Ich hatte gleich 1995 "Ein weites Feld" vor allem als politisches Buch gelesen[...]
Am Schluss herrschte bei mir Ratlosigkeit vor. [...]
Vielleicht kann ich mich so verständlich machen: wenn einem eine Sache emotional nahe geht und man sie ernstnimmt, ist man kaum offen für Spielereien oder Ironie. Ich hatte kein Vergnügen an dem Buch[...]
[...] konstruiert, wie im Roman von Grass.
Danke für Deine Antwort. Das kann ich alles sehr gut nachempfinden.
Wenn ich Dich richtig verstehe, ist es dieser fiktionale (spielerische) Umgang mit einem politisch und existenziell brisanten Thema , der Dir keine Freude bereitet hat. Das meinte ich mit Grass' Marotte politische Anliegen zu "literarisieren", was für seine Kunst wie für das, was er politisch sagen wollte, mMn fatal war ... Aber er konnte es nicht lassen, verpackte sein "Outing" und zuletzt seine viel Staub aufwirbelnde Kritik an Israel in (schlechte) Literatur...
Ganz genau, so habe ich das gemeint.
Jetzt noch etwas aus der Kiste der Betrachtungen, die auf Literaturkritik.de anlässlich des Todes von Günter Grass wieder hervorgeholt wurden:
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16648&ausgabe=201205Man kann es Günter Grass nicht zum Vorwurf machen, dass er sich mit einem von ihm als "Gedicht" eingebrachten literarischen Text zur Politik äußerte. Jedoch nahm er einen extrem einseitigen, die Wirklichkeit verfälschenden Standpunkt ein, wenn er Israel als Hauptgefahr für den Weltfrieden namhaft machen wollte. Nicht nur weil es, vorsichtig gesagt, angesichts der belasteten Vergangenheit von grausamer Instinktlosigkeit, gepaart mit Überheblichkeit zeugte. "Obwohl neben möglicherweise zutreffenden Beobachtungen auch der pure Unsinn darin steht, muss es doch gesagt werden, und das gleich in drei europäischen Zeitschriften."
In den beiden Jahren danach, einer historisch ganz kurzen Zeitspanne, wurde auch sichtbar, dass mit IS und anderen terroristischen Vereinigungen neue andere Gefahren im Nahen Osten erschienen sind, während sich mit dem Iran nach Achmadinidschads Abtritt vorsichtig die Möglichkeit einer Verständigung andeutet, die auch der Vernunft zahlloser Perser entspricht, die lieber friedlichen Handel als Kriegsgetöse wollen.
Nicht dass politische Lyrik etwas für die "Ewigkeit" sein sollte - wie lebendig und frisch liest sich etwa Heinrich Heine heute! - doch das Verfallsdatum auf dieser Büchse war schon sehr früh überschritten.
Auch von dem in dem Artikel zitierten Bertolt Brecht gab es allerdings seltsame "politische Lyrik", wie ausgerechnet 1940 (deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt) das famose "Lied vom Klassenfeind".