Protagonisten, die (bis auf eine Ausnahme) nur über ihre Berufsbezeichnung angesprochen werden. Chemiker, Physiker, Kybernetiker, Doktor, Koordinator, Ingenieur. Spezifische Charaktereigenschaften sind zwar auszumachen, aber die Interaktion bleibt oberflächlich, wenig strukturiert, weshalb auch die Konflikte, unterschiedlichen Anschauungen bezüglich des auf dem Planeten Erlebten nebulös bleiben.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Lem hier einfach drauflos geschrieben hat, ohne sich nach einem bestimmten Plan zu richten oder ein Konzept zu entwerfen. Übersprudelnde Einfälle, auftauchend, bald wieder verschwindend, auf deren Auflösung, genauere Beschreibung man leider vergebens wartet (ich bezweifle, ob die restlichen 50 Seiten dies bieten werden können). Amüsant im übrigen immer die technischen Zukunftsvorstellungen, von denen Lem selbst in der "Summa technologiae" sagt, das sie einer engen Beschränkung der Vorstellungskraft unterliegen. So wie sich eine römische Galeerenbesatzung die Zukunft der Schifffahrt bzw. deren Verbesserung durch überdimensionale Ruder oder Segel vorgestellt haben mag (keinesfalls aber mit Motorbooten), so sind auch Lems futuristische Gedanken vom Wissensstand der 50iger und 60iger geprägt. Das stört aber kaum, amüsiert jedoch, wenn etwa Fortbewegung oder Filmtechnik anachronistisch anmuten, hingegen die Atomtechnik höchst ausgereift ist. Es amüsiert - und stimmt nachdenklich, weil wir im Hier und Jetzt erkennen, dass auch unsere eigene Phantasie zwangsläufig höchst beschränkt bleibt und wir nur konstatieren können, dass wir nicht wissen was die Zukunft bringt.
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Ausgelesen. Tatsächlich scheint sich Lem mit der Fülle an Ideen ein wenig übernommen zu haben, so dass der Schluss überstürzt und vorschnell wirkt. Trotzdem macht's immer wieder Spaß, seine Spekulationen zu verfolgen, seine Einfälle bezüglich anderer Lebensformen, die ja trotz aller Unterschiedlichkeit immer noch stark anthropozentrisch getönt sind (wie auch nicht). Und diese Darstellung anderer Zivilisationen ist immer auch Gesellschaftskritik, eine Form von Utopia.
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Schöne Leserunden (zumindest in meiner Vorstellung): "Summa technologiae", "Phantastik und Futurologie" oder "Philosophie des Zufalls", wobei ich ersteres schon kenne, aber wiederlesen würde (es lohnt sich).
lg
orzifar