Author Topic: J. W. von Goethe: Italienische Reise  (Read 29041 times)

Offline orzifar

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #15 on: 18. Januar 2010, 23.10 Uhr »
Ich habe die Ausgabe des Insel Verlags (= it175), dem Text liegt die "Hamburger Ausgabe der Werke Goethes" zugrunde. Inkludiert sind bei dieser Ausgabe der Abdruck aller 40 auf der Italienreise entstandenen Zeichnungen. Leider auch unkommentiert, aber mit Nachwort (von Christoph Michel), einem kurzen Kommentar zu jeder Zeichnung und einem ausführlichen Register.

Klingt verlockend . Ich mag die Insel-Bücherei, nur - wie gesagt- ein Kommentar ist in diesem Fall unerlässlich, das bestätigt sich mit fortschreitender Lektüre. Zum Glück nenne ich wenigstens den Inselband Tischbein und Goethe in Rom mit den Zeichnungen Goethes mein eigen.

Den Wunsch nach Kommentaren versteh ich vollkommen, mich macht das auch immer ganz unruhig, wenn da von Gemälden, Skulpturen, Orten, Ereignissen die Rede ist und ich diese nicht genau zuzuordnen vermag. Leider kann ich nicht mal aushelfen, da auch die Weimarer Ausgabe hier versagt, diese versteht sich als eine textkritische Edition. (Oder aber ich habe in dem Wust an Registern und Verweisen der 143 Bände die recht Geschicklichkeit beim Nachschlagen vermissen lassen - was ich aber denn doch nicht hoffe.)

lg

orzifar
Derzeitige Lektüre:

Herbert Schnädelbach: Philosophie in Deutschland 1831 - 1933
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Offline thopas

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #16 on: 19. Januar 2010, 11.01 Uhr »
Hallo zusammen,

hier nochmal mein Kommentar im Lesepläne-Thread bzgl. der Ausgabe:

Ich habe die Ausgabe vom C.H. Beck Verlag, der der Text von Band 11 der Hamburger Ausgabe zugrunde liegt. Ich finde diese Ausgabe sehr gut; es gibt sehr ausführliche Anmerkungen.

Hier findet man ausführliche Anmerkungen zu den von Goethe gesehenen Kunstwerken.

Gruß
thopas

Offline Gontscharow

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #17 on: 19. Januar 2010, 19.59 Uhr »

Hallo thopas!

Danke für den Hinweis. Habe mir die Ausgabe heute bestellt!

Interessant war auch die römische Villa in Piazza Armerina (Villa Romana del Casale), die aber zu Goethes Zeit gerade erst entdeckt worden war (die Ausgrabungen hatten vermutlich noch nicht viel zu Tage gebracht).

Die Villa habe ich auch vor Jahren besucht. Schade für den altertumsversessenen Goethe! Aber in Sizilien ist er wohl ohnehin auf seine Kosten gekommen, was antike Baudenkmäler angeht!

Ich finde es sehr interessant, meine eigenen Eindrücke von Italienreisen mit denen Goethes zu vergleichen.

Geht mir auch so, wobei man auf Italienreisen - bei mir war es jedenfalls so - bereits immer auch schon ein bisschen auf Goethes Spuren gewandelt ist. Sein Diktum - woher auch immer ich es  kannte-, dass Sizilien der Schlüssel zu Italien sei , hat mich auf meiner Sizilienreise begleitet. Und den grandiosen Ausblick vom Amphitheater in Taormina auf den Ätna gibt es ja quasi gar nicht ohne Goethes geflügelte Worte. Ja, was sagte er da nochmal? ;) Der schönste Logenplatz der Welt?

Liebe Grüße
Gontscharow

Offline thopas

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #18 on: 20. Januar 2010, 11.37 Uhr »
Geht mir auch so, wobei man auf Italienreisen - bei mir war es jedenfalls so - bereits immer auch schon ein bisschen auf Goethes Spuren gewandelt ist. Sein Diktum - woher auch immer ich es  kannte-, dass Sizilien der Schlüssel zu Italien sei , hat mich auf meiner Sizilienreise begleitet. Und den grandiosen Ausblick vom Amphitheater in Taormina auf den Ätna gibt es ja quasi gar nicht ohne Goethes geflügelte Worte. Ja, was sagte er da nochmal? ;) Der schönste Logenplatz der Welt?

Hallo Gontscharow,

ich bin bisher völlig unbeeinflußt von Goethe durch Italien gereist. Erst jetzt komme ich in Kontakt mit seinen Italien-Eindrücken. Das wird zukünftige Italienreisen allerdings stark beeinflussen. Es ist ein bißchen schade, denn ich war letztes Jahr im Mai in Rom und hätte da einiges mit anderen Augen gesehen. Unbeeinflußt von Goethe hatte auch ich den Wunsch, länger in Rom bleiben zu können und mal eine "Auszeit" von Deutschland zu nehmen. Wenn mir jemand mein Gehalt weiterzahlen würde, würde ich sofort die Koffer packen ;D.

Viele Grüße
thopas


Offline Gontscharow

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #19 on: 23. Januar 2010, 00.47 Uhr »

...ich bin bisher völlig unbeeinflußt von Goethe durch Italien gereist.

Quote
Genießen Sie eine mediterrane Traumreise .... Wie sagte schon Goethe: Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele. Hier erst ist der Schlüssel zu allem ... Auch der Schlüssel zu einem Traumurlaub
( aus: Möllers Reisedienst)

Quote
Villa Goethe (bed and breakfast) nel centro storico di Agrigento ...

Quote
Pizzeria Trattoria Goethe di Sardina Salvatore, Via Goethe , 5, Palermo

Wie gesagt, keine Italienreise ohne Goethe! Wäre ein nettes Thema für eine germanistische Arbeit: Goethes touristische Vermarktung, o.ä.

Mittlerweile ist Goethe in Rom angekommen. Von Venedig geht es zu Schiff auf dem Po durch große Plainen nach Ferrara.
In Cento und dann in Bologna steht er vor den Gemälden Guercinos, Raffaels, Guido Renis u. a.. Goethes Blick auf die Bilder finde ich wieder faszinierend: Immer auf der Suche nach dem zugrundeliegenden Gedanken, nach dem Menschlichen hinter dem Religiösen, Sakralen, Offiziellen. Das hat manchmal fast etwas Subversives. Im Dom zu Verona hatte er schon diesen Blick "drauf" , wenn er z.B. auf dem Gemälde Tizians Mariae Himmelfahrt der aufschwebenden Madonna einen Erdenblick bescheinigt, den Gedanken lobenswert findet, dass sie nicht himmelwärts, sondern herab zu ihren Freunden blickt.
Hier auf einem Bild des Barockmalers Guercino ist es der besondere stilltraurige( eben nicht triumphale oder abgeklärte) Blick des auferstandenen Christus , der seine Aufmerksamkeit erregt. Freiheit und Großheit bescheinigt er denn auch diesem Maler. Und auf Guido Renis berühmtem Bild sieht er - wohl ebenfalls an der gängigen ikonographischen Auffassung vorbei -  in dem unbeschreiblichen Ausdruck, mit dem die stillende Maria auf das saugende Kind blickt, eine tiefe ... Duldung, nicht als wenn sie ein Kind der Liebe und Freude, sondern ein untergeschobenes Wechselkind nur so an sich zehren ließe , weil sie ... gar nicht begreift, wie sie dazu kommt. Starke Worte!

Wie schon in Verona beklagt Goethe hier wieder die unsinnigen Gegenstände, mit denen die Maler sich quälen mussten und die ihn umso mehr stören, als sie von guten Malern ausgeführt werden, Bilder, über die man toll wird, indem man sie verehren und lieben möchte. Über Guido Reni z. B. sagt er:

Quote
Indem der himmlische Sinn des Guido, sein Pinsel, der nur das Vollkommenste, was geschaut werden kann, hätte malen sollen, dich anzieht, so möchtest du gleich die Augen von den abscheulich dummen, mit keinen Scheltworten der Welt genug zu erniedrigenden Gegenständen wegkehren, und so geht es durchaus; man ist immer auf der Anatomie, dem Rabensteine, dem Schindanger, immer Leiden des Helden, niemals Handlung, nie ein gegenwärtig Interesse, immer etwas phantastisch von außen Erwartetes. Entweder Missetäter oder Verzückte, Verbrecher oder Narren ... Da ist nichts, was einen menschlichen Begriff gäbe! usw.

Das ist noch viel deutlicher ,schärfer und bitterer als seine Äußerungen in Verona.

Überhaupt scheint die heitere Gelassenheit, zu der Goethe in der Serenissima gefunden hatte, jetzt auf seiner Reise nach Rom einer nervösen Ungeduld und Gereiztheit gewichen, irgendwie ist er wieder auf der Flucht. In Florenz bleibt er nur drei Stunden und auch Perugia lässt er fast links liegen.
 
Sein Besuch in Assisi ist für mich ein Abbild en miniature seiner gesamten Italienreise:

Quote
Ich verließ bei Madonna del Angelo meinen Vetturin, der seinen Weg nach Foligno verfolgte, und stieg unter einem starken Wind nach Assisi hinauf, denn ich sehnte mich, durch die für mich so einsame Welt eine Fußwanderung anzustellen. Die ungeheueren Substruktionen der babylonisch übereinander getürmten Kirchen, wo der heilige Franziskus ruht, ließ ich links mit Abneigung, denn ich dachte mir, dass darin die Köpfe wie mein Hauptmannskopf(1) gestempelt würden. Dann fragte ich einen hübschen Jungen nach der Maria della Minerva ... und siehe , das löblichste Werk stand vor meinen Augen, das erste vollständige Denkmal der alten Zeit, das ich erblickte. Ein bescheidener Tempel ... und doch so vollkommen, so schön gedacht ... Seitdem ich Vitruv und Palladio gelesen ...Was sich durch die Beschauung dieses Werks in mir entwickelt, ist nicht auszusprechen und wird ewig Früchte tragen usw.

So schwärmt er noch anderthalb Seiten weiter. Was er da mit Verachtung straft, ist immerhin die (gotische) Grabeskirche, neben ihrer Bedeutung als Wallfahrtsort berühmt durch die Fresken Giottos, Cimabues u.a. ...

(1) bezieht sich auf einen vatikanischen Hauptmannn, mit dem G. sich über Religion unterhalten hat

Offline wanderer

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #20 on: 23. Januar 2010, 14.43 Uhr »
Hallo zusammen!

www.goethezeitportal.de (dort gibt es ein schönes "Special" zur italienischen Reise).

Vielen Dank, Tom, für den Link, den ich erst gestern in Ruhe genießen konnte.


Wie auch immer, schon auf den ersten Seiten war mir bewusst, dass ich bislang etwas versäumt habe und es hier mit einem unterhaltsamen, gut lesbaren und faszinierenden Stück Literatur zu tun habe.

Da kann ich dir absolut zustimmen.

Ich stimme Euch völlig zu. Seit Jahren hatte ich das Buch in Regal. Die Lektüre habe ich immer verschoben, weil ich es als ein Text nicht unterhaltsam und nicht frisch geschätzt hatte. Wer weiß warum.
Mit Goethe bin ich zurzeit in Sizilien gelandet.
Sicher am besten genieße ich die Stelle, die ich mit meiner Erfahrung bestimmter Örter vergleichen kann.
Goethes Abenteuer in Malcesine gibt teilweise ein gutes Beispiel einiger Beamten, denen man in Italien, und vielleicht nicht nur in Italien, begegnen kann. Einige Zitate, m. E., können die gelungene Schilderung der Situation erinnern und betonen:

Quote
„Von Frankfurt am Main!“ rief eine hübsche junge Frau, „da könnt Ihr gleich sehen, Herr Podestà, was an dem Fremden ist, den ich für einen guten Mann halte; laßt den Gregorio rufen, der lange daselbst konditioniert hat, der wird am besten in der Sache entscheiden können.“

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Als ich ihm nun die genaueste Auskunft fast über alles gegeben, um was er mich befragt, wechselten Heiterkeit und Ernst in den Zügen des Mannes. Er war froh und gerührt, das Volk erheiterte sich immer mehr und konnte unserm Zwiegespräch zuzuhören nicht satt werden […]

Quote
Zuletzt sagte er: „Herr Podestà, ich bin überzeugt, daß dieses ein braver, kunstreicher Mann ist, welcher herumreist, sich zu unterrichten. Wir wollen ihn freundlich entlassen, damit er bei seinen Landesleuten Gutes von uns rede und sie aufmuntere, Malcesine zu besuchen, dessen schöne Lage wohl wert ist, von Fremden bewundert zu sein.“

Quote
Dieses alles ward für gut erkannt und ich erhielt die Erlaubnis, mit Meister Gregorio nach Belieben den Ort und die Gegend zu besehen.

Quote
Diesen freundlich Zudringlichen unterbrach ich einigemal, meinem Befreier mich dankbar zu erweisen. „Dankt mir nicht“, versetzte der brave Mann, „mir seid Ihr nichts schuldig. Verstünde der Podestà sein Handwerk und wäre der Aktuar nicht der eigennützigste aller Menschen, Ihr wäret nicht so losgekommen. Jener war verlegener als Ihr, und diesem hätte Eure Verhaftung, die Berichte, die Abführung nach Verona auch nicht einen Heller eingetragen. Das hat er geschwind überlegt, und Ihr wart schon befreit, ehe unsere Unterredung zu Ende war.“

Der Aufenthalt in Venedig zu lesen, war für mich sehr interessant. Goethe konnte die Stadt wirklich gut erleben. Sehr ansprechend und entsprechend meiner Erfahrung fand ich, dass er sich in das Gewirr der Gassen orientiert haben könnte: ich denke, man kann nur so Venedig in ihrer Besonderheit wirklich beginnen zu verstehen. Eine Kostbarkeit, von der ich vorher nie gehört hatte, ist die Beschreibung der Gondoliere beim respondierenden Singen von Tasso und Ariosto.

Viele Grüße
wanderer

Offline wanderer

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Re: J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #21 on: 06. Februar 2010, 20.44 Uhr »
Hallo!

Kein Kommentar mehr in dieser Leserunde? Ich habe auch sehr wenig geschrieben und kann deswegen keinen Stein werfen  ;).
Ich habe die Erzählung über das Treffen mit Cagliostros Familie erst gestern gelesen. Wie läuft Eure Lektüre?

Viele Grüße
wanderer

Offline Gontscharow

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #22 on: 08. Februar 2010, 23.06 Uhr »

Cari amici del viaggio in Italia,

mir geht es weiterhin "wunderbar" mit der Italienischen Reise. Hatte und habe in diesen Tagen nur leider wenig Zeit etwas dazu zu schreiben .

Goethes ersten Romaufenthalt, also den Zeitraum bis Februar 1787, habe ich schon seit einiger Zeit abgeschlossen.
Ich fand es wichtig in diesem Zusammenhang Iphigenie nochmal zu lesen! Goethe hat ja sein "Schmerzenskind", diesen seit mindestens sechs Jahren um und umgewalkten Stoff mit nach Italien genommen, neben seinem Besichtigungspensum daran geschrieben und das Stück -  metrisch beraten durch seinen Freund Carl Philipp Moritz - dann in Rom abgeschlossen und nach Weimar verschickt, die Geburtstunde der "Weimarer Klassik".
Gern wüsste ich, was an diesem in vieler Hinsicht erstaunlichen(!) Stück außer den 5füßigen Jamben wirklich unter südlicher Sonne gereift ist, wie es so o. ähnlich immer so schön heißt. Mein Kommentator schweigt sich da aus... Man müsste nun die früheren Fassungen lesen, und den alten Griechen ...

Bald hoffentlich mehr aus Rom
Gontscharow




Offline Gontscharow

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #23 on: 12. Februar 2010, 12.11 Uhr »
Goethe ist in Rom, dem eigentlichen Ziel seiner Reise.
 
Fast drei Monate nach seiner Flucht aus Karlsbad schreibt er zum ersten Mal nach Weimar. Dies wird nicht explizit gesagt, man merkt es daran, dass seine Berichte jetzt an ein Publikum, an ein Du oder Ihr gerichtet sind. Während für den Zeitraum seiner Reise bis Rom hauptsächlich ein für Frau von Stein geführtes Reisetagebuch der IR zugrunde liegt, sind es jetzt Briefe an den Herzog, Frau v. Stein, den Weimarer Freundeskreis.

Man stelle sich das heute vor! Jemand fühlt sich 'burned out', kommt aus dem Urlaub nicht an seinen Arbeitsplatz zurück, meldet sich erst Monate später von irgendwoher und  -  behält seinen Job, sein Gehalt wird weitergezahlt und das open end! Fast zwei Jahre hält sich Goethe in Italien auf: Zwei Sabbatjahre ohne vorherigen schriftlichen Antrag bei fortlaufendem Gehalt! Paradiesisch!
Im Gegenzug erstattet Goethe, so etwas wie der Außenposten Weimars in der Kulturhauptstadt Rom, fortlaufend Bericht," bloggt" seine Bildungserlebnisse nach Weimar.
Goethes Abenteuer, wie wir sie in der IR lesen, sind doppelt gefiltert und stilisiert, einmal bereits für die Weimarer Gemeinde, dann durch den "alten Goethe", der die Briefe und Tagebücher bekanntlich redigiert und in Form gebracht hat. So sind es vor allem Bildungserlebnisse, aber auch Pittoreskes, Anekdotisches und Landeskundliches, wovon er berichtet. Immer aber auch, welchen geistigen Nutzen er daraus zieht, wie er sich an den Dingen kennenlernt.
 
Natürlich kein Ton von seinen amourösen Abenteuern, von dem holden Geschöpf, das mich versengend erquickt.

Aus den Römischen Elegien:
Quote
Noch betracht' ich Kirch' und Palast, Ruinen und Säulen, /Wie ein bedächtiger Mann schicklich die Reise benutzt, /Doch bald ist es vorbei: dann wird ein einziger Tempel, /Amors Tempel nur sein, der den Geweihten empfängt.

Nur die schickliche Seite zeigt uns Goethe in seiner Italienischen Reise. Warum? Weil es uns nichts angeht? Vor allem war wohl Frau von Stein davor, seine Lehrerin in höfischem Benimm und Zivilisation, zu der vielleicht doch nicht nur ein platonisches Verhältnis bestand, wenn Liebe in seinen Briefen kein Thema sein durfte. Später in den Römischen Elegien ging's dann ja auch.

Tagsüber also Iphigenie und die bildenden Künste, nachts Faustina.
« Last Edit: 12. Februar 2010, 14.41 Uhr by Gontscharow »

Offline wanderer

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #24 on: 12. Februar 2010, 12.57 Uhr »
Hallo Gontscharow,

danke für deinen Beitrag. Goethe ist in Catania und ich mit ihm. Eigentlich war ich nie dort. Leider komme ich nicht dazu, ein Kommentar zu schreiben. Ich gebe zu, dass eine gewagte Wahl gewesen ist, Italienische Reise, Dichtung und Wahrheit, Joseph und seinem Brüdern parallel und ohne viele Freizeit lesen zu wollen. Ich will aber nicht aufgeben. Das Forum hilft mir sehr: die Schuldgefühle für das zu wenig aktiv Teilnehmen peinigt mir  ::).

Schöne Grüße
wanderer

Offline orzifar

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #25 on: 12. Februar 2010, 20.51 Uhr »
Hallo wanderer,

da hast du dir tatsächlich einiges vorgenommen. Aber mir gefällt das, meine Lesepläne nehmen auch oft exzessive Ausmaße an. Wobei für dich als jemanden, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist (wie ich mich zu erinnern meine), das Schreiben von Beiträgen wohl noch zeitintensiver ist als für die anderen. Mir jedenfalls geht es in englischsprachigen Foren so, dass ich für das Verfassen mehr als die doppelte Zeit veranschlagen muss.

Also: Durchhalten ;). Lg

orzifar
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Offline wanderer

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #26 on: 12. Februar 2010, 23.41 Uhr »
Hallo Orzifar,

meine Lage hast Du sehr gut dargestellt: Um zu schreiben, brauche ich mehr Zeit und das ist ein Hindernis. Aber, wie Du empfiehlst, werde ich sicher durchhalten!
Danke für deine freundliche Ermutigung, die mir gut tut.

Schönes Wochenende
wanderer
« Last Edit: 13. Februar 2010, 16.43 Uhr by wanderer »

Offline Gontscharow

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #27 on: 14. Februar 2010, 23.17 Uhr »

Hallo wanderer,

nachdem Orzifar Dir schon Mut zugesprochen hat, bleibt mir nur zu sagen:
Wer an vier Lesefronten kämpft, ist entschuldigt und braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. :angel:

Grüße
Gontscharow

Offline wanderer

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #28 on: 15. Februar 2010, 10.54 Uhr »
Danke Gontscharow  für deine Worte  :)

Viele Grüße
wanderer

Offline Gontscharow

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Re:J. W. von Goethe: Italienische Reise
« Reply #29 on: 16. Februar 2010, 00.23 Uhr »
Weiter geht's mit Goethe in Italien:

In Rom lebt Goethe in Wohngemeinschaft mit Tischbein, Moritz und anderen am Corso nahe dem Palazzo Rondanini, immer noch halbinkognito als Filippo Miller, pittore.
Seinen Freunden, besonders Carl Philipp Moritz ist er zugetan, die deutsche Kolonie, die kleinstädtischen Künstlerzirkel, meidet er, da er Vereinnahmung befürchtet. Er hat besseres zu tun, nämlich diese Hauptstadt der Welt endlich kennenzulernen. Alles, was er von Kindheit an durch seinen Vater in Gemälden und Zeichnungen, Kupfern und Holzschnitten, in Gips und Kork kannte, steht jetzt leibhaftig vor ihm: Es ist alles, wie ich mir's dachte und alles neu. Alles, das ist natürlich das christliche Rom, der Vatikan, der Petersdom, die ehemals verachteten Collonaden, das sind Michelangelo, Raffael, Leonardo, aber natürlich vor allem das antike Rom, das Colosseum, die Thermen, das Forum, der Palatin usw. Und er versucht verzweifelt, die Eindrücke festzuhalten, durch mehrmaliges Aufsuchen, durch intensives Einprägen, durch Einbrennen ins Gedächtnis. Ja, wir sind noch nicht im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Kunstwerken! So begleiten wir Goethe bei seiner Suche nach Kopien, Kupferstichen, Zeichnungen. Sein Zimmer füllt sich mit Gipsabgüssen. Man kennt den kolossalen Kopf der Juno Ludovisi, der noch heute in Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar steht. Ich werde wohl in Zukunft seine Kunstsammlungszimmer mit anderen Augen betrachten.

Neben seinen Besichtigungen und seinen zeichnerischen Versuchen gehört auch Iphigenie zu seinem Pensum, die er in einem größeren Kreis vorliest. Es wird enttäuschend für beide Seiten. Seine Zuhörer haben etwas in der Art des Götz v. Berlichingen erwartet.
Jemand, der seine Iphigenie, diese stille Seelenlandschaft, zu schätzen weiß, ist Angelika Kaufmann , die Schweizer Malerin, zu der sich eine schöne und interessante Freundschaft entwickelt. Angelika versucht sich an einem Portät Goethes, gleichzeitig entwirft Tischbein sein berühmtes Gemälde Goethe in der Campagna.

Den Winter über bleibt Goethe in Rom. Ende Februar macht er sich mit Tischbein auf nach Neapel, der feuerspeiende Vesuv lockt.
« Last Edit: 16. Februar 2010, 11.21 Uhr by Gontscharow »