Hallo, ihr zwei.
Danke für eure Antworten. Ok, scheint es also doch nur der Marketingtrip eines begnadeten Selbstdarstellers zu sein. Zugleich ist es aber doch tatsächlich so, dass sich das Publizieren im Moment verändert. Die unendliche Multiplizierbarkeit, wie sandhofer anmerkt, vielmehr noch die immer weiter steigende Masse der Publikationen, die durch die Möglichkeiten des elektronischen Publizierens noch größer werden (das Ende der Druckkostenzuschussverlage scheint mir mittelfristig unausweichlich). Im Moment führt das für mich sichtbar vor allem zu einer Zunahme fragwürdigsten Trashs, doch denkbar wäre ja auch die gegenteilige Entwicklung: Die Herstellung wird so günstig, dass sich auch die Publikation sehr spezieller Literatur lohnt. Vom Schriftstellerdasein leben, können dann aber nur noch die wenigsten. Aber das kann heute ohnehin kaum noch wer. Auch heute haben alle außer den ganz erfolgreichen, Brotjobs.
Das bedeutet für den einzelnen Autor/die einzelne Autorin: Man muss entweder versuchen, das Kuchenstück zu vergrößern, das man vom immer umkämpfteren Kuchen abbekommt, die Literatur unterwirft sich also weiterhin der altbekannten Marktlogik inklusive Verdrängungswettbewerb. Dem gegenüber stünden die Schriftsteller, denen es gelingt, eine kleine, finanzkräftige Fanbase aufzubauen, die ihnen für ihre Texte weitaus mehr zahlt, als den "Marktwert", also das vorliegende Modell Wondratschek. Ob man beides etwas in Crowdfundingmodellen, wie sie ja etwa in der Musikbranche immer beliebter werden, miteinander verbinden kann, muss man bei Literatur sehen.
50000 Euro Vorschuss sind übrigens kein Pappenstiel, vor allem wenn man bedenkt, mit welchen Verkaufszahlen wir es bei Literatur, die keine Genreliteratur ist, zu tun haben. Schriftsteller ist, wie gesagt, in der Regel kein Brotberuf, das Verlagswesen keine Branche, in der die Mehrheit der Mitarbeiter reich wird. Wahrscheinlich ist das unter einer Marktlogik, wie wir sie kennen, nicht zu bewerkstelligen. Aber darüber reden wir ja hoffentlich bald an anderer Stelle.
Herzlich, B