Hallo,
weitergelesen, wobei die letzte Geschichte nicht jene über Turgenjew, sondern Sibelius war. Gerade dieser Zufall hat mich dann auch zum Weiterlesen animiert, Sibelius, dessen Violinkonzert in D-Moll mich an einen berührend schönen Abend bzw. Nacht erinnert.
Die Turgenjew-Erzählung changiert zwischen Pygmalion und Marienbader Elegie, wenngleich mir das "Heraustreten" aus der Geschichte, das von seiten des Erzählers provokative Vergleichen zwischen Liebe des 19. und Sex des 20. Jahrhunderts nicht wirklich zusagte; überhaupt scheint der Autor seine Fortschrittlichkeit immer dadurch zeigen zu wollen, dass in fast jeder Geschichte einmal das Wort "ficken" fällt. Oder aber die Sachen wurden schlecht übersetzt.
Am meisten berührt - aber das mag eben sentimentale Gründe haben, hat mich Sibelius, sein Übergang vom Schreiben der Musik zur absoluten Stille, die Verweigerung der letzten Symphonie in diesem Gedanken, die Welt nicht weiter akustisch belästigen zu wollen. (Dass er es doch getan hat - abseits aller biographischen Fragwürdigkeit der Erzählung - dafür sei ihm gedankt).
Eine weitere Geschichte, jene des alternden Konzertbesuchers, der sich über hüstelnde, niesende, raschelnde, flüsternde Konzertbesucher beschwert, habe ich amüsiert gelesen (wer, der auch nur einmal ein Konzert besucht hat, kennt nicht das Gefühl, mit einer Unzahl TBC-Kranken im Saal zu sitzen) - aber auch hier wurde es mir dann fast zu lang, der Einfall auf 20 Seiten ausgedehnt vermag nicht zu tragen. Aber jetzt mit nur noch drei ungelesenen Geschichten werde ich das Buch auch brav zu Ende bringen.
lg
orzifar