Hallo,
Da mag man sich wundern und seiner Fantasie freien Lauf lassen warum Nabokov sich in diesem Roman einer ungewohnt einfach gängigen Sprache bedient. Schließlich ist man anderes gewohnt. In der Biografie von Boris Nossik las ich, Nobokov habe über die dümmsten amerikanischen Filme Tränen gelacht. Kino war auch damals im Berlin der zwanziger Jahre vorigen Jahrhunderts gute Unterhaltung für das Volk, jeder ging ins Kino und jeder sollte „Gelächter im Dunkel“ lesen, das seine große Liebe zum Film Tribut zollt.
Der Roman spielt im Künstlermilieu. Albinus, ein verheirateter wohlhabender Bildrestaurator um die dreißig, verliebt sich in die noch nicht achtzehnjährige Margot, eine gerissene Göre, die ihn schamlos ausnutzt. Als sie auf ihren früheren Geliebten Rex trifft, einen berühmten aber armen Künstler, treiben sie ein böses Spiel mit Albinus.
Albinus begegnet Margot erstmals im Kino:
„Er hatte die Dunkelheit kaum betreten, als der ovale Strahl einer Taschenlampe auf ihn zuglitt...Gerade als das Licht auf die Eintrittskarte in seiner Hand fiel, sah Albinus das geneigte Gesicht des Mädchens.“
Nun heißt der Roman im Russischen „Camera Obscura“. Das ist eine dunkle Kammer, in die durch ein Loch, in welches eine Linse angebracht sein kann, ein Lichtstrahl fällt und so auf der gegenüberliegenden Seite ein spielgelverkehrtes Abbild projeziert wird, welches auf dem Kopf steht. In gewisser Weise sieht auch Albinus das Mädchen Margot verkehrt herum, nicht so, wie sie ist, weil er ihre bösen Absichten nicht erkennen kann und nicht einmal merkt, wie er verhöhnt wird.
Nabokov parodiert in diesem Roman das Filmmelodram. So wird aus der tragischen Dreiecksgeschichte eine ins Groteske verzerrte Komödie, die so unwirklich scheint, als rolle sie von einer Filmspule ab. So hat der Roman mir oft genug mein Zwerchfell geschunden. Da traut er sich nicht, im Kino Margots blicken zu begegnen,
„weil es wehtat hinzuschauen und weil er daran denken mußte, wie viele Male Schönheit – oder was er Schönheit nannte – an ihm vorübergegangen und verschwunden war.“
Ein köstliches Amusement wie im Kino.
Liebe Grüße
mombour