Author Topic: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta  (Read 4933 times)

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Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« on: 18. August 2014, 18.52 Uhr »
Hallo zusammen!

Eine äusserst interessante Biografie, voller auch verlegerischer Details. Fischer weiss, wovon er spricht; und ein Blick in die Buchhandels- und Verlagsszene des beginnenden 19. Jahrhunderts relativiert auch so vieles von dem, was gerade mal wieder gegen amazon vorgebracht wird. Denn auch Cotta war ein scharf kalkulierender Verleger, seine grosszügigigen Autorenhonorare (z.B. im Falle der Horen) wurden vom Erfolg seiner Bücher durchaus wieder eingebracht.

Grüsse

sandhofer
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Offline sandhofer

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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #1 on: 19. August 2014, 19.37 Uhr »
Nicht nur, dass man alte Bekannte wieder trifft - man lernt so vieles über die Kalkulation eines Buchs...
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Offline sandhofer

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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #2 on: 20. August 2014, 07.56 Uhr »
Der Politiker Cotta am Wiener Kongress: Einerseits als Vertreter des Verlags- und Buchhandelswesens für möglichst liberale Bedingungen für sein Business kämpfend, andererseits (innenpolitisch) in die württembergischen Verfassungsquerelen verwickelt. Cotta muss über ein unwahrscheinliches Arbeitsvermögen verfügt haben in den Jahren 1814-1819.
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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #3 on: 20. August 2014, 11.45 Uhr »
Eine äusserst interessante Biografie, voller auch verlegerischer Details.

Cotta interessiert mich schon seit langem. Bislang hatte ich jedoch den Eindruck, dass die Biografien Jubelarien sind, die - ein Schelm, wer Böses denkt - aus dem Hause Cotta stammen (z.B. diese: http://www.amazon.de/Die-Hand-%C3%BCber-ganzen-Welt/dp/3768197123/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1408527768&sr=8-2&keywords=Cotta+Verleger). Auch Fischer hat ja diesbezüglich eine einschlägige Vergangenheit. Oder nähert er sich dem Übervater ohne Weihrauchschwaden?

Offline sandhofer

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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #4 on: 20. August 2014, 12.03 Uhr »
Fischers Buch ist wissenschaftlich orientiert, und ganz ohne Weihrauch. (Der Wallstein-Verlag, wo das Werk erschienen ist, hat m.W. auch keine Verbindung zu Klett-Cotta. Eher noch zu Suhrkamp, für dessen Nachfolger im 21. Jahrhundert ich ihn halte.  ;) )
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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #5 on: 20. August 2014, 13.45 Uhr »
Fischers Buch ist wissenschaftlich orientiert, und ganz ohne Weihrauch.

Danke, das klingt nach einer Empfehlung.

Der Wallstein-Verlag, wo das Werk erschienen ist, hat m.W. auch keine Verbindung zu Klett-Cotta. Eher noch zu Suhrkamp, für dessen Nachfolger im 21. Jahrhundert ich ihn halte.  ;) )

Naja, noch ist Suhrkamp nicht gestorben. Es stecken noch Saft und Kraft in dem Laden - und Mut, wie die im vergangenen Jahr begonnene, auf vier Bände ausgelegte Edition ausgewählter Briefe Samuel Becketts zeigt. Die scheinen mir übrigens eine Sünde wert:
http://www.amazon.de/Weitermachen-ist-mehr-als-kann/dp/3518422987/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1408534926&sr=8-1&keywords=Beckett+Briefe
 

Offline sandhofer

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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #6 on: 20. August 2014, 17.41 Uhr »
Naja, noch ist Suhrkamp nicht gestorben.

Suhrkamp, aber das ist ein anderes Thema, ist für mich schon Ende der 80er gestorben ... ;)
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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #7 on: 20. August 2014, 18.08 Uhr »
Suhrkamp, aber das ist ein anderes Thema, ist für mich schon Ende der 80er gestorben ... ;)

Du meinst sicher den damaligen Streit in der Familie Unseld, oder? Das ist wirklich ein anderes Thema.  ;D

Offline sandhofer

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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #8 on: 20. August 2014, 19.13 Uhr »
Nein, eigentlich nicht, solche Familien-Querelen haben mich damals wie heute ziemlich kalt gelassen.

Aber spätestens Ende der 80er wurde immer klarer, dass in Bezug auf Gegenwartsliteratur bei Suhrkamp das Lektorat einen Einheitsbrei durchzusetzen begann. Vielleicht nicht bei den Autoren in der ersten Reihe (das weiss ich nicht, mit denen hatte ich keinen Kontakt), aber spätestens bei denen aus dem zweiten Glied. Unschön, und letzten Endes ungeniessbar. Weil dann - gefühlsmässig zumindest - die wissenschaftlich-philosophische Seite von Suhrkamp völlig auf die französischen Destrukturalisten (oder wie die Dinger hiessen, ich meine Derrida & Co.) abfuhr, konnte ich den Verlag nicht mehr brauchen...
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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #9 on: 21. August 2014, 12.40 Uhr »
Aber spätestens Ende der 80er wurde immer klarer, dass in Bezug auf Gegenwartsliteratur bei Suhrkamp das Lektorat einen Einheitsbrei durchzusetzen begann. Vielleicht nicht bei den Autoren in der ersten Reihe (das weiss ich nicht, mit denen hatte ich keinen Kontakt), aber spätestens bei denen aus dem zweiten Glied. Unschön, und letzten Endes ungeniessbar. Weil dann - gefühlsmässig zumindest - die wissenschaftlich-philosophische Seite von Suhrkamp völlig auf die französischen Destrukturalisten (oder wie die Dinger hiessen, ich meine Derrida & Co.) abfuhr, konnte ich den Verlag nicht mehr brauchen...

Programmleiter und Lektoren eines Verlags sind nicht immun gegen Moden - leider. Abgesehen davon, dass ich Derrida & Co. nie verstanden habe, war in meiner Erinnerung Ende der 80er eine ganz andere Zeitgeistströmung en vogue - und zwar der sog. Radikale Konstruktivismus. Daran muss man sich heute nicht mehr erinnern, obwohl seinerzeit eine Menge Sachbücher (an belletristische Werke kann ich mich nicht erinnern) unter dieser Flagge segelten. Auch Luhmanns Systemtheorie war damals wesentlich "hipper" als das Derrida-Gequatsche. In der frankophilen Schweiz kann das natürlich ganz anders gewesen sein.

Aber vielleicht sollten wir uns weniger über Suhrkamp & Co. unterhalten als vielmehr über Herrn Cotta. Ich habe die Biografie mal auf meine Liste gesetzt und freue mich auf weitere Kommentare aus Deiner Feder.

Offline sandhofer

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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #10 on: 21. August 2014, 19.09 Uhr »
Um tatsächlich wieder zu Cotta zurück zu kommen:

Es werden auch die nicht-verlegerischen/buchhändlerischen Aktivitäten Cottas detailliert geschildert. Nicht nur die politischen, die im Zusammenhang mit dem Wiener Kongress und den Karsbader Beschlüssen überhand zu nehmen drohen. Sondern auch die Promotion z.B. der Dampfmaschine fürs Druckwesen. Oder für die Bodensee-Schifffahrt.
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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #11 on: 21. August 2014, 20.01 Uhr »
Es werden auch die nicht-verlegerischen/buchhändlerischen Aktivitäten Cottas detailliert geschildert ... auch die Promotion z.B. der Dampfmaschine fürs Druckwesen.

Irgendwie bringt mein Gedächtnis Cotta in Zusammenhang mit Johann Friedrich König, dem Erfinder der Schnellpresse. http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Koenig

Ist das korrekt?

Offline sandhofer

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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #12 on: 21. August 2014, 20.05 Uhr »
Es bestanden Geschäftsbeziehungen zu Koenig & Bauer, ja.
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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #13 on: 22. August 2014, 19.34 Uhr »
[...] die Bodensee-Schifffahrt.

Bodensee- und Rheinschifffahrt. War dann aber nicht so erfolgreich...
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Offline sandhofer

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Re: Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta
« Reply #14 on: 23. August 2014, 19.57 Uhr »
In seinen letzten Jahren verwickelt sich Cotta dann in die Politik der Nach-Juli-Revolutionszeit. Das bekommt ihm nicht, und er stirbt, wie die beiden andern Goethe-Freunde Meyer und Zelter, noch im Jahr 1832.
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