...ich bin bisher völlig unbeeinflußt von Goethe durch Italien gereist.
Genießen Sie eine mediterrane Traumreise .... Wie sagte schon Goethe: Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele. Hier erst ist der Schlüssel zu allem ... Auch der Schlüssel zu einem Traumurlaub
( aus: Möllers Reisedienst)
Villa Goethe (bed and breakfast) nel centro storico di Agrigento ...
Pizzeria Trattoria Goethe di Sardina Salvatore, Via Goethe , 5, Palermo
Wie gesagt, keine Italienreise ohne Goethe! Wäre ein nettes Thema für eine germanistische Arbeit:
Goethes touristische Vermarktung, o.ä.
Mittlerweile ist Goethe in Rom angekommen. Von Venedig geht es zu Schiff auf dem Po
durch große Plainen nach Ferrara.
In Cento und dann in Bologna steht er vor den Gemälden Guercinos, Raffaels, Guido Renis u. a.. Goethes Blick auf die Bilder finde ich wieder faszinierend: Immer auf der Suche nach dem zugrundeliegenden
Gedanken, nach dem Menschlichen hinter dem Religiösen, Sakralen, Offiziellen. Das hat manchmal fast etwas Subversives. Im Dom zu Verona hatte er schon diesen Blick "drauf" , wenn er z.B. auf dem Gemälde Tizians
Mariae Himmelfahrt der aufschwebenden Madonna einen Erdenblick bescheinigt,
den Gedanken lobenswert findet, dass sie nicht himmelwärts, sondern herab zu ihren Freunden blickt.
Hier auf einem Bild des Barockmalers Guercino ist es der besondere
stilltraurige( eben nicht triumphale oder abgeklärte) Blick des auferstandenen Christus , der seine Aufmerksamkeit erregt.
Freiheit und Großheit bescheinigt er denn auch diesem Maler. Und auf Guido Renis berühmtem Bild sieht er - wohl ebenfalls an der gängigen ikonographischen Auffassung vorbei - in dem
unbeschreiblichen Ausdruck, mit dem die stillende Maria auf das saugende Kind blickt, eine
tiefe ... Duldung, nicht als wenn sie ein Kind der Liebe und Freude, sondern ein untergeschobenes Wechselkind nur so an sich zehren ließe , weil sie ... gar nicht begreift, wie sie dazu kommt. Starke Worte!
Wie schon in Verona beklagt Goethe hier wieder die
unsinnigen Gegenstände, mit denen die Maler sich quälen mussten und die ihn umso mehr stören, als sie von guten Malern ausgeführt werden,
Bilder, über die man toll wird, indem man sie verehren und lieben möchte. Über Guido Reni z. B. sagt er:
Indem der himmlische Sinn des Guido, sein Pinsel, der nur das Vollkommenste, was geschaut werden kann, hätte malen sollen, dich anzieht, so möchtest du gleich die Augen von den abscheulich dummen, mit keinen Scheltworten der Welt genug zu erniedrigenden Gegenständen wegkehren, und so geht es durchaus; man ist immer auf der Anatomie, dem Rabensteine, dem Schindanger, immer Leiden des Helden, niemals Handlung, nie ein gegenwärtig Interesse, immer etwas phantastisch von außen Erwartetes. Entweder Missetäter oder Verzückte, Verbrecher oder Narren ... Da ist nichts, was einen menschlichen Begriff gäbe! usw.
Das ist noch viel deutlicher ,schärfer und bitterer als seine Äußerungen in Verona.
Überhaupt scheint die heitere Gelassenheit, zu der Goethe in der Serenissima gefunden hatte, jetzt auf seiner Reise nach Rom einer nervösen Ungeduld und Gereiztheit gewichen, irgendwie ist er wieder auf der Flucht. In Florenz bleibt er nur drei Stunden und auch Perugia lässt er fast links liegen.
Sein Besuch in Assisi ist für mich ein Abbild en miniature seiner gesamten Italienreise:
Ich verließ bei Madonna del Angelo meinen Vetturin, der seinen Weg nach Foligno verfolgte, und stieg unter einem starken Wind nach Assisi hinauf, denn ich sehnte mich, durch die für mich so einsame Welt eine Fußwanderung anzustellen. Die ungeheueren Substruktionen der babylonisch übereinander getürmten Kirchen, wo der heilige Franziskus ruht, ließ ich links mit Abneigung, denn ich dachte mir, dass darin die Köpfe wie mein Hauptmannskopf(1) gestempelt würden. Dann fragte ich einen hübschen Jungen nach der Maria della Minerva ... und siehe , das löblichste Werk stand vor meinen Augen, das erste vollständige Denkmal der alten Zeit, das ich erblickte. Ein bescheidener Tempel ... und doch so vollkommen, so schön gedacht ... Seitdem ich Vitruv und Palladio gelesen ...Was sich durch die Beschauung dieses Werks in mir entwickelt, ist nicht auszusprechen und wird ewig Früchte tragen usw.
So schwärmt er noch anderthalb Seiten weiter. Was er da mit Verachtung straft, ist immerhin die (gotische) Grabeskirche, neben ihrer Bedeutung als Wallfahrtsort berühmt durch die Fresken Giottos, Cimabues u.a. ...
(1) bezieht sich auf einen vatikanischen Hauptmannn, mit dem G. sich über Religion unterhalten hat