Nö, Satan wird nur ausdrücklich nicht genannt.
Ich halte es für prinzipiell problematisch, darauf zu rekurrieren, was jemand
nicht gesagt hat (da es in der Natur der Sache liegt, dass dieses Nichtsagen umfänglicher ausfällt als das tatsächlich Ausgeprochene). Ich war - deines Hinweises wegen - einfach im Zweifel, ob aus der Tatsache der Bezeichnung Satan/Lucifer ein Bedeutungsunterschied hinsichtlich des vom Geheimrat Gemeinten gemacht werden kann.
Im Faust treten Satan, Luzifer und Mephisto übrigens als getrennte Wesen auf ( vergl. Walpurgisnacht). Mephisto ( "Ich bin ein Teil von jener Kraft ...") ist vor allem eine literarische Figur, die mit den ethnologischen und sonstigen Teufelsattributen spielt. Ach, ich geb's auf, hier auf Deubel komm raus den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.
Teufel aber auch. ("Jene Kraft" hab ich immer mit dem Bösen an sich identifiziert. Denn in der Hexenküche scheint er schon ein ganz normaler Teufel, zwar ohne Pferdefuß zum Schrecken der Hexe - aber:
Auch die Kultur, die alle Welt beleckt,
hat auf den Teufel sich erstreckt.
Mit Faustzitaten kommt man überhaupt durch jede Abendunterhaltung

.
Der Unterschied: Bei Goethe beschreiben die Begriffspaare etwas, was er in der Natur beobachtet hat. Sie beschreiben auch keinen antagonistischen Gegensatz, der dann in einer alles nivellierenden Synthese aufgehoben wird, sondern einen Wechsel, einen evolutionären Prozess, einen Rhythmus - weiter geht Goethe in seinem Religionstext im Grunde auch nicht. "Was die Welt im Innersten zusammenhält" und andere letzte Fragen bleiben unbeantwortet, bleiben Geheimnis. Das ist für mich kein Obskurantismus.
Also ich sehe diesen Antagonismus bei Goethe schon (das Gegensatzpaar Gefühl - Vernunft wird häufig strapaziert, wobei ich so meine Zweifel habe, ob dies nun wirklich so ein schön geschiedenes Paar darstellt oder nicht das eine häufig in das andere übergeht. Das ist es - auch -, was mir solches Schreiben verdächtig macht: Eine oft unzulässige Vereinfachung der Dinge.)
Ich hab das Zitat auch wenig differenzierend oder analysierend hineingestellt, wobei ich zu wissen glaube, was Goethe damit gemeint hat. Obskur aber erscheinen mir Passagen wie diese: "da sich aber Produktion nicht ohne Mannigfaltigkeit denken läßt, so mußte sie sich notwendig sogleich als ein Zweites erscheinen, welches wir unter dem Namen des Sohns anerkennen; diese beiden mußten nun den Akt des Hervorbringens fortsetzen, und erschienen sich selbst wieder im Dritten, welches nun ebenso bestehend lebendig und ewig als das Ganze war." Derer es mehr gibt. Es wird einfach irgendetwas behauptet, von zwangsläufigen Entwicklungen gesprochen etc., das ganze mit christl. Mythologie unterfüttert, von sich ergebenden Schlussfolgerungen gefaselt, die etwas grandios Beliebiges haben. Denn mit Fug und Recht ließe sich das Gegenteil behaupten oder sich das ganze Hervorbringen verlängern bis zum St. Nimmerleinstag, wobei sich noch das eine oder andere Geistwesen erschaffen ließe.
Goethe war eben auch Politiker.
Entschuldige, dass ich wieder mit einem Goethe-Zitat komme: Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion. Wer diese beiden nicht besitzt, der habe Religion.
Worin besteht dann Religion, wenn derjenige, der sich in Wissenschaft und Kunst, also in Nachahmung , Beobachtung und Erforschung der Natur übt, sie ohnehin hat? Allenfalls in der Liebe, Würdigung, Achtung und Verehrung der Natur, der Schöpfung. Das könnten wir heute auch brauchen. Ich kann nichts Verwerfliches daran finden.
Es mag durchaus so sein, dass mit dem von dir zitierten Goethe-Wort genau dieser positiv konnotierte Religionsbegriff von seiner Seite umschrieben werden sollte. Aber ob er dafür brauchbar ist, will ich bezweifeln, denn Religion hat wohl mindestens ebenso oft die Antonyme deiner Aufzählung gestützt. Noch zu Goethes Zeiten wurden allenthalben Hexen verbrannt - und grundsätzlich neige ich zur Annahme, dass die von dir erwähnte Achtung vor der Natur, den Menschen kaum etwas ist, wozu die Religionen sehr viel beigetragen haben; die Geschichte scheint das zumindest verneinen zu wollen.
Natürlich ist an den von dir aufgezählten Begriffen nichts Verwerfliches. Meine Skepsis richtet sich bloß gegen die Annahme, dass die Religionen für eine Durchsetzung derselben hilfreich sein könnten. Aber diese Diskussion ist dann wohl weit off topic und birgt große Gefahren. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass Goethe eine solche Religion positiver als ich gesehen hat und sie v. a. für die breite Masse als nützlich betrachtet hat.
lg
orzifar