Author Topic: Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages  (Read 22571 times)

Offline orzifar

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #15 on: 23. August 2009, 18.38 Uhr »
Hallo!

Ich bin weder mit den Grundprinzipien noch mit Sherlock Holmes und Doktor Watson wirklich vertraut. Hingegen wird die Eigenetikettierung Perutz', dass es sich um _keinen_ Kriminalroman handle, erst durch den von ihm geschaltetenHerausgeber evident. Zwackt man dieses Ende ab, kann man den Roman problemlos als Krimi durchgehen lassen, so aber wird das Spiel mit den Wirklichkeitsebenen (die sich bei den im Buch im Schwange stehenden Rauschmitteln aufdrängen) betrieben, es wird auch eine Frage von Schuld und deren Kompensation. Möglicherweise kann Yosch nur durch diese Konstruktion überhaupt weiterleben, in jedem Fall aber scheint sie für ihn notwendig zu sein.

Zur Farbe und dem Synästhetizismus: Zustimmung. So ein jüngster Tag ohne Pauken und Trompeten (Posaunen und Trommeln) nebst diversen intensiven Farbelebnissen ist natürlich undenkbar - und selbstverständlich sind solche Erscheinungen dem Drogenkonsumenten nicht ganz fremd. (Möglicherweise könne Lesende (hier Mitlesende) von derlei Erfahrungen selbst berichten, ich weise strikt alle diesbezüglichen Verdächtigungen von mir und halte fest, dass es sich meinerseits selbstverständlich nur um Vermutungen handelt. Wie schreibt Perutz? Ich unterdrücke nichts, wozu auch ... ;).)

Und auch beim künstlerischen Kreativitätsproblem stimme ich zu. Perutz weist ja auch ausdrücklich darauf hin, dass sich von der Drogenmischung vor allem Künstler, deren Schaffenskraft ihrer eigenen Meinung nach zu versiegen droht, angezogen fühlen. Man könnte in der Interpretation vielleicht noch einen Schritt weitergehen: Dass nämlich der Künstler nur dann Großes zu schaffen imstande ist, wenn er sich voll und ganz auf diesen Schaffensprozess einlässt - und dass er dieses Einlassen durch Wahnsinn und Tod bezahlen muss. Eine mir bezüglich des Romanes plausibel erscheinende Interpretation, die aber mir in ihrer Aussage ein wenig billig vorkommt. (Und ich würde sie nicht unterschreiben.)

lg

orzifar
« Last Edit: 23. August 2009, 19.01 Uhr by orzifar »
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Offline sandhofer

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #16 on: 23. August 2009, 19.42 Uhr »
Guten Abend!

Hingegen wird die Eigenetikettierung Perutz', dass es sich um _keinen_ Kriminalroman handle, erst durch den von ihm geschaltetenHerausgeber evident. Zwackt man dieses Ende ab, kann man den Roman problemlos als Krimi durchgehen lassen, so aber wird das Spiel mit den Wirklichkeitsebenen (die sich bei den im Buch im Schwange stehenden Rauschmitteln aufdrängen) betrieben,

Einverstanden.

es wird auch eine Frage von Schuld und deren Kompensation. Möglicherweise kann Yosch nur durch diese Konstruktion überhaupt weiterleben, in jedem Fall aber scheint sie für ihn notwendig zu sein.

So, wie Sonja für Raskolnikow?  ;)

Man könnte in der Interpretation vielleicht noch einen Schritt weitergehen: Dass nämlich der Künstler nur dann Großes zu schaffen imstande ist, wenn er sich voll und ganz auf diesen Schaffensprozess einlässt - und dass er dieses Einlassen durch Wahnsinn und Tod bezahlen muss.

Als Verallgemeinerung könnte ich dem auch nicht zustimmen. Was den Roman selber betrifft - ich weiss nicht. Zumindest Yosch ist da offenbar nicht mit inbegriffen. Obwohl er das Zeug raucht, kann er - gewaltsam aus dem Rausch zurückgeholt - offenbar ganz normal weiter existieren. Jedenfalls vermeldet er nichts Gegenteiliges. Vielleicht ist er ja kein Künstler (obwohl er ein passabler Musiker zu sein scheint, auch wenn ich seiner Interpretation von Brahms nicht folgen kann). Wenn wir aber annehmen, dass er tatsächich künstlerisch begabt war und u.U. den vorliegenden Roman unter dem stimulierenden Einfluss der Droge geschrieben hätte, kommen wir in Teufels Küche ...
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Offline orzifar

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #17 on: 23. August 2009, 19.58 Uhr »
*nick* - in die Drogenküche. Das ergibt dann Schleifen wie auf Eschers Bildern. - Über Yoschs Weiterleben wissen wir eigentlich nichts - und überhaupt: Es gab ja diesen Pfeifeninhalt gar nicht, den er da geraucht hat. (Oder doch?? ;)) So gesehen stellt sich die Frage nicht, wie es dem guten Baron nach dem Konsum ging. Bestenfalls jene, was Perutz uns - vielleicht - damit sagen wollte. Aber ich hab's schon erwähnt: Diese Interpretation ist billig und ich mag sie im Grunde nicht. Es ist ein Verdacht, der sich zu sehr aufdrängt und ein wenig platt wirkt.

An den Vergleich mit Raskolnikow habe ich tatsächlich gedacht ;). Aber das führt wohl zu weit und wäre eine Seminararbeit für den Literaturstudenten.

lg

orzifar

p. s.: Was würde der Esoteriker wohl dazu sagen, dass wir diesen Roman ausgerechnet zum Jahrestag von Woodstock zu rauchen, äh lesen begonnen haben?
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Offline mombour

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #18 on: 24. August 2009, 17.54 Uhr »
war Perutz Synästhesist, dass er hier Farben und Töne kombiniert?

 Vielleicht sollte ich Aldous Huxleys The Doors of Perception und Heaven and Hell doch mal lesen. Kennt das jemand?


Zur Farbe und dem Synästhetizismus: Zustimmung. So ein jüngster Tag ohne Pauken und Trompeten (Posaunen und Trommeln) nebst diversen intensiven Farbelebnissen ist natürlich undenkbar - und selbstverständlich sind solche Erscheinungen dem Drogenkonsumenten nicht ganz fremd.


Auch Aldous Huxley schreibt in „Die Pforten der Wahrnehmung“ über intensivere Farbwahrnehmung nach Einnahme von Meskalin. Z.B. sieht er einen „Reigen goldener Lichter“, „prächtige rote Flächen“, die anschwellen und sich ausdehnen. Die Erzählung „Die Pforten des Opiums“ speist Marcel Schwob (1867-1905) auch mit visuell intensiven Beschreibungen.

Quote from: Marcel Schwob
Ihr Gesicht mit Safran eingerieben und die Augen zu den Schläfen hin gedehnt; ihre Wimpern waren goldbestäubt...ebenholzschwarze Zähne warern mit funkelnden kleinen Diamanten übersät.

 Ich finde es außerordentlich Interessant, das Schwob Edelsteine erwähnt. In „Himmel und Hölle“ zitiert Huxley aus einigen alten religiösen Texten, die sich ähneln wie Erlebnissberichte nach Einnahme von Meskalin; sehr oft kommen Edelsteine darin vor und sehr farbintensive Beschreibungen.

Sogar im „Phaidon“ von Plato:

Quote from: Plato
In jener anderen Welt sind die Farben viel reiner und leuchtender als hier unten....In jener anderen Welt gibt es keinen Stein, der nicht kostbar wäre und an Schönheit jeden unserer Edelsteine überträfe.

Liebe Grüße
mombour
« Last Edit: 24. August 2009, 18.29 Uhr by mombour »
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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #19 on: 25. August 2009, 19.40 Uhr »
Aber ich hab's schon erwähnt: Diese Interpretation ist billig und ich mag sie im Grunde nicht. Es ist ein Verdacht, der sich zu sehr aufdrängt und ein wenig platt wirkt.

Geht mir auch so.

Auch Aldous Huxley schreibt in „Die Pforten der Wahrnehmung“ über intensivere Farbwahrnehmung nach Einnahme von Meskalin. Z.B. sieht er einen „Reigen goldener Lichter“, „prächtige rote Flächen“, die anschwellen und sich ausdehnen.

Du hast es also gelesen? Nun, ich notiere mir das Buch mal geistig. Obwohl ... einen Reigen goldener Lichter oder prächtige rote Flächen sehe ich u.U. auch nur schon, wenn ich mir den Ellbogen irgendwo anschlage ...  O0
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Offline orzifar

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #20 on: 28. August 2009, 16.00 Uhr »
Nunja, Drogenerfahrungen sind heutzutage kein Künstlern vorbehaltenes, elitäres Erlebnis mehr; ich kenne kaum jemand aus meiner Generation, der damit nicht zumindest einige wenige Erfahrungen gemacht hätte. Ob Meskalin (in best. Alpenregionen sieht man oft eigenartige Schwammerlsuchtrupps, die es offenbar nicht nach Champignons und Herrenpilzen verlangt), Cannabis, Opiate oder Verwandtes - mit intensiven Farbwahrnehmungen darf man allüberall rechnen und LSD-Trips (gibt's die heute noch?) lassen das versammelte Bestiarium von Hieronymus Bosch vorüberziehen. Ich würde den beschriebenen Erfahrungen nicht allzu große Bedeutung zumessen (im Sinne einer metaphorischen Interpretation des Erlebten), Edelsteine mögen wohl deshalb häufig in solchen Beschreibungen auftauchen, weil ihre Farben als besonders rein gelten und deshalb in diesem Zustand gern assoziiert werden.

Wo genau ist die Stelle bei Phaidon? (Sie wird sich wohl eher auf das "ideal Seiende" beziehen denn auf entrückte Zustände, aber ich kann mich an die Passage nicht erinnern.)

lg

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #21 on: 28. August 2009, 16.27 Uhr »

Wo genau ist die Stelle bei Phaidon? (Sie wird sich wohl eher auf das "ideal Seiende" beziehen denn auf entrückte Zustände, aber ich kann mich an die Passage nicht erinnern.)


Oh, das kann ich leider nicht sagen, weil Huxley nicht die Stephanus-Nummerierung preisgibt. Ja, es geht da wohl um die Ideenlehre. Platon war wohl kein Kiffer. :)

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Offline sandhofer

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #22 on: 29. August 2009, 19.50 Uhr »
Ich würde den beschriebenen Erfahrungen nicht allzu große Bedeutung zumessen (im Sinne einer metaphorischen Interpretation des Erlebten), Edelsteine mögen wohl deshalb häufig in solchen Beschreibungen auftauchen, weil ihre Farben als besonders rein gelten und deshalb in diesem Zustand gern assoziiert werden.

Dem ist wohl so. Wie gesagt: Schon ein heftiger, unerwarteter intensiver Schmerz vermag so was auszulösen. Der Mensch ist wohl etwas locker verdrahtet. Im übrigen bin ich von Perutz sehr überrascht und erfreut. Seine Story ist intelligenter als mich der Anfang vermuten liess, wo er doch kaum über das Niveau von Strobl hinauskam. (Der allerdings seinerseits heutige Trivial- oder Unterhaltungsliteratur in der sog. "Fantasy" um einiges übertrifft.)
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Offline orzifar

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #23 on: 29. August 2009, 20.03 Uhr »
Solltest du weitere Perutz-Gelüste verspüren, ich würde mich beteiligen. Das geht immer auch zwischendurch, weil kurz und doch sehr angenehm zu lesen. Ich werde mir wohl auch die kurze Perutz-Biographie von Hans-Harald Müller zu Gemüte führen.

lg

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #24 on: 30. August 2009, 09.23 Uhr »
Solltest du weitere Perutz-Gelüste verspüren, ich würde mich beteiligen.

Hm ... ich weiss noch nicht. Giesbert Damaschke hat im Klassikerforum Perutz' Zwischen neun und neun so nebenbei und so ziemlich in die Pfanne gehauen. Gibt's denn noch Empfehlenswerteres?
« Last Edit: 30. August 2009, 09.55 Uhr by sandhofer »
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

Offline Anna

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #25 on: 30. August 2009, 12.12 Uhr »
Ach, schon werden wieder Zweifel gesät an einem Autor, den ich als echte Wiederentdeckung eingeschätzt habe. Ich kenne von ihm auch nur den „Meister“, habe aber noch „Der schwedische Reiter“ aus der SZ-Bibliothek im Regal. Bei Amazon gibt es dazu wie fast zu allen Büchern Perutz’ nur positive Stimmen, bei Perlentaucher.de eine positive Rezensionsnotiz aus der „Zeit“ und eine etwas kritischere aus der „NZZ“ http://www.perlentaucher.de/buch/11399.html. Ich habe noch Hoffnung!

Gruß
Anna
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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #26 on: 30. August 2009, 12.48 Uhr »
Hallo,

jawohl, man sollte Giesbert Damaschkes Meinung nicht als absolutum mauern ;D

Ich habe alle Perutz-Romane gelesen. Meine Favoriten: "Die dritte Kugel", der Prager Roman (konzipert als Novellenzyklus) "Nachts unter der steinernen Brücke" und "Der schwedische Reiter". Selbst "Zwischen Neun und Neun" ist urig und rätselhaft, endet allerdings mit einem Aha-Erlebnis,Auflösung durch einen Plot, dagegen ist die "Die dritte Kugel" noch viel raffinierter und rätselhafter (ein unlösbares Rätsel).

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mombour
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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #27 on: 30. August 2009, 13.31 Uhr »
Hallo!

Ich meine zwar einiges von Perutz schon gelesen zu haben, es liegt aber zu lange zurück für eine entsprechende Einschätzung. Beim "Meister" gefiel mir die Präzision der Beschreibung, man spürt - so mein Eindruck - den Zivilberuf des Mathematikers Perutz durch. Und diesem Denken - in all seine Paradoxien - kann ich viel abgewinnen, es scheint mir auch für das Genre des Kriminalromans (sofern's denn einer ist) gut geeignet. Zwischen 9 und 9 hab ich nicht zu Hause, kann mich aber der Meinung BigBens anschließen, dass man Perutz schon zu Ende lesen sollte, weil sich so manches erst aus diesem Ende erschließt.

Ich wäre also für weitere Leserunden offen, manches müsste ich mir allerdings kurzfristig besorgen (4 Bücher hab ich hier).

lg

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #28 on: 30. August 2009, 17.40 Uhr »
Ach, schon werden wieder Zweifel gesät an einem Autor, den ich als echte Wiederentdeckung eingeschätzt habe.

Hm ... ich bin da schon ein wenig zurückhaltender. Wiederentdeckung - das waren für mich in den letzten beiden Jahren Hans Jürgen von der Wense und Albert Vigoleis Thelen. Perutz ist charmant und geistreich, aber nicht ganz so originell wie die beiden. Was mich nicht daran hindern soll, mehr von ihm zu lesen.

Also:

Ich wäre also für weitere Leserunden offen, manches müsste ich mir allerdings kurzfristig besorgen (4 Bücher hab ich hier).

gilt auch für mich. Nur, dass ich mir jeden Text noch besorgen müsste, da ich keinen hier habe. Auch nicht auf dem Dachboden. ;)

[...] kann mich aber der Meinung BigBens anschließen, dass man Perutz schon zu Ende lesen sollte, weil sich so manches erst aus diesem Ende erschließt.

Das gilt auch für Ambrose Bierce  >:D ... Oder Hemingway. (Wobei einem die Lektüre von Bierce im Grunde genommen den ganzen Hemingway sparen lassen kann. Bierce kann's besser. Und weniger Macho-Gedöns hat er auch.)

jawohl, man sollte Giesbert Damaschkes Meinung nicht als absolutum mauern ;D

Nein. Aber ich kenne Damaschke (virtuell) nun wohl schon über 10 Jahre. Er gehört definitiv zu jenen, auf deren Meinung ich höre, weil ich sie oft als mit der meinen übereinstimmend gefunden habe.

Ich habe alle Perutz-Romane gelesen. Meine Favoriten: "Die dritte Kugel", der Prager Roman (konzipert als Novellenzyklus) "Nachts unter der steinernen Brücke" und "Der schwedische Reiter". Selbst "Zwischen Neun und Neun" ist urig und rätselhaft, endet allerdings mit einem Aha-Erlebnis,Auflösung durch einen Plot, dagegen ist die "Die dritte Kugel" noch viel raffinierter und rätselhafter (ein unlösbares Rätsel).

Prager Roman, unlösbares Rätsel ... hm ... Die dritte Kugel klingt interessant. (Vorausgesetzt, Perutz hat da nicht schon wieder von Bierce sich inspirieren lassen  ;). - Ich sage jetzt nicht "geklaut" ...  :-X  ;D)
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Offline orzifar

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Re:Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages
« Reply #29 on: 31. August 2009, 02.35 Uhr »
[...] kann mich aber der Meinung BigBens anschließen, dass man Perutz schon zu Ende lesen sollte, weil sich so manches erst aus diesem Ende erschließt.

Das gilt auch für Ambrose Bierce  >:D ... Oder Hemingway. (Wobei einem die Lektüre von Bierce im Grunde genommen den ganzen Hemingway sparen lassen kann. Bierce kann's besser. Und weniger Macho-Gedöns hat er auch.) 

Hemingway?? Den Zusammenhang verstehe ich nicht. Das Ende von "Wem die Stunde schlägt" passt etwa wunderbar zum Rest. Hemingway kann man ohne schlechtes Gewissen im Frühtau ad acta legen. In keinem Fall aber hat mich Hemingway jemals (ob nun bei vorerwähntem Roman oder bei manchen besseren Geschichten) durch das Ende überrascht.

Prager Roman, unlösbares Rätsel ... hm ... Die dritte Kugel klingt interessant. (Vorausgesetzt, Perutz hat da nicht schon wieder von Bierce sich inspirieren lassen  ;). - Ich sage jetzt nicht "geklaut" ...  :-X  ;D)

Besser ein guter Plagiator als ein schlechter Geschichtenerfinder. Gegen Abschreiben und Nacherzählen habe ich gar nichts, wenn's denn ansprechend gemacht ist. Das haben viele Schriftsteller getan - und wenn's denn gute sind, dann wird auch was draus. Soll er ruhig klauen, wenn er das Gestohlene auch entsprechend verwurstet. Nur Stehlen ist natürlich zu wenig.

lg

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